Grandhotel Heiligendamm Schatten auf der Weißen Stadt

Auch in der Hochsaison stehen die schönsten Zimmer leer: Einst lud Kanzlerin Merkel hier zum G-8-Gipfel, doch nun braucht das Grandhotel Heiligendamm zum Überleben eine Vier-Millionen-Bürgschaft.

Von R. Wiegand

Für Spätentschlossene ist das Grandhotel Heiligendamm derzeit eine gute Adresse. Obwohl die Hochsaison beginnt, bietet das First-Class-Haus an der Ostsee Sonder-Angebote in allen Zimmerkategorien, mit oder ohne Meerblick und inklusive Frühstück.

Klassizistisches Ensemble an der Ostsee: Das Grandhotel Heiligendamm.

(Foto: Foto: dpa)

Was beim Urlauber als gute Nachricht ankommen dürfte, ist für die Betreiber eine Katastrophe. Das älteste Seebad Deutschlands versteht sich zwar als Urlaubshotel der höchsten Kategorie - doch Urlauber, die auch höchste Preise zahlen wollen, finden sich kaum.

Nun braucht das Hotel, in das einst Angela Merkel zum G-8-Gipfel lud, Hilfe. Das Land Mecklenburg-Vorpommern sichert den Betrieb in der Weißen Stadt am Meer mit einer Bürgschaft von vier Millionen Euro.

Staatsgeld für ein Luxushotel - Widerspruch ließ nicht auf sich warten. Die finanzpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Birgit Schwebs, sagte, diese Bürgschaft sei "das falsche Signal" in Zeiten, in denen Tausende von Beschäftigten um ihre Jobs bangten. Es bestehe die Gefahr, dass die Bürgschaft "in den Sand des Ostseebades gesetzt ist".

Öffentliche Schlammschlacht

Erst im Februar hatten sich in einer öffentlichen Schlammschacht die vom Unternehmer Anno August Jagdfeld geleitete Fundus-Gruppe, Mutter der Grand Hotel Heiligendamm GmbH und Co. KG, und die Münchner Kempinski AG getrennt.

Kempinski hatte das klassizistische Ensemble seit der Eröffnung 2003 betrieben. Doch als das Haus keine Gewinne, dafür aber in den schlechtesten Jahren bis zu sieben Millionen Euro Verlust einfuhr, entbrannte über die Schuld daran ein Streit zwischen Besitzer und Betreiber. Ohne Management-Dienstleister, so Fundus, würde es mit einem inhabergeführten Grandhotel Heiligendamm wieder aufwärts gehen.

Ein Trugschluss. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe die gehobene Hotellerie "landesweit in besonderem Maße getroffen", behauptet die Jagdfeld-Gruppe zwar. Eine falsche Geschäftspolitik vermuten aber Kritiker.

Hotellerie-Experten mahnten schon direkt nach dem Ausstieg von Kempinski, das Grandhotel müsse rasch wieder unter das Dach eines internationalen Betreibers. Ressorts dieser Klasse müssten von den USA bis zum Ural vermarktet werden, um sie sowohl auslasten als auch einen profitablen Preis pro Zimmer erzielen zu können. Laut Fundus sind derzeit aber 95 Prozent der Grandhotel-Gäste Deutsche.

Auch das Land Mecklenburg-Vorpommern knüpft nun einen neuen Betreiber als Bedingung an die rettende Bürgschaft. Außerdem müssen Filetstücke des Hauses verkauft werden. Die Politik ist aus mehreren Gründen an einer Zukunft des Betriebs interessiert. 300 Arbeitsplätze sind viel für die strukturschwache Gegend, und in den Ausbau des 225-Zimmer-Komplexes flossen einst auch 50 Millionen Euro öffentlichen Geldes.

Einlagenhöhe mindestens 25.000 Euro

Den Großteil der Investitionen von mehr als 220 Millionen Euro sammelte Fundus dem Geschäftsprinzip von Chef Jagdfeld folgend bei Anlegern ein, Einlagehöhe mindestens 25.000 Euro.

Erst vor wenigen Wochen war Jagdfelds Plan zum Ausbau von Heiligendamm in der Stadtvertreterversammlung von Bad Doberan gescheitert. "Es gibt im Stadtrat Leute", stichelte der Fundus-Boss da, "die keine drei Garagen finanzieren können - und die wollen uns belehren, wie man so etwas macht". Jetzt klingt er kleinlaut: Er freue sich, "dass das Land zu unserer gemeinsamen Verantwortung steht und das Hotel als touristisches Aushängeschild unterstützt".

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Im Kempinski Grand Hotel Heiligendamm