Überblick mit KIGoogle wird zur Antwortmaschine

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Antworten statt nur Links: Der Internetkonzern Google liefert nun auch in Deutschland gleich Antworten auf Fragen der Nutzer.
Antworten statt nur Links: Der Internetkonzern Google liefert nun auch in Deutschland gleich Antworten auf Fragen der Nutzer. Josh Edelson/AFP
  • Google führt in neun europäischen Ländern die Funktion "Überblick mit KI" ein, die bei vielen Suchanfragen KI-generierte Zusammenfassungen einblendet.
  • Die neue Funktion könnte den Anteil der Zero-Click-Suchen erhöhen und somit negative Auswirkungen auf Webseiten haben, die auf Klicks von Google angewiesen sind.
  • In den USA testet Google bereits den nächsten Schritt: Ein "AI Mode", der Links komplett durch längere KI-Zusammenfassungen ersetzt und Quellenverweise ans Ende stellt.
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Von sofort an blendet Google bei vielen Suchanfragen KI-generierte Antworten ein. Die Folgen für das Netz könnten dramatisch sein.

Von Simon Hurtz

Die wichtigste Website der Welt sieht für viele Menschen in Deutschland von sofort an grundlegend anders aus. Google schaltet die Funktion „Überblick mit KI“ schrittweise für Nutzerinnen und Nutzer in neun europäischen Ländern frei. Damit wird die Suchmaschine zur Antwortmaschine, die bei vielen Fragen eine KI-generierte Zusammenfassung einblendet. Das wird teils dramatische Folgen für das gesamte Netz haben. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist der Überblick mit KI?

Vergangenes Jahr kündigte Google eine „neue Ära der Suche“ an, beschränkte die „AI Overviews“ aber zunächst auf die USA. Zehn Monate später startet die Funktion mit neuem Namen im deutschsprachigen Raum. Bei bestimmten Suchanfragen fasst Googles Sprachmodell Gemini die zentralen Aussagen unterschiedlicher Quellen zusammen. Den KI-Überblick zeigt Google ganz oben an, die Links zu anderen Websites rutschen nach unten. Die Funktion ist in Deutschland standardmäßig aktiviert und wird in den kommenden Tagen freigeschaltet. Zunächst sieht man die KI-Antworten nur, wenn man mit einem Google-Konto angemeldet ist.

Bei welchen Suchanfragen antwortet KI?

Google blende KI-Zusammenfassungen ein, wenn sie einen klaren Mehrwert hätten, sagte Such-Chefin Liz Reid bei einem Pressegespräch kurz vor dem Deutschland-Start. Das betreffe etwa komplexe Fragen, die sich selten mit einem Link beantworten ließen. Als Beispiel nannte Reid Produktvergleiche und Hilfe bei Technikproblemen. KI könne helfen, die Inhalte mehrerer Quellen so zu kombinieren, dass sie genau zur Frage passten. Bei Suchen nach dem Wetter oder aktuellen Ereignissen sollen weiter Links an erster Stelle stehen. Das gilt auch für Fragen nach sensiblen Themen, bei denen eine falsche Antwort besonders üble Folgen haben könnte. Google nennt diese Inhalte „Your Money or Your Life“, kurz YMYL – also alles, was Geld, Gesundheit und Sicherheit betrifft.

Wie zuverlässig sind die KI-Ergebnisse?

Der Start in den USA war eine Blamage für Google. Auf Dutzende Fragen gab die KI lustige bis lächerliche Antworten und empfahl etwa, mindestens zwei Liter Urin täglich zu trinken, um Nierensteine loszuwerden. Mittlerweile sortiert das Modell Satire-Websites oder unsinnige Nutzerkommentare zuverlässiger aus. „Jede KI ist ein Kompromiss aus Faktenorientierung und flüssiger Ausdrucksweise“, sagt Reid. Beim angepassten Gemini-Modell für die Suche habe man großen Wert auf Fakten gelegt. Trotzdem gilt das Gleiche wie bei allen Sprachmodellen: Man sollte besser noch mal selbst prüfen. Kürzlich zeigte etwa eine Analyse der britischen BBC, dass Chat-GPT, Gemini, Copilot und Perplexity mehr als die Hälfte der Fragen nach aktuellen Ereignissen fehlerhaft oder irreführend beantworten.

Warum baut Google die Suche um?

Im Netz gilt: Der Marktführer von heute ist das Myspace von morgen. Selbst Google ist nicht unantastbar. Gerade junge Menschen suchen lieber auf Instagram und Tiktok oder greifen gleich zu Chat-GPT. Die Frage ist nicht, ob generative KI die Websuche auf den Kopf stellt – sondern nur, wann es geschieht und wer dann das passende Produkt anbietet. Google sagt, die Erfahrungen mit AI Overviews in den USA und anderen Ländern hätten gezeigt, dass Menschen häufiger suchten und zufriedener mit den Ergebnissen seien. Besonders deutlich sei der Effekt bei den 18- bis 24-Jährigen, also jener Zielgruppe, die Google auf keinen Fall an die Konkurrenz verlieren möchte.

Welche Folgen hat das für das Netz?

Einst war Google ein Wegweiser, der Menschen möglichst schnell zu den hilfreichsten Suchergebnissen weiterschicken wollte. Heute hat sich Google den Großteil des Webs einverleibt und beantwortet viele Fragen einfach selbst, ohne dass man auf Links klicken muss. Der KI-Überblick verschärft diese Tendenz. In den vergangenen Monaten haben mehrere Datenerhebungen gezeigt, dass die Funktion den Anteil der sogenannten Zero-Click-Suchen steigert. Auf Nachfrage nennt Googles Such-Chefin Reid keine Zahlen und sagt, dass Menschen länger auf den Seiten blieben, die sie per KI gefunden hätten. Wenn aber insgesamt weniger Menschen klicken, leiden die betroffenen Medien, Blogs und Portale trotzdem. In den USA laufen deshalb bereits Klagen gegen den KI-Überblick. Kürzlich veröffentlichte Google die Ergebnisse eines Experiments, das angeblich zeigt, dass Nachrichten keinen wirtschaftlichen Mehrwert für den Konzern hätten. Die Botschaft ist eindeutig: Liebe Verlage, wir können auch ohne euch, also beschwert euch erst gar nicht.

Was kommt nach dem Überblick mit KI?

KI-generierte Antworten als Teil der Suchergebnisse sind nur ein Zwischenschritt. In den USA testet Google bereits die nächste Stufe. Der sogenannte AI Mode ersetzt Links komplett, stattdessen spuckt das Sprachmodell eine längere Zusammenfassung aus. Verweise auf die Quellen erscheinen erst in einem Karussell am Ende. Für Websites, die auf Klicks von Google angewiesen sind, ist die Entwicklung bedrohlich. Je umfassender die Antworten ausfallen, die Google gibt, desto seltener werden Menschen die Originalquelle aufsuchen.

Kann man auch ohne KI googeln?

Wer sich die gute, alte Google-Suche zurückwünscht, kann einen Filter verwenden. Oberhalb der Suchergebnisse taucht neben Tabs wie „Bilder“ oder „Video“ auch „Web“ auf. Nach einem Klick verschwindet aller Schnickschnack, man sieht einfach nur zehn blaue Links. Die passend benannte Seite tenbluelinks.org erklärt, wie man die klassische Suche auf allen Geräten und Betriebssystemen als Standard festlegen kann. Es geht aber auch ganz ohne Google: Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Startpage, Ecosia oder Kagi sammeln weniger Daten und bieten mehr Anpassungsmöglichkeiten.

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