Pixel 7 und Pixel Watch:Google kann Handys, aber noch keine Uhr

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Pixel 7 und Pixel Watch: Das Pixel 7 Pro ist das neue Oberklasse-Handy von Google.

Das Pixel 7 Pro ist das neue Oberklasse-Handy von Google.

(Foto: Roselle Chen/Reuters)

Kein Smartphone bietet mehr fürs Geld als das Pixel 7. Für die Pixel Watch gilt das leider nicht: Googles erster Versuch einer smarten Uhr ist noch nicht ganz ausgereift.

Von Simon Hurtz, Berlin

Seit sechs Jahren stellt Google im Oktober neue Handys vor, die immer etwas besser sein sollen als ihre Vorgänger. Langweilig? Nein. Denn neben zwei Smartphones bringt Google dieses Jahr zum ersten Mal eine eigene Smartwatch auf den Markt. Die SZ hat die Geräte eine Woche lang im Alltag getestet und fasst die Erfahrungen mit Pixel 7, Pixel 7 Pro und Pixel Watch in sieben Beobachtungen zusammen.

1. Evolution schlägt Revolution

Design, Innenleben und Technik der siebten Generation ähneln dem Pixel 6. Trotzdem hat Google das Handy an entscheidenden Stellen verbessert. Die beiden Vorgänger-Modelle litten unter Verbindungsproblemen, neigten zum Überhitzen und ließen sich nur unzuverlässig per Fingerabdruck entsperren. Der Sensor reagiert nun deutlich schneller, zudem bringt Google die Gesichtserkennung des Pixel 4 zurück. Statt eines 3D-Modells erstellt die Frontkamera allerdings nur einen simplen Scan. Deshalb kann man das Handy mit seinem Gesicht nicht im Dunkeln entsperren und auch nicht für Banking-Apps oder andere sicherheitsrelevante Vorgänge nutzen.

2. Der Bauch kauft das Pro, der Kopf das Pixel 7

Das Pixel 7 Pro ist das bessere Smartphone. Es hat das größere und hellere Display mit höherer Auflösung und schnellerer Bildwiederholfrequenz. Der Arbeitsspeicher ist um die Hälfte größer, der Akku lädt etwas schneller, auf der Rückseite gibt es drei statt zwei Kameras. Trotzdem ist das Pixel 7 der bessere Deal.

Die Version mit 128 Gigabyte Speicher kostet 649 Euro, damit ist das Pixel 7 250 Euro günstiger als sein großer Bruder. Wer viel fotografiert und dabei regelmäßig den Zoom nutzt, kann sich das Pro schönreden. Für die meisten Menschen dürfte das günstigere Modell die vernünftigere Wahl sein. Erfreulicherweise hat Google trotz Inflation und schwachem Euro die Preise im Vergleich zum Vorjahr nicht erhöht. Im Vergleich zur Konkurrenz bieten beide Smartphones viel fürs Geld, Apple und Samsung verlangen für vergleichbare Geräte wie iPhone 14 und Galaxy S22 einige hundert Euro mehr.

3. Das Pixel schießt fantastische Fotos

Seit der ersten Generation des Pixels zählt die Kamera zu Googles größten Stärken. Die verbaute Hardware ist nur durchschnittlich, doch Googles Software verwandelt das mäßige Ausgangsmaterial in beeindruckende Bilder. Dieser Trend setzt sich beim Pixel 7 fort. In den meisten Situationen gleichen die Fotos denen des Vorgängers, und das bedeutet: Sie gehören zu den besten Aufnahmen, die man derzeit mit einem Smartphone machen kann.

Die Verbesserungen finden sich im Detail. Wer bei schlechten Lichtverhältnissen oder im Dunkeln fotografiert, wird den verbesserten Nachtmodus zu schätzen wissen, der deutlich schneller auslöst. Erstmals sind Makro-Aufnahmen von Objekten möglich, die sich direkt vor der Linse befinden. Auch bei der Video-Qualität hat das Pixel 7 zugelegt. Im Gegensatz zu den Fotos können die Videos aber immer noch nicht ganz mit denen des iPhone mithalten.

4. Der Star ist die Software

Maschinelles Lernen wertet nicht nur die Kamera auf, sondern das gesamte Handy. Bei der Präsentation des Pixel 7 sprach Google kaum über die Hardware. Es geht nicht mehr darum, was in Smartphones steckt, sondern was sie daraus machen. Beim Pixel ist das eine Menge. Man kann etwa verwackelte Fotos nachträglich schärfen und störende Objekte entfernen lassen. Wer viele Sprachnachrichten erhält, freut sich über die automatische Transkription. Das klappt auch mit Meetings oder Interviews, selbst mehrere sprechende Personen werden erkannt. Bald sollen Umgebungsgeräusche aus Telefongesprächen herausgefiltert werden, auch ein kostenloses VPN ist geplant.

5. Android 13 läuft rund, aber zu kurz

Lange Zeit galt iOS als das ausgereiftere Betriebssystem. Android bot mehr Freiheit, nervte aber mit Fehlern und Abstürzen. Diese Zeit ist vorbei, Android 13 läuft stabil, schnell und sicher. Eines sollte sich Google aber von Apple abschauen: Sicherheitslücken werden zwar fünf Jahre lang gestopft, neue Android-Versionen gibt es aber nur drei Jahre lang. Apple garantiert diese Updates für mindestens fünf Jahre. Die meisten Handys halten locker so lang durch. Für perfekt funktionierende Hardware keine aktuelle Software mehr anzubieten, grenzt an geplante Obsoleszenz.

6. Der Vergleich mit Apple ist müßig

Ist das Pixel besser als das iPhone? Muss Apple jetzt Angst haben? Diese Fragen tauchen jedes Jahr aufs Neue auf, dabei ist die Antwort eindeutig: nein. Das Pixel ist nicht besser als das iPhone, sondern anders. Deshalb muss Apple die Konkurrenz auch nicht fürchten. Nur wenige Menschen wechseln von iOS zu Android, denn Apples geschlossenes Ökosystem bietet für viele Nutzer Komfort und Sicherheit. Wer sich daran gewöhnt und Hunderte Euro für Apps ausgegeben hat, fängt selten mit Android von vorn an.

Einer Umfrage zufolge nutzen in den USA fast neun von zehn Teenagern ein iPhone. Unter allen Altersgruppen liegt der Marktanteil des Pixels in Nordamerika bei rund zwei Prozent. In Deutschland ist Android zwar weiter verbreitet als iOS, doch das liegt auch an den vielen günstigen Handys. Das Pixel ist bislang ein Gerät für Google-Fans, die keine Lust auf Samsung-Smartphones mit darauf angepassten Android-Versionen haben. Damit Google mit seinen Handys die breite Masse erreicht, braucht es einen langen Atem.

7. Die Pixel Watch ist bislang nur ein Versprechen

Die guten Nachrichten zuerst: Googles erste Uhr ist schlicht und elegant. Die Pixel Watch ist rund und vergleichsweise klein, am Handgelenk erinnert sie eher an eine klassische Armbanduhr als an einen Minicomputer. Der Drehknopf lässt sich gut bedienen, Armbänder sind schnell gewechselt, die gesamte Hardware wirkt wie aus einem Guss. Auch das GPS und der Pulsmesser funktionieren zuverlässig. Für einen ersten Versuch ist das respektabel.

Pixel 7 und Pixel Watch: Die Pixel Watch gibt es in verschiedenen Ausführungen.

Die Pixel Watch gibt es in verschiedenen Ausführungen.

(Foto: ROSELLE CHEN/REUTERS)

Leider merkt man, dass die Pixel Watch eben keine Apple Watch ist, deren Ökosystem aus Apps und Accessoires seit Jahren gedeiht. In Googles Play-Store finden sich nur wenige brauchbare Programme für die Pixel Watch, selbst eigene Apps wie Gmail hat Google noch nicht für das Smartwatch-Betriebssystem Wear OS angepasst. Ebenso enttäuschend ist die Fitbit-Integration. Vor drei Jahren übernahm Google das Unternehmen und wollte damit ins Geschäft mit Gesundheitsdaten einsteigen. Trotzdem fühlt sich die Fitbit-App an wie ein Fremdkörper. Aktivitäten werden nicht automatisch erkannt, für viele Funktionen muss man nach sechs Monaten ein Abo abschließen. Auch die Verbindung zum Smartphone funktioniert nicht zuverlässig, Benachrichtigungen verschwinden, Wecker und Ruhemodus werden nicht synchronisiert.

Der Akku ist klein und hält kaum einen vollen Tag und eine Nacht durch. Wer auch seinen Schlaf aufzeichnen will, muss also morgens und abends laden - was ausschließlich mit dem mitgelieferten Adapter funktioniert. Das Potenzial der Pixel Watch ist erkennbar, Software und Apps könnten sich in den kommenden Monaten verbessern. Bislang bietet die Uhr aber nicht genug, um den Einstiegspreis von 380 Euro zu rechtfertigen.

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