Die Google-Suchmaschine setzt immer stärker auf künstliche Intelligenz, und das bringt dem Unternehmen nun Ärger ein. Die EU verdächtigt Google, seine KI rechtswidrig mit Online-Inhalten gefüttert zu haben. Daher leitet die zuständige Europäische Kommission eine Untersuchung wegen möglicher Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ein.
Konkret wirft die Behörde dem Unternehmen vor, den Inhalt von Dritten ohne entsprechende Kompensation zu nutzen, um die Ergebnisse für Suchanfragen anzubieten. Dabei geht es zum Beispiel um journalistische Beiträge von Verlagen und Urhebern. Nun wird die Kommission prüfen, ob Google diesen möglicherweise unfaire Bedingungen auferlegt und gleichzeitig konkurrierende Entwickler von KI-Modellen benachteiligt habe, erklärte Kommissionsvizepräsidentin Teresa Ribera. Auf dem Spiel stünden „vielfältige Medien, offener Informationszugang und eine lebendige Kreativlandschaft“, ohne die es keine freie Gesellschaft geben könne.
Wer bei Google sucht, bekommt inzwischen oft KI-generierte Ergebnisse angezeigt. Es geht sowohl um zusammenfassende Antworten auf Suchanfragen als auch um den in Deutschland neu gestarteten KI-Modus. Der beantwortet Anfragen von Nutzern im konversationsähnlichen Stil eines Chatbots.
Moderne sogenannte generative KI kann Texte und Bilder erzeugen, die wirken, als hätten Menschen sie kreiert. Die Technologie funktioniert nur deshalb so gut, weil die KI mit gigantischen Mengen Daten gefüttert wurde. Weil viele dieser Daten urheberrechtlich geschützt sind, kommt es zum Konflikt zwischen Tech-Konzernen und Urhebern, darunter Verlagen und anderen Medien.
Auch der Umgang mit Inhalten auf Youtube wird untersucht
Einige Verlage berichten von einbrechenden Zugriffszahlen auf ihre Webseiten, seit Nutzer von der KI auf Googles Webseite oder App Antworten bekommen und deshalb nicht mehr auf die Seiten der Verlage weiterklicken müssen. Das Wall Street Journal rief im Sommer schon das „KI-Armageddon“ für Online-Nachrichtenseiten aus.
Die Kommission hat auch Bedenken beim Umgang mit Inhalten auf Googles Video-Plattform Youtube. Die Urheber müssten Google die Erlaubnis geben, ihre Videos für unterschiedliche Zwecke zu nutzen, darunter auch zum Training generativer KI-Modelle. Eine Vergütung erhalten sie aber nicht. Zugleich untersage Youtube Wettbewerbern von Google, Plattforminhalte zum Training eigener KI-Systeme zu nutzen – ein möglicher Vorteil für Googles eigene KI.
Die EU-Kommission untersucht auch, ob Google durch die Praktiken eine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt hat. Es gehe darum, ob die Online-Publisher die Möglichkeit hätten, der Nutzung ihrer Inhalte durch Googles KI zu widersprechen, teilte die Kommission mit. Technisch ist es schwierig für Verlage, die eigenen Inhalte gegen die KI-Suchergebnisse von Google abzuschirmen.
Die Einleitung des Verfahrens bedeute noch keinen Nachweis eines Verstoßes, betonte die Brüsseler Behörde. Wie lange das Verfahren dauern wird, ist offen.
Google kritisierte die Einleitung des Verfahrens. Ein Sprecher erklärte: „Diese Beschwerde riskiert, Innovationen in einem Markt zu ersticken, der wettbewerbsintensiver denn je ist. Europäerinnen und Europäer haben ein Recht darauf, von den neuesten Technologien zu profitieren. Wir werden weiterhin eng mit der Nachrichten- und Kreativbranche beim Übergang ins KI-Zeitalter zusammenarbeiten.“ Ähnlich wie sein Konkurrent Open AI hat Google Lizenz-Deals mit einzelnen Medien wie der Nachrichtenagentur AP oder dem großen Online-Forum Reddit abgeschlossen, um deren Inhalte rechtssicher verwerten zu können. Ob dies im Sinne der tatsächlichen Autoren der Beiträge geschieht, ist aber umstritten. Medien wie die New York Times haben einen anderen Weg gewählt und Open AI wegen der Nutzung von Artikeln für das KI-Training verklagt.
Rechteinhaber begrüßten die Untersuchung der EU. Die Verwertungsgesellschaft Corint Media vertritt verschiedene Medien vom Deutschen Ärzteblatt bis ProSieben. Christine Jury-Fischer, Geschäftsführerin von Corint Media, erklärte: „Die digitalen Gatekeeper nutzen journalistische Inhalte zugunsten der eigenen Geschäftsmodelle seit Langem – ohne jede faire Kompensation. Die Integration von KI-Funktionen basierend auf der Vorleistung Dritter vervollständigt Ausnutzung und Substitution journalistischer Inhalte auf einem nie dagewesenen Niveau.“

