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Google-Projekt Loon:Die Luft ist raus

FILE PHOTO: A Google Project Loon internet balloon is seen at the Google I/O 2016 developers conference in Mountain View

Ein Ballon des Loon-Projekts 2016 bei einer Google-Konferenz am Hauptsitz in Mountain View, Kalifornien.

(Foto: Stephen Lam/Reuters)

Neun Jahre hat Google viele Millionen Dollar in das Projekt Loon gesteckt: Ballons in der Stratosphäre, die Internet in unterversorgte Gebiete bringen sollten. Nun ist das Experiment beendet.

Von Helmut Martin-Jung

Dass es nicht funktioniert hat, kann man nicht sagen. Klar waren die technischen Schwierigkeiten enorm bei der ziemlich verrückten Idee, unterversorgten Gebieten aus der Luft von Ballons mit Internetzugang auszuhelfen. Nicht umsonst hieß das Projekt ja hübsch zweideutig Loon, was für balloon steht, aber auch für loony - g'spinnert, wie man das in Bayern nennt. Nun aber hat die Google-Mutter das wahnwitzige Unterfangen beendet.

Wie viele Millionen Dollar in Project Loon geflossen sind, darüber schweigt man bei dem Konzern aus Kalifornien. Neun Jahre hat es gedauert, und noch vor zweieinhalb Jahren war man sich offenbar relativ sicher, dass es klappen könnte. Da wurde aus Loon eine eigene Firma, ein Softbank-Fonds stieg mit 125 Millionen Dollar ein. Man darf also annehmen, dass Alphabet mindestens genauso viel Geld in die Stratosphäre geblasen hat.

Warum das Projekt scheiterte, diese Antwort kennt der Wind. Ballons sind den Luftströmungen nun einmal ausgesetzt, und die können ziemlich unberechenbar sein. Es ist damit technisch unglaublich anspruchsvoll, für ein beständig funktionierendes Netz zu sorgen. Dabei gab es durchaus Erfolge. Als beispielsweise 2017 ein Hurrikan die Kommunikation in Puerto Rico lahmlegte, da sprang Loon ein und konnte wenigstens etwas helfen.

Was dem Projekt aber die Luft herausgelassen hat, waren vor allem wirtschaftliche Gründe. Es sei nicht gelungen, ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell zu finden. Sprich: Aufwand zu groß, Nutzen zu gering. Hinzu kommt, dass gleich mehrere Unternehmen daran arbeiten, die Welt mit geostationären Klein-Satelliten mit Internet zu versorgen. Das hat zwar den Nachteil, dass die künstlichen Himmelskörper viel weiter von der Erde entfernt sind. Wodurch es zu langen Antwortzeiten kommt. Dafür bleiben die Satelliten, einmal hochgeschossen und ausgesetzt, an Ort und Stelle und werden nicht vom Winde verweht.

Ganz umsonst sei das verrückte Ballon-Abenteuer aber nicht gewesen, versichert man bei dem Internetkonzern. Einige der technischen Lösungen, die man für die Ballons entwickelt habe, würden dem Unternehmen auch bei anderen Projekten helfen, so etwa bei der Highspeed-Übermittlung von Daten mithilfe von Lichtimpulsen. Die setzt Google bereits bei einem anderen Projekt namens Taara ein. Auch damit soll das Internet in unterentwickelte Regionen gebracht werden, nur ist die Sache, wie man in Kalifornien sagt, mehr down to earth.

© SZ/mbe
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