Google EU-Kommission greift Googles Werbegeschäft an

Nach dem Betriebssystem Android und den Shopping-Angeboten nimmt die EU-Kommission jetzt auch noch die Werbeanzeigen von Google ins Visier.

(Foto: dpa)
  • Die EU-Kommission greift mit einer Kartellbeschwerde das erfolgreichste Geschäftsfeld des Google-Konzerns an: die Werbeanzeigen.
  • Es ist bereits das dritte Verfahren gegen den Internet-Riesen: Auch das Betriebssystems Android und Googles Shopping-Suche stehen bereits unter Beobachtung.
  • Im schlimmsten Fall droht Google eine Strafe von bis zu zehn Prozent seines gesamten Jahresumsatzes.

Die EU-Kommission hat ein neues Wettbewerbsverfahren gegen den amerikanischen Internet-Riesen Google eröffnet. Zwei Wettbewerbsverfahren laufen in Brüssel bereits gegen den Google-Mutterkonzern Alphabet, aber dieses Mal geht es um das Herzstück des Unternehmens: die Werbeanzeigen.

Die EU-Wettbewerbshüter werfen dem Konzern vor, durch seine dominante Marktposition die Werbemöglichkeiten von Wettbewerbern bewusst einzuschränken und Google-eigene Werbung zu bevorzugen. Das schränke die Auswahl für die Verbraucher ein und verhindere Innovation, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Zuvor hatte bereits das Wall Street Journal berichtet, dass die EU-Kommission konkurrierende Unternehmen gebeten habe, ihnen Zugang zu vertraulichen Werbe-Informationen zu ermöglichen. Diese sollten belegen, dass Google seine Dominanz im Werbegeschäft missbrauche.

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Google macht etwa 90 Prozent seines Umsatzes mit Online-Werbung

Bei der neuen Beschwerde geht es um das bei weitem profitabelste Geschäftsfeld Googles. Das Unternehmen macht etwa 90 Prozent seines Umsatzes mit Werbeeinnahmen, im vergangenen Jahr betrugen sie 75 Milliarden Dollar.

Konkret nehmen Vestagers Experten die Google-Plattform AdSense unter die Lupe. Darin werden Suchanfragen auf anderen Internetseiten - etwa von Zeitungen oder Online-Einzelhändlern - mit Werbung verknüpft. Klickt der Nutzer die Werbung an, erhält sowohl Google als auch der Betreiber der Internetseite eine Provision. Nach Angaben der Brüsseler Behörde kontrolliert Google im Europäischen Wirtschaftraum 80 Prozent dieses Marktes. Sie wirft dem US-Konzern vor, die Vormachtstellung zu missbrauchen, indem die Betreiber keine Suchmaschinenwerbung von Google-Rivalen wie etwa Microsoft schalten dürfen. Zudem müssten die Internetseiten die Ergebnisse von Google besonders sichtbar platzieren.

Die amerikanische Handelskommission FTC hatte eine ähnliche Untersuchung gegen Google bereits im Jahr 2013 abgeschlossen. Google hatte sich daraufhin verpflichtet, Einschränkungen aufzuheben, mit denen das Unternehmen versucht hatte, die Anzeigen der Werbekunden auf verschiedenen Plattformen zu koordinieren.

Nach Android und Online-Shopping das dritte Geschäftsfeld

Die EU-Wettbewerbsbehörde unter der Leitung von Kommissarin Margrethe Vestager macht bei den Ermittlungen gegen Google Tempo. Zuletzt leitete sie ein Verfahren ein, dass sich mit dem Smartphone-Betriebssystem Android beschäftigt. Der Vorwurf: Google behindere mit dem Betriebssystem die Entwicklung und den Marktzugang konkurrierender Dienste. Einige Unternehmen werfen Google vor, seine marktbeherrschende Position zu missbrauchen, indem Google eigene Dienste, wie beispielsweise die Navigations-App Google Maps, besonders prominent auf den Geräten platziert.

Bereits seit einem Jahr prüft die Kommission zudem, ob Google beim Online-Shopping mit seiner Suchmaschine eigene Angebote zum Nachteil von Konkurrenten bevorzugt. Sie hat dieses Wettbewerbsverfahren nun auf der Basis weiterer Beweismittel und Daten ausgeweitet. Im schlimmsten Fall droht Google eine Strafe von bis zu zehn Prozent seines gesamten Jahresumsatzes.

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