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Goldreserven:Der Schatz ist so gut wie zu Hause

Bundesbank - Gold

Ab und an präsentiert die Deutsche Bundesbank einen Teil ihres Goldschatzes sogar, wie hier, der Öffentlichkeit.

(Foto: dpa)
  • Deutschland besitzt nach den USA den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Nun hat die Bundesbank mehr als die Hälfte davon nach Frankfurt geholt.
  • Bisher lagerten große Teile des Goldes im Ausland. So sollte es während des Kalten Krieges sicher verwahrt werden.
  • Kritiker behaupten immer wieder, der Schatz sei in Wahrheit verschollen und die Bundesbank wolle das nur nicht zugeben.

Von Jan Willmroth, Frankfurt

In diesem Spätsommer geht ein 65 Jahre währender Teil deutsch-französischer Zusammenarbeit zu Ende und ist nun auf unbestimmte Zeit Geschichte. Von 1952 an lagerte die Bank deutscher Länder die ersten Goldreserven in den Speichern der französischen Notenbank ein. Jetzt, das verkündete Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele am Mittwoch, befindet sich dort kein einziger Barren aus dem deutschen Goldbestand mehr. Die zuletzt verbliebenen 91 Tonnen Gold hat die Bundesbank seit Anfang des Jahres nach Frankfurt verfrachtet.

Damit haben die Notenbanker die Goldreserven weitaus früher nach Deutschland geholt, als ursprünglich geplant. Etwas mehr als die Hälfte des deutschen Goldes befindet sich jetzt unter dem Gelände der Bundesbank in Frankfurt, das deshalb seit zwei Jahren schwer bewaffnete Bundespolizisten bewachen. "Aus meiner Sicht ist die vorzeitige Umsetzung ein voller Erfolg", sagte Thiele, augenscheinlich leicht betrübt darüber, vorerst nicht mehr öffentlich über Goldtransporte nach Frankfurt zu sprechen. Denn das Projekt Goldverlagerung ist damit abgeschlossen.

Deutschland besitzt nach den USA den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Die Bundesbank verwaltet 3378 Tonnen des Feinmetalls, in etwa 270 000 Goldbarren, jeder davon im Wert von ungefähr 440 000 Euro. Bis vor wenigen Jahren lag ein Großteil davon im Ausland, in den Tresoren der Federal Reserve Bank von New York, in den Lagern der Bank of England und in den Kellern der Banque de France. Sechs Jahre nach dem zweiten Weltkrieg hatte Deutschland begonnen, erste Goldreserven aufzubauen. "Das Gold wurde zu keiner Zeit ins Ausland verbracht", sagte Thiele, vielmehr sei es dort entstanden und jetzt erstmals in Deutschland. In der Zeit des Wirtschaftswunders brachte der Exportüberschuss Deutschland hohe Einnahmen in fremden Währungen, die man damals in Gold tauschen ließ und bei den ausländischen Notenbanken unterbrachte. Mit Abstand am meisten Gold befand sich in New York.

Während des Kalten Krieges zog es die Bundesrepublik vor, die Goldreserven im Ausland zu belassen. Im Krisenfall habe man nicht in Probleme geraten wollen, wie sie die Franzosen mit dem Angriff Nazi-Deutschlands hatten, sagte Thiele: Hunderte Tonnen Gold mussten von Paris an den Atlantik und von dort auf dem Seeweg vor den Deutschen in Sicherheit gebracht werden. Erst nach der Jahrtausendwende, als in den Frankfurter Tresoren Platz frei wurde, holten die Notenbanker erstmals Hunderte Tonnen Gold nach Deutschland.

Dem Bundesrechnungshof reichte das nicht, als er 2012 kritisierte, die Bundesbank habe die Goldbestände außerhalb Deutschland nie "körperlich aufgenommen und auf Echtheit geprüft". Das nährte Verschwörungstheorien: War das Gold in New York und London überhaupt noch da? War es jemals echt? Behauptet die Bundesbank einfach etwas, das sie nie überprüft hat? Seit dem Ende der D-Mark hat kaum ein Thema der Währungshüter zu so emotionalen öffentlichen Debatten geführt, wie das der deutschen Goldreserven.

Die gesamte Aktion kostete mehrere Millionen Euro

Der Vorstand reagierte auf diesen Druck und beschloss 2013, bis spätestens Ende des Jahrzehnts mehr als die Hälfte des Goldes nach Deutschland zu holen. Thiele reiste nach New York, London und Paris, ließ sich die Barren zeigen und schickte Mitarbeiter, um die Echtheit der Bestände zu prüfen. Die gesamte Aktion habe 7,7 Millionen Euro gekostet, sagte Thiele - nur auf welchen Wegen die insgesamt 674 Tonnen Gold mit den Jahren nach Frankfurt gelangten, verriet er auch diesmal nicht.

Ein Teil der Reserven wird künftig weiter in London und New York verbleiben. 432 Tonnen bleiben in der britischen Hauptstadt, am größten Goldhandelsplatz der Welt. Mehr als 1200 Tonnen lagern in New York, weil sich das Gold dort schnell in Dollar wechseln ließe. Dazu ist es schließlich da: um es im Ernstfall einzutauschen. Da Frankreich weder eine andere Währung hat, noch Paris ein Goldhandelsplatz ist, hat die Banque de France als Goldverwahrer ausgedient.

© SZ vom 24.08.2017/vd
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