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Goldpreis:Angst-Käufer treiben Goldpreis

Inside A High Street Gold Bullion Shop As Gold Climbs In Longest Run Since October

Manche Sammler mögen Münzen aus Gold

(Foto: Bloomberg)

Krisen, Kriege und die Aussicht auf einen US-Präsidenten Trump verunsichern die Anleger. Sie kaufen seit Jahresbeginn in großem Stil Gold.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Das erste Mal bleibt unvergesslich. Fast jeder dürfte überrascht sein, wie schwer sich ein kleiner Goldbarren und auch eine Goldmünze in der Hand anfühlen. Die Dichte und der Glanz des Edelmetalls spenden Vertrauen. Man hat buchstäblich das Gefühl, etwas Wertvolles in der Hand zu haben. Viele Menschen vermissen dieses Gefühl bei einem Geldschein.

"Gold ist nichts für kurzfristige Spekulationen. Wer richtig Gold kauft, der kauft es zum einen langfristig und häufig aus Verzweiflung und Angst", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Das Edelmetall war immer auch eine Krisenwährung.

Und nun das: Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis von 1060 Dollar je Feinunze auf mehr als 1300 Dollar gestiegen. Ein Plus von rund 30 Prozent - das gab es schon lange nicht mehr. In den zehn Jahren zwischen 2001 und 2011 war der Preis von 250 Dollar bis auf 1900 Dollar geklettert. Danach ging es bergab, Investoren steckten ihr Geld lieber in Aktien.

Doch die Krisen in Nahost, die Lage in der Türkei und die Ungewissheit, wer neuer US-Präsident wird, haben neue Ängste geschürt. Viele Anleger möchten einen Teil ihres Vermögens vor einer Katastrophe schützen. Sie fürchten zum Beispiel wegen der schlechten Wirtschaftslage in Italien einen erneuten Ausbruch der Euro-Schuldenkrise. "In China herrscht Unsicherheit über das Wachstum und eine drohende Immobilienblase. Chinesen dürfen ihr Geld nicht ins Ausland bringen. Deshalb kaufen sie Gold", sagt Weinberg. Dazu kommt die Nullzinspolitik der Notenbanken. Niedrig- und Negativzinsen machen die Geldanlage in Gold attraktiver. Das Edelmetall wirft keinen Zins ab - in Hochzinsphasen verspüren Anleger deshalb tendenziell weniger Neigung, ihr Geld in Gold zu stecken. Das ist jetzt anders.

Doch die Nullzinspolitik schürt noch viel grundlegendere Befürchtungen. "Europas Banken müssen auf ihre Überschussreserven bei der EZB jährlich vier Milliarden Euro Strafzins zahlen. Da fragen sich viele, ob dieses Geldsystem noch funktionstüchtig ist und legen einen Teil ihres Vermögens als Sicherheit in Gold an", sagt Weinberg. Mit ETF sei das kostengünstig möglich. Der Kauf dieser Wertpapiere ist deutlich günstiger als der direkte Erwerb von Goldmünzen oder Barren.

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Fonds, der das Geld der Anleger direkt in physisches Gold investiert. Ein solcher Gold-Fonds bildet den Marktpreis des Edelmetalls nahezu eins zu eins ab. Auch aus diesem Grund sind die Produkte sehr beliebt. Die Jahresproduktion von Gold beträgt rund 3100 Tonnen. "Bis Ende Juli haben ETF etwa 560 Tonnen Gold gekauft", sagt Weinberg. Das entspricht knapp einem Drittel der gesamten Minenproduktion. Entsprechend stark ist der Goldpreis gestiegen. Goldminen-Fonds gehören zu den Produkten mit der besten Rendite in diesem Jahr.

Die Nachfrage scheint ungebrochen, belegt der Blick auf die Xetra-Gold-Anleihe. Auch bei diesem Produkt fließt das Geld der Sparer direkt in physisches Gold, das sie sich jederzeit ausliefern lassen können. Der Bestand der Xetra-Gold-Anleihe sei seit Jahresbeginn um 50 Prozent auf insgesamt 90 Tonnen gestiegen, meldet die Deutsche Börse.

Insgesamt haben Investoren weltweit von Januar bis Juni 1064 Tonnen Gold gekauft, so der Goldminenverband World Gold Council. Besonders bemerkenswert dabei: Die Nachfrage lag um 16 Prozent höher als in der ersten Jahreshälfte 2009. Damals, direkt nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise, flüchteten Anleger scharenweise in Gold. Die aktuelle Verzweiflung muss groß sein.

© SZ vom 17.08.2016/bbr

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