Goldman Sachs Gottes Werk und Schiros Beitrag

Lloyd C. Blankfein bekommt einen Aufpasser: Die Machtfülle des Goldman-Sachs-Chefs steht schon seit der Finanzkrise in der Kritik, nun soll der Finanzexperte James J. Schiro die Arbeit des Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden überwachen. Kritiker hatten eine weitergehende Beschneidung von dessen Macht gefordert.

Von Benjamin Romberg

Es ist ein Kompromiss, mit dem Lloyd C. Blankfein womöglich gut leben kann. Dem Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs wird künftig James J. Schiro als Hauptgeschäftsführer ("Lead Director") zur Seite gestellt. Dafür darf Blankfein weiterhin den Posten des Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden in Personalunion ausüben; eine Rolle, die er einst auf eigenwillige Weise beschrieb. Er "verrichte die Arbeit Gottes", sagte Blankfein 2009.

Ex-Mitarbeiter haben Top-Jobs in Politik und Wirtschaft

Eliteschmiede Goldman Sachs

Mit der Ernennung Schiros reagiert die Bank auf Forderungen der Aktionäre nach einer Beschneidung der Macht von Blankfein. Vor allem der Pensionsfonds der Gewerkschaft für Beschäftige im öffentlichen Dienst, der American Federation of State, Council and Municipal Employees (AFSCME), verlangte eine Umstrukturierung. "Dass es keinen unabhängigen Aufsichtsratschef gibt, hat zu Goldmans gegenwärtigen Problemen beigetragen." Eine Trennung von Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitz würde Goldmans Leistungen und auch den Aktienkurs verbessern, so die Gewerkschaft.

Mehr als 30 Jahre hatte der neue Hauptgeschäftsführer zuvor beim Finanzdienstleister PricewaterhouseCoopers LLP gearbeitet, bevor er den Chefposten bei der Zurich Financial Services übernahm - bei jenem Schweizer Versicherer also, bei dem auch Noch-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann anheuern wird. Schiros Expertise in der Finanzindustrie sei hilfreich, sagte Eleanor Bloxham, Chefin der Beratungsfirma Value Alliance, zur Nachrichtenagentur Bloomberg.

An der Position Blankfeins wird nun aber kaum gerüttelt, lediglich die Struktur des Aufsichtsrates verändert sich. Der neu geschaffene Posten des Lead Directors ersetzt die Position von John H. Bryan, der nun in Ruhestand geht. Schiros Posten wird aber mit etwas mehr Kompetenzen ausgestattet. So ist dieser beispielsweise alleine für die Beurteilung des CEO, also von Blankfein, verantwortlich.

Auch wenn die ursprüngliche Forderung der Gewerkschaft nicht umgesetzt wird, zeigte sich ihr Präsident, Gerald McEntee, zufrieden: "Die Ernennung eines Lead Directors wird die dringend benötigte Kontrolle der Geschäftspraktiken und der Interessenkonflikte im Unternehmen gewährleisten", ließ McEntee in einem Statement verlauten.

Seit der Finanzkrise stehen die Geschäftspraktiken von Goldman Sachs in der Kritik. Ein Brief des ehemaligen Mitarbeiters Greg Smith, der in der New York Times veröffentlicht wurde, heizte die Debatte erneut an. Darin rechnete dieser mit seinem Ex-Arbeitgeber ab und prangerte die angeblich verkommene Moral bei Goldman an. Kunden seien beispielsweise in internen Mails als Deppen bezeichnet worden. Für Smith könnte der Gang an die Öffentlichkeit noch äußerst lukrativ werden. Spekulationen zufolge soll ihm die Veröffentlichung seiner Biographie bis zu einer Million Dollar einbringen.

Goldman-Chef Blankfein wies die Kritik zurück und erhielt prominente Unterstützung. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sorgte mit folgender Aussage für Aufregung: Blankfein "versucht eine Firma zu leiten, in einer Zeit, in der nicht einmal Gott sie leiten könnte, ohne kritisiert zu werden."