Goldman Sachs:Investmentbanker bekommen 30 Prozent mehr Einstiegsgehalt

Goldman Sachs's Investment Business Boosts Q2 Profits Despite Trading Losses

Die Zentrale von Goldman Sachs an der Wall Street: In einer internen Umfrage sollen die jungen Mitarbeiter von 105-Stunden-Wochen gesprochen haben.

(Foto: Spencer Platt/Getty Images)

Die Nachwuchskräfte von Goldman Sachs klagten über eine zu hohe Arbeitsbelastung. Jetzt gibt's zumindest eine saftige Gehaltserhöhung.

Von Jan Schmidbauer

Es ist ja nur ein Film. Doch das, was der Börsenmakler Jordan Belfort in "Wolf of Wall Street" seinen Nachwuchskräften entgegenbrüllt, als er schön zugedröhnt im dunkelblauen 2000-Dollar-Anzug vor ihnen steht, erweist sich gerade mal wieder als gar nicht so realitätsfernes Sittengemälde einer sehr speziellen Welt. "Seid ihr mit euren Kreditkartenrechnungen im Rückstand?", fragt Belfort. "Hält eure Freundin euch für einen verdammten Loser?" Dann nehmt den Hörer in die Hand. Arbeiten sollen sie gefälligst. "Ich will, dass ihr eure Probleme löst, indem ihr reich werdet", schreit Belfort.

Vermutlich geht es in der modernen Welt der Großbanken nicht mehr ganz so testosterongeladen zu wie im Film über den Börsenmakler Belfort. Doch was anscheinend bis heute gilt an der New Yorker Wall Street, ob in den Büros der Börsenmakler oder bei den Kollegen im Investmentbanking: Gearbeitet wird viel. Und: Probleme werden gerne mit Geld gelöst.

Am Freitag solle bitte nach 21 Uhr keine Arbeit mehr erwartet werden

Schon vor Monaten sollen die Nachwuchsanalysten von Goldman Sachs sich über eine zu hohe Arbeitsbelastung beklagt haben. Von 105-Stunden-Wochen war die Rede in einer internen Umfrage, die aus der Bank stammen soll und im Februar die Runde machte. Sogar ein paar konkrete Forderungen wurden genannt: Am Freitag solle nach 21 Uhr bitte keine Arbeit mehr erwartet werden. Und: Ein Wochenlimit von 80 Stunden wäre schön.

Nun hat die US-Investmentbank offenbar auf die Unzufriedenheit der jungen Mitarbeiter reagiert. Wie die Financial Times berichtet, wird sie ihnen künftig mehr zahlen. Im ersten Jahr sollen Analysten 110 000 Dollar bekommen, fast 30 Prozent mehr als vorher. Im zweiten Jahr sind es bereits 125 000. Exklusive Boni, versteht sich. Die Bank kommentierte den Bericht am Dienstag nicht.

Goldman Sachs jedenfalls reagiert mit seiner Entscheidung wohl auch auf die Konkurrenz. Banken wie Citigroup oder JP Morgan hatten die Gehälter für junge Investmentbanker zuletzt angehoben und damit sicherlich auch den Neid bei den Nachwuchskräften von Goldman geweckt.

Die Arbeitnehmer haben auch ein gutes Argument auf ihrer Seite: Weil es derzeit reihenweise Fusionen und Übernahmen an den Finanzmärkten gibt, verdienen die Banken im Investmentbanking prächtig. Und die Nachwuchskräfte haben entsprechend viel zu tun. Zu viel zu tun. Was Jordan Belfort ihnen raten würde? Vermutlich nur eines: An die Arbeit!

© SZ
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