Goldman-Einstieg bei Facebook Ein Aktionär, Tausende Investoren

In den USA braut sich Unmut über die Art des Einstiegs von Goldman Sachs bei Facebook zusammen. Die Börsenaufsicht SEC ist alarmiert: Sie will nicht die gleichen Fehler machen wie während der Finanzkrise.

Der groß angelegte Einstieg von Goldman Sachs bei Facebook hat in der amerikanischen Öffentlichkeit aufgeregte Diskussionen ausgelöst: "Es scheint so, als ob die Jungs und Mädchen von Goldman Sachs Sie und Ihre Kollegen schon wieder zum Gespött machen", schrieb der angesehene Kolumnist John Cassidy in einem offenen Brief an die Chefin der US-Börsenaufsicht SEC.

Unterschriften der ersten 200 Mitarbeiter von Facebook in der Unternehmenszentrale in Palo Alto, Kalifornien. Das Unternehmen dürfte sich bald deutlich vergrößern.

(Foto: dpa)

Und Mary Schapiro wollte den Vorwurf offensichtlich nicht auf sich sitzen lassen. Nur einen Tag nach dem Blogposting Cassidys berichtete das Wall Street Journal, dass die Behörde die derzeit bestehenden Auskunftspflichten nicht börsennotierter Firmen überprüfe. Allem Anschein nach will die SEC bei der nächsten möglichen Spekulationswelle eine bessere Figur machen als bei den Skandalen der Finanzkrise.

Nach den amerikanischen Gesetzen müssen Firmen in Privatbesitz mit 500 oder mehr Anteilseignern bestimmte finanzielle Informationen veröffentlichen, um die Interessen der Aktionäre zu wahren.

Regeländerung möglich

Die SEC prüfe nun, ob Goldman Sachs diese Regel umgehe, schreibt das Wall Street Journal. Die Börsenwächter wollten dabei insbesondere das Investmentvehikel untersuchen, das von Goldman Sachs und Facebook für den Einstieg geschaffen wurde. Mit diesem Vehikel sollen sich nach den Goldman-Plänen Investoren in einem Volumen von insgesamt 1,5 Milliarden Dollar an Facebook beteiligen können.

Kommentatoren hatten die Beteiligung von Goldmann Sachs und dem russischen Internet-Investor Mail.ru Group in Höhe von 500 Millionen Dollar als Weg für Facebook interpretiert, sich Zugang zu den Kunden der US-Investmentbank zu verschaffen, ohne Finanzdaten offenlegen zu müssen.

Tatsächlich zählt Goldman zunächst als nur ein Aktionär, hinter dem mit dem neu geschaffenen Investmentvehikel aber Tausende Investoren stünden. "Wenn die SEC entscheidet, dass das Finanzvehikel geschaffen wurde, um die 500-Aktionäre-Regel zu umgehen, könnte die Behörde Facebook zwingen, jeden der Aktionäre dieser Struktur in der Summe der Gesellschaft zählen", schreibt die Zeitung.

Mögliche Folge der Untersuchung könne auch sein, das Regelwerk zu ändern. Dabei müsse die SEC dann einen Kompromiss zwischen der Schutz von Investoren und dem Willen von nicht notierten Gesellschaften finden, sich Kapital zu verschaffen.

Entschlusskraft gefragt

Wie das Wall Street Journal zudem berichtete, wurde Goldman Sachs von potentiellen Facebook-Investoren mit E-Mails und Anrufen bombardiert. Die Investmentbank habe das Investment bislang aber nur Kunden mit einer Minimum-Einlage von zwei Millionen Dollar angeboten. Da erwartet wird, dass die Offerte drei- bis vierfach überzeichnet ist, werde aber wohl kein Goldman-Kunde eine Zuteilung in dieser Höhe erhalten.

Die Privatkunden von Goldman Sachs müssen in der Regel über ein zu verwaltendes Vermögen von mindestens zehn Millionen Dollar verfügen. Um Facebook-Aktien zugeteilt zu bekommen, müssen sie unterschreiben, die Papiere bis mindestens 2013 zu halten.

Jene glücklichen Kunden, die auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse von Goldman ein Angebot für den Kauf von Facebook-Aktien erhielten, müssen zudem offenbar sehr schnell zugreifen. Die Angebote seien am Sonntag zugegangen, sagte ein Goldman-Kunde der Nachrichtenagentur Reuters. Darin seien potentielle Investoren dazu aufgefordert worden, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen, um die konkreten Bilanzzahlen von Facebook erhalten zu können. Diese seien bis zum Dienstag aber noch nicht verschickt worden. Ein Kunde äußerte deswegen Erstaunen, weil Goldman zudem erwartet, dass die potentiellen Investoren bis zum Ende der Woche den Kaufantrag unterschreiben. Goldman wünsche sich von seinen Kunden offenbar, dass diese in "blindem Vertrauen" entschieden, sagte ein Anleger zu Reuters.

Inzwischen wurde zudem bekannt, wofür Facebook die jüngste Kapitalspritze von 500 Millionen Dollar zum Teil verwenden dürfte. Das soziale Netzwerk wolle den bisherigen Firmensitz des Computerherstellers Sun Microsystems in Menlo Park südlich von San Francisco erwerben, berichtete die US-Zeitung San Jose Mercury News und bestätigte damit entsprechende Gerüchte in US-Branchenblogs.

Standort im Blick

Ein Facebook-Sprecher sagte, das Unternehmen habe einen bestimmten Standort im Blick. Es sei aber zu früh, um schon konkreter zu werden.

Das Sun-Microsystems-Gebäude und das 23 Hektar große zugehörige Firmengelände gehören dem IT-Konzern Oracle, der Sun Microsystems im vergangenen Jahr übernommen hat. Bislang arbeiten die mehr als 1700 Beschäftigten von Facebook überwiegend in angemieteten Bürogebäuden in Palo Alto, das wie Menlo Park im Silicon Valley liegt.

Facebook hat weltweit mehr als 550 Millionen Mitglieder, die sich auf eigenen Profilseiten im Internet präsentieren und dabei mit Freunden und Bekannten vernetzen.

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