Gnadenhof-Imperium Aiderbichl Promis, Tiere - und nun ermittelt die Justiz

Berühmtheiten und Tierschicksale, von links oben im Uhrzeigersinn: Musiker und Schauspieler David Hasselhoff, DJ Ötzi, Moderatorin Carolin Reiber, Sängerin Dunja Rajter und Ehemann Michael Eichler, Schauspieler Maximilian Schell, Schlagerstar Patrick Lindner, Schauspieler Larry Hagman.

(Foto: Ursula Düren/dpa (6), Felix Hörhager/dpa)
  • Gut Aiderbichl ist der Stammsitz eines Gnadenhof-Imperiums mit mittlerweile 26 Gnadenhöfen.
  • Viele Prominente sorgen für gute PR.
  • Nun ermittelt die Justiz im Umfeld von Aiderbichl.
Von Georg Etscheit, Klaus Ott und Katja Riedel

Rehpinscher Mücke sei nunmehr "im Überglück", könne dank einer Augenoperation wieder sehen. Mit der blinden Hündin Patty, dem traumatisierten Chico und der tauben Katze Micky lebe er nun auf Gut Aiderbichl in Henndorf bei Salzburg ein glückliches Pinscherleben, ein Leben jenseits der ewigen Dunkelheit. So ist es auf der Internetseite des berühmten Gnadenhofes zu lesen, in einer jener rührseligen Geschichten, die eine Welt zeigen wie aus dem Groschenroman.

Eine Welt, in der Kälbchen "Kinder der Liebe" sind zwischen Stier und Kuh und in der jedes Tier seine ganz eigene Geschichte erzählt. Viele dieser Geschichten sind auf den Tafeln vor ihren Weiden und Gehegen zu lesen; auch, weil Aiderbichl mit diesen Geschichten das Mitleid der Menschen erregen will, erst ihre Herzen erreichen und dann ihre Brieftaschen.

Liebling der Society

Aiderbichl, das ist vor allem dessen Gründer, der gebürtige Augsburger Michael Aufhauser, 63, ein ehemaliger und nur mäßig erfolgreicher Schauspieler, späterer Touristikmanager und heute hauptberuflicher Promi-Tierschützer. An der Seite des verstorbenen Fürsten Johannes von Thurn und Taxis stieg er zu einem Liebling der Society auf. Er holt diese feine Gesellschaft nach Henndorf bei Salzburg, dort hat er 2001 den Stammsitz seines Gnadenhof-Imperiums eröffnet. Ein Imperium, das mittlerweile 26 Gnadenhöfe in Österreich, Deutschland, der Schweiz und in Frankreich umfasst, wo 6000 Tiere gefüttert und gepflegt werden. Dort lassen sich die Promis von einer gut organisierten PR-Maschinerie umgarnen, sie liefern Motive für die bunten Blättchen: Aufhauser mit Larry Hagmann, dem Dallas-Fiesling; Aufhauser Arm in Arm mit den Schauspielern Franco Nero und Roger Moore und Hugh Grant, der Lämmchen Mango streichelt.

Besondere Menschen, besondere Tiere.

Auch Mücke ist so ein besonderes Tier, der Rehpinscher steht unter Aufhausers ganz persönlichem Schutz - seit dessen Herrchen Gerd V., ein früherer Daimler-Manager und mehrfacher Millionär, im Jahr 2011 gestorben ist und große Teile seines Vermögens in den Dienst des Tierschutzes gestellt hat, was konkret heißt: in den Dienst von Aiderbichl. Doch dies ist nun keine typische Aiderbichl-Geschichte mehr. Keine Geschichte, die die vielen menschlichen Prominenten zu einer Tierpatenschaft animieren würde, wenn sie wieder zum Aiderbichler Weihnachtsmarkt oder der Eröffnung eines neuen Tierhauses an das vegetarische Büfett von Aufhauser gebeten werden. Im Gegenteil: Sollten die Vorwürfe stimmen, die mehrere mit Aiderbichl verbundene Personen erheben, dann wäre es eine Geschichte, die so gar nicht passt zur angeblichen Mission eines vorbildlichen Umgangs mit den Schwachen, seien es Tiere oder Menschen.

Denn Aufhauser & Co. werden verdächtigt, den Millionär Gerd V. und dessen ebenfalls vermögende Schwester Ursula V., auch sie lebt nicht mehr, hinters Licht geführt zu haben. Und die Ermittler prüfen nicht nur diesen Erbfall, sie interessieren sich auch für die persönlichen finanziellen Verhältnisse der Aiderbichl-Chefs, so geht es aus den Akten hervor.

Perfekte PR-Maschine

Aiderbichl - der Name soll keltischen Ursprungs sein und so viel wie "Feuerberg" heißen. Im Feuer stehen Aufhauser und sein Geschäftsführer und engster Vertrauter Dieter Ehrengruber - und zwar, seitdem der Bruder des verstorbenen Gerd V. im vergangenen Herbst Anzeige erstattet hat. Nun ermittelt die Justiz im Umfeld von Aiderbichl, im April hat sogar die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Wien den Fall übernommen. Sie befasst sich nur mit den großen Fischen: wenn der Schaden fünf Millionen Euro übersteigen könnte. Es geht um schweren gewerbsmäßigen Betrug.

Die Ermittlungen richteten sich zunächst gegen zwei Aiderbichl-Helfer: eine damalige Betreuerin des mittlerweile verstorbenen Geschwisterpaars V. sowie deren Bruder, einen Gutsverwalter. Inzwischen allerdings geht es nicht nur gegen diese beiden als Mittäter, sondern nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des österreichischen Magazins News werden seit 17. Juni auch Michael Aufhauser und Dieter Ehrengruber persönlich beschuldigt.

Sie sollen sich durch Täuschung einen Millionenbetrag erschlichen haben. Es geht um das Vermögen des Gerd V., der mit seinen Tieren auf einem heruntergekommenen Gnadenhof in Maria Schmolln in Oberösterreich lebte und Nachfolger suchte.