Glyphosat:Relevante Daten werden gezielt weggelassen

"Würden diese europäischen Behörden unabhängigen Studien mehr vertrauen als den Studien der Hersteller, dann wäre eine Verlängerung der europäischen Zulassung ernsthaft in Gefahr", glaubt der Toxikologe Peter Clausing, Mitautor der Analyse. Er sieht schwere Mängel in den Publikationen der Industrie. Dazu gehöre etwa das gezielte Weglassen relevanter Daten bei gleichzeitiger Präsentation irrelevanter Daten. "So werden Sachverhalte verzerrt, Leser in die Irre geführt und wissenschaftliche Beweise verneint."

Für Professor Christian Kreiß von der Hochschule Aachen ist das nicht überraschend. Der Autor des Buchs "Gekaufte Forschung" hat den Einfluss der Industrie über verschiedene Branchen hinweg untersucht. "Erwünschte Ergebnisse herbeizuführen ist vergleichsweise einfach", sagt er. Hinzu komme, dass Studien mit unerwünschten Ergebnissen nicht veröffentlicht werden müssten. Monsanto hält dagegen und wirft unabhängigen Forschern ihrerseits Fehler vor.

Auch in den USA gerät Monsanto zunehmend unter Druck: Dort wurden im Rahmen eines Gerichtsverfahrens erstmals interne Dokumente veröffentlicht. Aus ihnen geht hervor, dass Monsanto-Mitarbeiter offenbar im Verborgenen Studien verfasst haben, die externe Forscher nur noch redigieren und unterzeichnen sollten. Der Konzern weist den Vorwurf des Ghostwriting zurück. Hintergrund ist eine Klage von Krebspatienten, die Glyphosat für ihre Erkrankung verantwortlich machen. Für den US-Konzern, der von Bayer übernommen werden soll, steht viel auf dem Spiel. Zwar sind die Patente für Glyphosat ausgelaufen, doch viele gentechnisch veränderte Pflanzen, die der Konzern weltweit verkauft, sind auf das Mittel abgestimmt. Die europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat will mit einer Unterschiftenaktion ein Verbot des Pestizids erwirken. Sie wird von verschiedenen Organisationen unterstützt. Darunter Campact, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie das Pesticide Action Network Germany.

*Anmerkung der Redaktion: Der Titel der Untersuchung wurde im Nachhinein vom Herausgeber noch einmal geändert und heißt jetzt "Buying Science" und nicht "Bad Sciene".

© SZ vom 22.03.2017/hgn
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