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Glyphosat:Monsanto finanzierte weitere verdeckte Studien

Bayer darf Monsanto nun übernehmen.

Dass Monsanto zwei Glyphosat-Studien in Auftrag gegeben hat, hat der Bayer-Konzern der Organisation Lobbycontrol bestätigt.

(Foto: Steven Lüdtke/Picture Alliance)

Nicht nur in Deutschland, auch in Großbritannien forschten Wissenschaftler im verdeckten Auftrag von Monsanto am Unkrautvernichter Glyphosat - ohne dass Monsanto als Auftraggeber genannt wurde.

Der Glyphosat-Hersteller Monsanto, der inzwischen Teil von Bayer ist, hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien wissenschaftliche Studien verdeckt finanziert, in denen der angebliche Nutzen des umstrittenen Unkrautvernichters propagiert wurde. Dahinter stand offenkundig der Versuch, die europaweite, politische Debatte um die Wiederzulassung von Glyphosat im eigenen Sinne zu beeinflussen.

Nach Recherchen der deutschen Nichtregierungsorganisation Lobbycontrol erschienen zwei von der Beratungsfirma RSK Adas verfasste Studien in der Fachzeitschrift Outlooks on Pest Management, ohne dass Monsanto als Auftraggeber und Finanzier genannt wurde. RSK Adas und die Firma Bayer, die Monsanto zwischenzeitlich übernommen hat, bestätigten dies Lobbycontrol.

Erst Anfang Dezember 2019 war ein ähnlicher Fall in Deutschland aufgeflogen. Dabei stellte sich heraus, dass der Gießener Agrarwissenschaftler Michael Schmitz mit einigen Mitstreitern, im Auftrag und bezahlt von Monsanto, Studien veröffentlicht hat, welche den Nutzen und den Wert von Glyphosat herausgestellt hatten. Zuvor hatte Schmitz, der jahrelang das Bundeslandwirtschaftsministerium beriet, stets behauptet, die beiden Expertisen seien "ohne Förderung durch Dritte" entstanden. Auch nachdem sich dies als falsch herausgestellt hatte, beharrte der emeritierte Professor darauf, die Studien seien wissenschaftlich anspruchsvoll und in "Unabhängigkeit gegenüber den Auftraggebern" entstanden.

Die scheinbar neutralen Expertisen wurden im angesehenen Journal für Kulturpflanzen veröffentlicht, das vom Julius-Kühn-Institut herausgegeben wird. Das Fachblatt zog die Aufsätze inzwischen zurück. Die Universität Gießen, an der Michael Schmitz viele Jahre lehrte und forschte, zog bislang noch keine erkennbaren Konsequenzen. Der Professor hatte die Glyphosat-Studien und andere Auftragsarbeiten - etwa auch im Auftrag der Geflügelwirtschaft - über ein privates "Institut für Agribusiness" abgewickelt.

Die neuen Erkenntnisse aus Großbritannien nähren den Verdacht, dass "Monsanto mit Fall-Studien aus mehreren Ländern einen Pro-Glyphosat-Diskurs aufbauen wollte", wie der Politikwissenschaftler Ulrich Müller von Lobbycontrol sagt. "Seine eigene Rolle hat der Konzern dabei versteckt, um den Studien mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Diese Lobbystrategie war unsauber." Nach Müllers Angaben gibt es in den von Monsanto finanzierten Studien "an mehreren Stellen Anzeichen dafür, dass die Nutzung von Glyphosat und mögliche Verluste bei einem Verbot übertrieben dargestellt wurden". Diese hohen Zahlen und mögliche Verluste bei einem Verbot von Glyphosat habe das US-Unternehmen dann für seine Öffentlichkeitsarbeit verwendet - mit dem Ziel, die politische Zulassungsdebatte zu beeinflussen. Monsanto habe auf die Inhalte der Studie massiv Einfluss genommen, mutmaßt Lobbycontrol.

Der Monsanto-Mutterkonzern Bayer kündigte an, künftig die Finanzierung von Studien offenzulegen. Die Firma hat inzwischen neue sozioökonomische Studien bei RSK Adas in Auftrag gegeben. Diese stehen in Zusammenhang mit dem laufenden Verfahren um eine weitere Zulassung von Glyphosat über 2022 hinaus.

© SZ vom 13.03.2020/mxh
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