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Glyphosat:Bayer und die Monsanto-Listen

In Frankreich und Deutschland wurden rund 600 Personen geführt. Sie wurden nun angeschrieben. Monsanto habe von 2015 ein "sehr aggressives" Lobbying betrieben, sagt Bayers Cheflobbyist Berninger in einem Interview.

Die Kanzlei Sidley Austin hat nach Angaben des Pharma- und Agrochemiekonzerns Bayer bis Ende vergangener Woche alle Personen angeschrieben, die sich auf den deutschen und französischen Listen befänden. "Insgesamt sind dies rund 600", teilte der Konzern am Montag in einer Nachricht im Netzwerk Twitter mit. Mitte Mai hatten französische Medien enthüllt, dass die PR-Agentur Fleishman Hillard im Auftrag der Bayer-Tochter Monsanto in Frankreich Listen angelegt hatte mit zum Teil persönliche Informationen über Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und andere Personen, die sich in Europa an der Debatte um Glyphosat und Gentechnik beteiligten. Damals wurde in der Europäischen Union über die Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichters debattiert. Solche Listen wurden, wie Bayer dann einräumte, auch für Spanien, die Niederlande, Großbritannien, Polen und Italien geführt, und, wie Bayer-Cheflobbyist Matthias Berninger am Montag in einem Interview sagte, für die EU-Kommission. Auch in den übrigen Ländern werde "dieser Prozess", also die Information der betroffenen Personen "in Kürze abgeschlossen", heißt es auf der Bayer-Internetseite www.hier-sind-die-fakten.de.

Wie Berninger im Podcast Morning Briefing des Journalisten Gabor Steingart sagte, habe Monsanto von 2015 an "sehr aggressiv" Lobbying betrieben. Wie diese Arbeit "tatsächlich" stattfand, habe Bayer vor der Übernahme nicht feststellen können. Die Verhandlungen mit Monsanto liefen seit Frühjahr 2016, abgeschlossen wurde der Kauf für 63 Milliarden Dollar im Juni 2018. In die Kampagne sei ein "zweistelliger Millionenbetrag" geflossen. Nach vorläufigen Auskünften sei davon auszugehen, dass "zumindest in Deutschland keine Journalisten auf den Listen waren." Das hänge, erläuterte Berninger, auch damit zusammen, dass sich in jedem europäischen Land unterschiedliche "Unterauftragsnehmer" an der Kampagne beteiligt hätten. In Frankreich war dies nach Medienrecherchen Publicis. "Das war schon eine sehr ausgefeilte Kampagne", so Berninger in dem Interview.

© SZ vom 18.06.2019
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