Die Bergbaukonzerne Glencore und Rio Tinto prüfen eine Fusion zum weltweit größten Unternehmen der Branche mit einem Börsenwert von rund 207 Milliarden Dollar. Beide Firmen bestätigten am späten Donnerstagabend entsprechende Gespräche. Dabei gehe es um eine mögliche Zusammenlegung einiger oder aller Geschäftsbereiche. Eine Option sei eine Übernahme des Schweizer Glencore-Konzerns durch die britisch-australische Rio Tinto im Zuge eines Aktientauschs. Es sei aber offen, ob es am Ende zu einer Einigung komme.
Dies ist der zweite Anlauf für eine Annäherung innerhalb von gut einem Jahr. Ende 2024 hatte Glencore Rio Tinto angesprochen, eine Einigung gab es damals nicht. Einem Insider zufolge wurden die Gespräche Ende 2025 wieder aufgenommen. Seit dem ersten Versuch hat sich bei Rio Tinto einiges geändert: Unter dem neuen Vorstandschef Simon Trott, der im August sein Amt antrat, will sich der Konzern neu aufstellen und sich von weniger wichtigen Vermögenswerten trennen.
Rio Tinto ist der weltweit größte Eisenerzförderer und kommt auf einen Marktwert von 142 Milliarden Dollar. Glencore wird mit 65 Milliarden Dollar bewertet. Der Unternehmenswert, der auch die Schulden berücksichtigt, würde bei mehr als 260 Milliarden Dollar liegen.
Ein formelles Angebot müsste bis zum 5. Februar vorliegen
Glencore und Rio Tinto besitzen jeweils große Kupfervorkommen. Ein fusioniertes Unternehmen würde mit dem australischen Bergbaukonzern BHP Group konkurrieren. Rio Tinto könnte seine Kupferproduktion mit dem Deal erheblich ausweiten und dem Unternehmen eine Beteiligung an der Collahuasi-Mine in Chile verschaffen, einem der reichsten Vorkommen der Welt. Sowohl Rio Tinto als auch sein größerer Konkurrent BHP erzielen nach wie vor einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen aus Eisenerz. Dessen Nachfrageentwicklung ist ungewiss, da sich Chinas jahrzehntelanger Bauboom dem Ende zuneigt.
Ben Cleary, Portfoliomanager bei Tribeca Investment Partners, bezeichnete ein Zusammengehen als sehr sinnvoll. „Es ist der einzige große Bergbau-Deal, der derzeit auf dem Markt ist.“ Der Vorsitzende des Rio-Tinto-Boards, Dominic Barton, hat signalisiert, dass Rio Tinto eine Reihe katastrophaler Geschäfte hinter sich gelassen habe, das Unternehmen werde bei Übernahmen offener sein.
Analysten hatten zuvor bereits mögliche Hindernisse für einen solchen Deal genannt. Glencore ist einer der weltweit größten Kohleproduzenten – ein Geschäftsfeld, aus dem sich Rio Tinto bereits zurückgezogen hat –, während die beiden Unternehmen sehr unterschiedliche Unternehmenskulturen haben. Auch Glencore wollte den Kohlebereich bereits ausgliedern, was die Aktionäre jedoch verhinderten.
Gemäß den britischen Übernahmeregeln hat Rio Tinto nun bis zum 5. Februar Zeit, ein formelles Angebot für Glencore abzugeben oder zu erklären, dass es den Vorstoß nicht fortsetzen wird. Die in den USA notierten Aktien von Glencore legten nach der Bestätigung der Gespräche um sechs Prozent zu, Rio Tinto gaben um 0,6 Prozent nach. Zuerst hatte die Financial Times über die neuerlichen Verhandlungen berichtet.
