Rohstoffkonzern Glencore Beste Beziehungen

Der Konzernsitz von Glencore in der Schweizer Stadt Baar.

(Foto: REUTERS)

Glencore, der weltweit größte Rohstoffkonzern, zahlte jahrelang Millionen für die "Pflege der Beziehungen" zu Kongos Regierung. Das Geld ging an einen Mann, der unter Korruptionsverdacht steht.

Von Frederik Obermaier, Charlotte Theile und Oliver Zihlmann

Es war keine gute Woche für Glencore, den größten und verschwiegensten Rohstoffkonzern der Welt: Erst wurde bekannt, dass das amerikanische Justizministerium im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen Dokumente angefordert hat. Die Aktienkurse sanken zeitweise über zehn Prozent, das Unternehmen startete gar einen Aktienrückkauf.

Glencore lud für Donnerstag Journalisten ein, um von allerlei guten Taten zu berichten, von Sicherheitsstandards, gezahlten Steuern und gespendeten Wohltaten. Und ausgerechnet an diesem Tag werden erste Details eines bislang vertraulichen Vertrages öffentlich bekannt: Mehrere Millionen Dollar sollen an eine Firma, geflossen sein, die von einem dubiosen Geschäftsmanns geleitet wird, mal wieder ging es um die schon länger verdächtigen Glencore-Geschäfte in der Demokratischen Republik Kongo. Und mal wieder geht es um den Verdacht der Korruption.

Bereits im November 2017 war durch die von der Süddeutschen Zeitung veröffentlichen Paradise Papers bekannt worden, dass Glencore im Kongo auffallend günstig an wertvolle Minenlizenzen gekommen war.

Die Vorgänge wecken den Verdacht, dass im Zuge der Verhandlungen einer oder mehrere kongolesische Politiker oder Beamte bestochen wurden. Am Ende der Verhandlungen unterschrieb die staatliche kongolesische Minengesellschaft einen Vertrag, dem zufolge sie statt zwischenzeitlich geforderter 585 Millionen US-Dollar für Minenlizenzen nur noch 140 Millionen US-Dollar bekäme.

Sechs Millionen jährlich für die "Pflege der Beziehungen"

Der Demokratischen Republik Kongo - einem der ärmsten Länder der Welt - entging somit ein Vermögen. Im Zentrum der Affäre stand der israelische Geschäftsmann Dan Gertler. Ein amerikanischer Hedgefonds hatte im Rahmen einer gerichtlichen Vereinbarung mit US-Strafverfolgern schon vor Jahren zugegeben, mit Hilfe eines Mannes, den Experten als Gertler identifizierten, die kongolesische Regierung bestochen zu haben.

Nach den Paradise-Papers-Enthüllungen wurde Gertler, der alle Vorwürfe stets zurückgewiesen hat, als "Menschenrechtsverletzer" wegen "korrupter Minen- und Ölgeschäfte" sanktioniert.

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Die US-Behörden setzten nicht nur Gertler, sondern auch einen Vertrauten - einen Belgier namens Pieter D. - auf die Sanktionsliste. Und damit wäre man wieder bei jenem Geheimvertrag, von dem das Wall Street Journal am Donnerstag zum ersten Mal berichtete, und der nun dem Schweizer Tages-Anzeiger und der Süddeutschen Zeitung komplett vorliegt.

In dem Dokument ist festgehalten, dass eine Glencore-Tochterfirma ab Januar 2013 jährlich sechs Millionen Dollar an eine von Pieter D. geleitete Firma zahlt. Als Gegenleistung müsse das Unternehmen gewisse Dienstleistungen erbringen, unter anderem die "Pflege der Beziehungen" zur kongolesischen Präsidentschaft.

Die USA untersuchen bereits die Geschäfte von Glencore

Laut Angaben von Insidern galt der Vertrag bis Februar 2017, dann löste Glencore ihn auf. Das Unternehmen wollte sich bis Sonntag nicht dazu äußern, Pieter D. war für eine Anfrage nicht zu erreichen.

Pflege der Beziehungen also. Dazu muss man wissen: Das Wohlwollen des Präsidenten kann für Minenfirmen im Kongo entscheidend sein. In vielen Fällen war es Joseph Kabila, der das letzte Wort hatte bei der Frage, wer die Lizenzen für die Milliarden werten Bodenschätze des Landes erhält.

So scheint es zunächst nicht verwunderlich, dass Glencore sich vertraglich verpflichtet hat, für Beziehungspflege mit Kabila Millionen an eine Firma zu zahlen. Dass das Geld aber ausgerechnet an die Firma eines wegen Korruption sanktionierten Managers gehen sollte, könnte für Glencore unangenehme Konsequenzen haben. Der Basler Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperte Mark Pieth, der den Vertrag für SZ und Tages-Anzeiger analysiert hat, sieht jedenfalls zahlreiche Alarmzeichen. "Die Bandbreite der angebotenen Leistungen ist zu breit und die Nähe zur Regierungsspitze ist schlicht verdächtig", sagt Pieth. "Dieser Vertrag würde eine normale Korruptions-Prüfung durch eine professionelle Compliance-Abteilung nicht bestehen."

Schon jetzt untersucht das US-Justizministerium die Glencore-Geschäfte im Kongo - sowie jene in Nigeria und Venezuela. In der Schweiz wurde wegen dubioser Kongo-Geschäfte Strafanzeige gegen Glencore gestellt und nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg bereitete auch das britische Antikorruptionsdezernat ein Verfahren gegen Glencore vor.

Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

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