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Banken:Viele Girokonten werden erneut teurer

Am Geldautomaten

Bereits 2019 hatten 550 Anbieter, also knapp die Hälfte aller Banken, ihre Gebühren für Girokonten angehoben.

(Foto: Fabian Sommer/dpa)
  • 188 von 1276 untersuchten Banken haben im Januar ihre Preise für Girokonten erhöht - 550 weitere taten dies bereits 2019.
  • Mal werden die Monatspreise um 50 Cent oder mehr angehoben, mal einzelne Dienstleistungen verteuert.
  • Trotzdem gibt es laut dem Verbraucherportal Biallo.de fast 40 Banken, die bei privat geführten Konten keine Gebühren fordern.

Immer mehr Banken und Sparkassen erhöhen ihre Preise für Girokonten. Allein im Januar 2020 waren es 188 von 1276 untersuchten Geldinstituten, so viele wie noch nie in einem Monat. Das geht aus einer Analyse des Verbraucherportals Biallo.de für die Süddeutsche Zeitung hervor. "Mehr Geld für die Kontoführung verlangen Banken und Sparkassen vor allem auf dem Land oder in kleineren Städten. Das liegt vermutlich daran, dass dort der Konkurrenzkampf nicht so groß ist", sagt Horst Biallo, Gründer und Chef des gleichnamigen Internetportals.

Die neuen Zahlen zeigen: Die Geldhäuser setzen ihre Preispolitik aus dem vergangenen Jahr fort. 2019 hatten 550 Anbieter, also knapp die Hälfte aller Banken, ihre Gebühren für Girokonten angehoben. Ein eindeutiges Muster lässt sich dabei nicht erkennen. Mal werden die Monatspreise um 50 Cent oder mehr angehoben. Mal werden einzelne Dienstleistungen teurer, etwa wenn mehr Geld für eine Überweisung am Bankterminal oder fürs Einzahlen von Bargeld kassiert wird. "Die Banken sind recht kreativ, was ihre Preispolitik angeht. Aber unterm Strich kosten etliche kleine Leistungen jetzt Geld, die es früher einmal kostenlos gab", sagt Finanzexperte Biallo. Er hat den Eindruck, "dass viele Geldhäuser derzeit alles tun, damit die Kunden nicht in die Filialen kommen". Biallo fragt sich sogar, "wann die erste Bank ein Eintrittsgeld für den Besuch einer Filiale erhebt". Einen Sinn kann er darin nicht erkennen: "Auf der anderen Seite werden die Kunden angerufen und gefragt, ob sie sich nicht beraten lassen wollen."

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Geldautomaten

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Die neue Preiserhöhungsrunde spiegelt sich auch in den Durchschnittspreisen wider: Das klassische Basiskonto kostete laut dem Verbraucherportal im Dezember 2018 im Durchschnitt 4,78 Euro, jetzt sind es 4,91 Euro. Bei den Premiumkonten, bei denen meist die Zahl der Buchungen und Abhebungen unbegrenzt ist und die Girocard (früher EC-Karte) nichts extra kostet, stieg der Durchschnittspreis in diesem Zeitraum von 9,42 auf 10,15 Euro im Monat.

Auffällig sind die gestiegenen Kosten für Onlinekonten. Sie kletterten von monatlich 2,73 auf 3,42 Euro, ein Aufschlag von etwa 25 Prozent innerhalb von 13 Monaten. Zum Beispiel die Sparda-Bank München: Das Geldinstitut bot nach eigenen Angaben "fast 90 Jahre lang" ein Girokonto mit kostenloser Kontoführung an. Von April 2020 an sind aber 1,90 Euro für die online geführte Variante und 4,90 Euro für das normale Girokonto fällig. Vorstandschef Helmut Lind begründet dies mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). "Unsere Zinseinnahmen gehen deutlich zurück", sagt er. Die Entscheidung sei "notwendig, um die Zukunft unserer Bank zu sichern".

Ein Wechsel fällt Kunden heute leichter

Die EZB hatte im September 2019 die Strafzinsen, die Kreditinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, von 0,4 auf 0,5 Prozent angehoben. "Die Null- und Negativzinspolitik der EZB ist sicherlich ein wichtiger Grund, warum die Geschäftsbanken ihre Girokonten-Modelle verteuern. Ein, zwei Euro mehr im Monat zu kassieren, ist einfacher als Negativzinsen zu verlangen, erst recht bei Bestandskunden", sagt Bankenjurist David Riechmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Allerdings treffen solche Preiserhöhungen Kleinsparer heftiger als Kunden, die ein paar 100 000 Euro Guthaben auf Konten liegen haben." Wird das Girokonto teurer, rät Riechmann, einen Kontowechsel zu prüfen. Ein Wechsel sei heute leichter als früher, weil die alte Bank gesetzlich verpflichtet sei, beim Umzug zur neuen Bank zu helfen. "Den Dauerauftrag für die Miete zum Beispiel muss man dann nicht selbst ändern", sagt er. Viele Banken böten neben der vorgeschriebenen Kontowechselhilfe auch einen freiwilligen Service, um Kunden zu unterstützen.

Die Stiftung Warentest empfiehlt, ab einem Preis von jährlich 60 Euro inklusive Girocard einen Wechsel des Girokontos in Betracht zu ziehen. Geldexperte Biallo ergänzt: Ein nur online geführtes Konto sollte nicht mehr als 30 Euro im Jahr kosten, ein Filialkonto nicht mehr als 60, ein Premiumkonto höchstens 120 Euro im Jahr.

Noch ist der Spielraum für Sparer groß. Es gibt laut Biallo.de fast 40 Banken, die bei privat geführten Konten keine Gebühren fordern, ohne Wenn und Aber. Außerdem gibt es gut 60 Geldhäuser, die unter Bedingungen - wie etwa monatliche Geldeingänge - keine Monatspauschale einziehen. "Wer nichts zahlen mag, wird auch fündig", sagt Biallo.

© SZ vom 29.01.2020/vit
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