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Giphy-Übernahme:Schau her, mein Homer tanzt

700 Millionen Menschen nutzen die Gif-Datenbank Giphy, um im Chat ihre Gefühle auszudrücken. Wie Facebook das Unternehmen nach der Übernahme nutzen könnte.

Hat eingekauft: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

(Foto: Kenzo Tribouillard/AFP)

Vor rund dreißig Jahren erfand der Informatiker Steve Wilhite das speicherarme Bildformat Gif. In dieser Woche verdienten andere mit seiner Erfindung eine Menge Geld: Die Plattform Giphy, laut Eigenwerbung die "weltgrößte Bibliothek für Gifs", wird für angeblich 400 Millionen Dollar von Facebook gekauft. Der von der Website Axios angeführte Kaufpreis, den die beiden Unternehmen weder bestätigen noch dementieren, liegt deutlich unter den 23 Milliarden Dollar, die Facebook für Whatsapp und Instagram gezahlt hatte.

Giphy archiviert einfache Animationen, die User aus Bildern oder Videos erstellen können. Nutzer greifen häufig zu Gifs, um Gefühle auszudrücken. Anstelle des Satzes "Ich freue mich sehr" oder eines Smiley-Emojis kann das Gif eines tanzenden Homer Simpson verschickt werden. 700 Millionen Menschen nutzen den Service laut Giphy täglich. Die Gif-Maschine ist in Facebook, Whatsapp und Instagram integriert: 50 Prozent der Datenmenge von Giphy werden laut eigenen Angaben über diese Kanäle generiert. Beobachter wie der Apple-Blogger John Gruber von Daring Fireball und Netzaktivist Wolfie Christl sind sich einig, dass es Facebook bei der Übernahme um neue Datenquellen geht. Durch die Programmschnittstelle, mit der Giphy in andere Websites eingebettet ist, lassen sich zwar kaum persönliche Daten der Nutzer, dafür aber Metadaten von deren Bewegungs- und Kommunikationsströmen erstellen. Diese könnten für Facebook sehr wertvoll sein, weil sich daraus Rückschlüsse auf Trends, Interessen und damit auch das Konsumverhalten ziehen lassen - und das auch auf fremden Plattformen wie Tiktok oder Snapchat, auf denen Giphy ebenfalls genutzt wird. Giphy ist als Suchfunktion laut eigenen Angaben in sämtliche Messenger-Apps integriert, dazu kommen alle großen Social-Media-Plattformen und Hunderte weitere Kanäle. Das soll laut Facebook auch weiterhin so bleiben. Facebook-Manager Adam Mosseri twitterte, Daten seien nicht die treibende Motivation hinter dem Kauf. Er gibt jedoch zu, dass Daten zur Nutzung und Verbreitung bestimmter Gifs sehr wohl aufschlussreich für das Unternehmen seien und Einblicke über kulturelle Trends ermöglichten.

Unklar ist, was mit den Datenbeständen passiert, die im Umfeld bereits erstellter und geteilter Gifs generiert wurden. Jochim Selzer vom Chaos Computer Club geht davon aus, dass mit Übernahme von Giphy auch alle vorhandenen Datenbestände übernommen wurden. "Laut Datenschutz-Grundverordnung hat man zwar einen Anspruch darauf, dass die irgendwann gelöscht werden, mein Optimismus ist da aber eher eingeschränkt", sagt Selzer.

© SZ vom 23.05.2020
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