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Gewinneinbruch bei Großbanken:Schuldenkrise trifft Deutsche Bank doppelt

Das Geschäft im Investmentbanking läuft schleppend und der schwache Euro trübt die Bilanz. 300 Millionen Euro fehlen der Deutschen Bank im zweiten Quartal. Doch noch immer sind die Gewinne enorm.

Die Geschäfte bei der Deutschen Bank laufen in diesem Jahr noch schlechter als gedacht. Ein Nettogewinn von gut vier Milliarden Euro, den die Analysten dem Institut bisher zugetraut hatten, werde 2012 wohl nicht zu schaffen sein, signalisierte die Deutsche Bank am Dienstag. Eine offizielle Gewinnprognose hatte der Vorstand von Deutschlands größtem Geldhaus zwar nie gegeben. Doch die Analystenschätzungen waren Basis für die Kapitalplanungen der Bank.

Nun fehlen aber allein im zweiten Quartal netto mehr als 300 Millionen Euro: Statt der von den Experten veranschlagten etwa eine Milliarde Euro reichte es nur zu einem Gewinn von etwa 700 Millionen Euro, wie die Deutsche Bank einräumen musste. Vor einem Jahr hatte der Nettogewinn noch bei 1,2 Milliarden Euro gelegen.

Dass die Geschäfte im zweiten Halbjahr deutlich anziehen, gilt als unwahrscheinlich. Denn die Schuldenkrise hat der Deutschen Bank einen doppelten Strich durch die Rechnung gemacht: Das Geschäft im Investmentbanking läuft schleppend. Und wegen des schwachen Euro steigen die Kosten, die bei der in London und New York stark vertretenen Bank in Pfund und Dollar anfallen, um 300 Millionen Euro. Entsprechend mau lief das zweite Quartal.

Der Vorsteuergewinn halbierte sich nahezu auf etwa eine (Vorjahr: 1,8) Milliarde Euro. Analysten hatten laut Daten von Thomson Reuters Starmine 1,4 Milliarden Euro vorhergesagt. Der erste Quartalsbericht unter der Regie des neuen Führungsduos Anshu Jain und Jürgen Fitschen wird am 31. Juli veröffentlicht.

Die Deutsche-Bank-Aktie ging nach den Nachrichten mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent aus dem Xetra-Handel, gab im Späthandel aber um 2,4 Prozent nach. "Positiv ist, dass keine Rede von einer Kapitalerhöhung oder einem Verlust ist", sagte Analyst Guido Hoymann von Metzler Securities. "Die einzige Unwucht sind die höheren Kosten." Die Erträge blieben mit 8,0 (8,5) Milliarden Euro ebenfalls hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Sparen und Schrumpfen

Viele Großbanken müssen durch die derzeitige wirtschaftliche Lage, ähnliche Zahlen vermelden. Dies hatten schon die Quartalsberichte der US-Häuser und des Schweizer Rivalen Credit Suisse gezeigt. Vielerorts wird mit Sparprogrammen bei den gut bezahlten Investmentbankern gegengesteuert. Finanzkreisen zufolge will auch die Deutsche Bank im Investmentbanking jede zehnte der noch gut 10.000 Stellen streichen. Das allein reicht aber nicht.

Um bis Anfang 2013 wie geplant auch dann auf eine harte Kernkapitalquote (Core Tier-1) von 7,2 Prozent zu kommen, wenn man alle Übergangsvorschriften der neuen Basel-III-Regulierung außer Acht lässt, muss der Branchenprimus den Abbau von Bilanzrisiken beschleunigen. "Niedrigere Projektionen für den Jahresüberschuss 2012 werden durch zusätzliche Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken kompensiert", versprach der Vorstand. Equinet-Analyst Philipp Häßler sieht in den Zahlen auch ein positives Signal: "Offenbar wurden keine großen Rückstellungen wegen Libor gebildet."

In den vergangenen Tagen war dies das beherrschende Thema gewesen: Experten hatten gerätselt, ob die Deutsche Bank, die im weltweiten Skandal um Zins-Manipulationen zu den Beschuldigten gehört, schon jetzt eine entsprechende Risikovorsorge gebildet hat.

© Süddeutsche.de/Reuters/rela/mkoh

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