Gewerkschaftschef Weselsky:Ein Mann setzt sich etwas in den Kopf

Lesezeit: 1 min

GDL-Chef äußert sich zum Streik

GDL-Chef Claus Weselsky.

(Foto: dpa)

Knackpunkt zwischen Bahn und GDL-Chef Weselsky sind die Lokrangierführer. 3100 arbeiten beim Konzern, gestreikt haben: keine hundert. Deswegen behindert ein Gewerkschaftschef den Verkehr für fast eine Woche?

Kommentar von Daniela Kuhr

Sigmar Gabriel fragt, ob "eigentlich irgendjemand noch" verstehe, was sich bei der Bahn abspiele. Damit bringt es der SPD-Vizekanzler auf den Punkt. Bei diesem längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG geht es schon lang nicht mehr um die 19 000 Lokführer, auch nicht um die Zugbegleiter oder Bordgastronomen. Bei all diesen Berufsgruppen wäre eine Einigung zwischen Lokführergewerkschaft GDL und Bahn möglich.

Knackpunkt, das hat GDL-Chef Claus Weselsky selbst gesagt, sind nur noch die Lokrangierführer. Lokführer also, die auch Rangierdienste leisten. Wie viele es von ihnen im Bahnkonzern gibt? 3100. Wie viele von ihnen am Streik teilgenommen haben? Keine hundert.

Das kann einem schon die Sprache verschlagen

Die meisten Lokrangierführer sind in der weitaus größeren Eisenbahngewerkschaft EVG organisiert, die deshalb auch den bislang geltenden Tarifvertrag für diese Berufsgruppe ausgehandelt hat. Die meisten Lokrangierführer sind mit diesem Vertrag auch sehr zufrieden. Doch Weselsky besteht darauf: Selbst wenn er in einer Berufsgruppe ein einziges Mitglied hätte, dürfte er für dieses Mitglied einen eigenen Tarifvertrag aushandeln. Da hat er völlig recht.

Und doch kann es einem die Sprache verschlagen, wenn man sich bewusst macht, dass ein Gewerkschaftschef fast sechs Tage lang bundesweit den Bahnverkehr behindert - nur weil er sich in den Kopf gesetzt hat, für nicht einmal 100 Lokrangierführer Regeln zu ändern, mit denen 3000 andere offenbar wunderbar leben können.

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