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Tag der Arbeit:"Dumm und dämlich verdient"

Coronavirus - Schutzmaßnahmen im Einzelhandel

Insbesondere für Beschäftige im Handel fordern Gewerkschaften Verbesserungen.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Handelskonzerne profitieren, es gibt immer mehr Milliardäre, gleichzeitig gehen Hunderttausende Arbeitsplätze verloren, kritisieren die Gewerkschaften - und fordern zum 1. Mai eine faire Lastenverteilung in der Corona-Pandemie.

Zum Tag der Arbeit hat IG-Metall-Chef Jörg Hofmann eine faire Lastverteilung in der Corona-Pandemie gefordert. Einerseits boomten die Börsen und es habe noch nie so einen rasanten Zuwachs an Milliardären gegeben, sagte der Gewerkschafter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Gleichzeitig seien Hunderttausende Arbeitsplätze verloren gegangen und mehr Menschen auf Hartz IV angewiesen. "Die Risiken der Pandemie und der Transformation können nicht von den Beschäftigten allein geschultert werden, während andere ihre Chancen nutzen", warnte Hofmann. Die Pandemie hinterlasse nicht nur Opfer und Verlierer, es gebe auch Profiteure. "Diese massive Unwucht kann auch den politischen Raum ins Wanken bringen", sagte Hofmann.

Auch der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, forderte von der Bundesregierung rasches Handeln. Die Millionen, die in Kurzarbeit seien, um ihre Jobs fürchteten oder die in systemrelevanten Bereichen Außerordentliches geleistet hätten, erwarteten mehr als nur warme Worte. Insbesondere Beschäftigte im Gesundheitswesen und den sozialen Diensten seien enttäuscht und wütend über die Tatenlosigkeit der Regierung. Man erwarte konkrete Verbesserungen - und zwar noch in dieser Legislaturperiode. "Die Handelskonzerne haben sich dumm und dämlich verdient in den letzten Wochen und Monaten, die Drogeriekonzerne, die Baumärkte, und es hat nichts, noch nicht einmal einen feuchten Händedruck für die Beschäftigten gegeben, keinerlei Anerkennung, keinerlei finanzielle Verbesserung", sagte Werneke in einem Interview mit dem "heute journal update".

Kurzarbeitergeld "Brandmauer gegen Massenarbeitslosigkeit"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte den Tag der Arbeit in diesem Jahr unter die Überschrift "Solidarität ist Zukunft" gestellt. NRW-Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) forderte bei der DGB-Kundgebung in Düsseldorf mehr Anerkennung für gesellschaftsrelevante Berufe etwa in der Pflege. "Die, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen sind, die, die in den schlecht bezahlten Jobs sind, leisten zum Teil die größte Arbeit", sagte Laschet.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte generell höhere Löhne für Arbeitnehmer, die in der Corona-Pandemie besondere Lasten tragen. "Diejenigen, die seit über einem Jahr Corona-Pandemie unser Land am Laufen halten, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, in den Schulen und Kitas oder an den Supermarktkassen, das sind die Leistungsträger unserer Gesellschaft", sagte Klingbeil den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Sie haben mehr Respekt für ihre Arbeit verdient und das muss sich in besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen ausdrücken."

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hob dagegen die Wirksamkeit des Kurzarbeitergeldes im Kampf gegen Arbeitslosigkeit hervor. Er sei froh, dass sich der Arbeitsmarkt trotz Pandemie stabil zeige. Das Kurzarbeitergeld sei dabei der Schlüssel zum Erfolg und eine "Brandmauer gegen Massenarbeitslosigkeit", sagte Ziemiak der Deutschen Presse-Agentur.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte zum Tag der Arbeit die Gewerkschaften und dankte allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für ihren Einsatz in der Pandemie. Gerade Berufe, die sonst nicht solche Aufmerksamkeit erhielten, hätten das Land am Laufen gehalten, sagt sie in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft mit Blick auf Beschäftigte etwa im Einzelhandel und Lkw-Fahrer. "Die Pandemie hat uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Arbeit jedes Einzelnen ist, damit das große Ganze wie gewohnt funktioniert." Sie bedankte sich "für Ihren Einsatz in der schwersten Zeit, die unser Land seit Generationen erlebt hat. Für Ihre Solidarität und für Ihre Geduld."

© SZ/dpa/epd/rtr/sebi/hij
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