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Gewerkschaften:Es rumort bei den Piloten

Martin Locher, der Präsident der Vereinigung Cockpit, tritt überraschend zurück. Sein Nachfolger Markus Wahl muss nun die nächste Tarifrunde vorbereiten.

Nach weniger als einem Jahr hat der bisherige Präsident der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Martin Locher, sein Amt überraschend wieder abgegeben. Er nannte dafür in einem Schreiben an die Mitglieder des Verbandes private Gründe. Sein Nachfolger soll der bisherige Vizepräsident Markus Wahl werden. Die Personalie muss aber noch vom Beirat der Gewerkschaft bestätigt werden.

Locher war als Tuifly-Kapitän der erste VC-Chef, der nicht für Lufthansa fliegt. In seinem Schreiben heißt es, die Belastungen der Gewerkschaftsarbeit seien "nicht spurlos an mir vorübergegangen." Aus Rücksicht auf seine Familie sehe er sich zu dem Schritt gezwungen.

Insider vermuten indes, dass vor allem gewerkschaftsinterne Kämpfe für die Entscheidung Lochers ausschlaggebend waren. Er hatte versucht, über einen integrativen Ansatz die Interessen der verschiedenen bei der VC vertretenen Flugbetriebe zu bündeln. 2017 hatte sich die Gewerkschaft mit Lufthansa nach langen Konflikten und vielen Streiks auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der die Position der Konzernpiloten deutlich schwächt. Unter anderem garantiert Lufthansa die guten Bedingungen der Kernflotte nur noch für eine begrenzte Anzahl von Flugzeugen. Die Einigung muss 2021 neu verhandelt werden, was die Konkurrenz zwischen den Piloten der einzelnen Flugbetriebe wie Germanwings, Lufthansa Cityline, Eurowings und Lufthansa schon jetzt weiter anfacht. Die Lufthansa-Konzerntarifkommission, die die Verhandlungen für die Piloten führt, hat dem Vernehmen nach schon intern deutlich ihre Pfründe abgesteckt und damit der Gewerkschaft insgesamt Handlungsspielraum genommen.

Lochers Nachfolger Wahl gilt ebenfalls als Vertreter eines moderaten Kurses. Anders als dieser stammt er allerdings wieder aus dem Lufthansa-Konzern - dort fliegt er derzeit in der Frachtsparte die Boeing 777. Aber auch seine Ernennung ist ein Novum: Mit dem 39-Jährigen tritt erstmals ein Erster Offizier an die VC-Spitze.

© SZ vom 28.02.2019
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