Gewalt bei Protesten für Lohnerhöhung 250 Textilfabriken in Bangladesch geschlossen

Ein Polizist feuert am Dienstag ein Gummiprojektil während der Proteste in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Fabrikeinsturz in Bangladesch hat sich die Lage der Textilarbeiter nicht wesentlich verbessert. Es kommt zu Gewalt zwischen Polizei und Protestierenden. Die Maschinen stehen still.

Die Proteste der Textilarbeiter in Bangladesch hatten in den vergangenen Tagen an Schärfe gewonnen. Zehntausende Demonstranten gingen in Ashulia am Rande der Hauptstadt Dhaka auf die Straße und forderten einen höheren Mindestlohn. Steine sollen geflogen sein, die Polizei feuerte Tränengas und Gummigeschosse in die Menge. Die Proteste treffen nun auch die Fabriken. Etwa 250 Bekleidungsfabriken sind am Mittwoch geschlossen worden.

Bei den seit drei Tagen andauernden Auseinandersetzungen in der Nähe der Hauptstadt Dhaka wurden etwa 100 Menschen verletzt. Die Textilarbeiter fordern einen monatlichen Mindestlohn von umgerechnet rund 75 Euro.

Weil die Löhne extrem niedrig sind und die Zollbestimmungen für Lieferungen in die westlichen Industrieländer günstig, lassen viele große Modefirmen und Bekleidungsmarken in Bangladesch produzieren. Der monatliche Mindestlohn in der Textilwirtschaft liegt dort zurzeit bei umgerechnet 28 Euro.

Im April war in Bangladesch ein Fabrikgebäude eingestürzt, mehr als 1130 Menschen kamen ums Leben. Seit diesem Vorfall steht die Textilbranche in Bangladesch massiv in die Kritik. Mit der Katastrophe ist auch der Druck auf die Unternehmen und den Handel in Europa gestiegen, zu den Arbeitsbedingungen in den Fabriken ihrer Lieferanten in Bangladesch Stellung zu beziehen.

Glaubt man dem Handel, dann hat sich die Lage bereits verbessert: Bei der "Regierung und den Unternehmern sei ein Umdenken erkennbar", sagte Jan Eggert, Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels, am Dienstag bei einem Pressegespräch. Er verwies unter anderem auf die Überarbeitung der Arbeitsgesetze durch die Regierung. Eggert hält höhere Mindestlöhne für erforderlich, wollte sich aber zur Höhe nicht äußern.

Bisher seien vor allem die Kontrollen noch lax, sagte Lorenz Berzau, Geschäftsführer bei BSCI, der Initiative des europäischen Einzelhandels zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Lieferländern. So hat die Regierung angekündigt, 800 neue Fabrikinspektoren einzustellen. Bislang gab es nur 21; sie sind für 5000 Textilfabriken und alle anderen Fabriken zuständig. Eigentlich sollten schon bis Jahresende 200 neue Inspektoren eingestellt werden. Tatsächlich werden es laut Berzau aber nur 20 sein.

Fabrikeinsturz in Bangladesch Pullover gegen das Vergessen
Erinnerung an Fabrikeinsturz in Bangladesch

Pullover gegen das Vergessen

Gerade mal ein halbes Jahr liegt der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch zurück, aus der öffentlichen Debatte ist das Unglück mit mehr als 1000 Toten wieder verschwunden. Der Künstler Manu Washaus hat Sweatshirts mit Bildern der Trümmer entworfen - und lässt diese in China produzieren.   Von Christina Metallinos