Getränke:Weltbierproduktion steigt - Hopfenernte bricht ein

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Ein Braumeister entnimmt Bier aus einem Tank. Weltweit wurde 2022 mehr Bier produziert als erwartet. Foto: Marijan Murat/dpa (Foto: dpa)

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Nürnberg (dpa) - Die weltweite Bierproduktion ist 2022 überraschend gestiegen. Anders als von Experten erwartet, legte der Ausstoß um 1,3 Prozent auf 1,89 Milliarden Hektoliter zu, wie der weltgrößte Hopfenhändler BarthHaas am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Die Hopfenernte brach dagegen ein - vor allem weil Hitze, Trockenheit und schwere Gewitter den Pflanzen zu schaffen machten.

Vor einem Jahr habe man noch mit einem Minus bei der weltweiten Bierproduktion gerechnet, "da in Russland und der Ukraine etwa fünf Prozent der weltweiten Biermenge produziert werden", sagte BarthHaas-Geschäftsführer Peter Hintermeier. Die Rückgänge hielten sich aber - vor allem in Russland - in Grenzen. Insgesamt lag die Bierproduktion aber immer noch knapp unter dem Vor-Corona-Niveau von 1,91 Milliarden Hektolitern im Jahr 2019.

Die Big Five der Bierproduktion

Deutschland ist in Sachen Bierproduktion seit Jahren auf dem weltweit fünften Rang. Mit einem Wachstum um 2,8 Prozent auf 88 Millionen Hektoliter im vergangenen Jahr lag es zwar über dem Durchschnitt, der Rückstand auf die vier größten Produzenten bleibt dennoch groß: China kommt mit 360 Millionen Hektolitern auf den ersten Rang, gefolgt von den USA mit 194 Millionen, Brasilien mit 147 Millionen und Mexiko mit 141 Millionen Hektolitern. Zusammen mit Deutschland sind diese Länder für fast die Hälfte der weltweiten Produktion verantwortlich.

Mit Abstand größter Bierproduzent auf Unternehmensebene blieb die belgische AB InBev. Mit 518 Millionen Hektolitern in ihren diversen Brauereien in verschiedensten Ländern übertrifft sie selbst China.

Deutlich schlechter als der Bierausstoß entwickelte sich die weltweite Hopfenernte. Sie brach im Vergleich zu 2021 um 19 Prozent auf 107.000 Tonnen ein. Das ist laut BartHaas der stärkste Rückgang seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Produktion der für den bitteren Geschmack entscheidenden Alphasäure sei sogar um fast ein Viertel abgesackt. Zu Engpässen in der Bierproduktion werde es aber nicht kommen, sagte Hintermeier. Denn in den vergangenen drei Jahren habe es jeweils deutliche Überschüsse gegeben - und Hopfen lässt sich in Form von Extrakt oder Pellets problemlos einige Jahre lagern.

Hopfenernte leidet unter dem Extremwetter

Grund für die schlechte Ernte, die auch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt lag, waren laut BarthHaas extreme Wetterbedingungen. Insbesondere die deutschen Hopfenbauern traf es hart: Gewitter zerstörten in der Hallertau, dem mit Abstand größten deutschen Anbaugebiet in Bayern, Teile der Ernte. Zudem litten die Pflanzen unter der Trockenheit und Hitze.

Dementsprechend fiel die deutsche Ernte im vergangenen Jahr um 28 Prozent niedriger aus als 2021. Bei der Alphasäure lag der Rückgang sogar bei 40 Prozent. Der Rückgang der deutschen Ernte um gut 13.000 Tonnen machte mehr als die Hälfte der weltweiten Einbußen aus. Aber auch in den USA, dem weltweit größten Hopfenproduzenten fiel die Ernte ein gutes Stück geringer aus.

Bei der in vier Wochen beginnenden Ernte 2023 ist man bei BarthHaas für Deutschland ebenfalls pessimistisch: Die Pflanzen seien von Hitze und Trockenheit gekennzeichnet, sagte Experte Heinrich Meier. Das deute auf eine erneut unterdurchschnittliche Ernte hin. In den USA rechnet er dagegen mit durchschnittlichen Erträgen. Weltweit laufe es auf eine leicht unterdurchschnittliche Ernte hinaus. Für den Bedarf der Brauereien würde das aber auch ohne Rückgriff auf die Reserven ausreichen, denn grundsätzlich gebe es eine Überversorgung mit Hopfen.

Die schlechte Ernte des vergangenen Jahres zeige die Probleme durch extreme Witterungsbedingungen, sagte Hintermeier. "Da wir mit großer Wahrscheinlichkeit in Zukunft immer häufiger damit konfrontiert werden, müssen wir diesen Herausforderungen weltweit entgegentreten." Eine Möglichkeit sei, auf Hopfensorten zu setzen, denen Hitzestress weniger ausmache. Damit das Bier mit ihnen nicht anders schmeckt, müssen sie dann aber aufwändig neu gemischt werden. Bisher ist die Akzeptanz dieser Sorten daher eher gering.

© dpa-infocom, dpa:230725-99-526002/3

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