Gesundheit 58 Prozent mehr für die Krankenversicherung

Für ihren Versicherungsschutz zahlen privat Krankenversicherte in der Regel mehr. Dafür bekommen sie aber auch mehr Leistungen als in der gesetzlichen Krankenkasse.

(Foto: dpa-tmn)
  • Zum Jahresende werden vielen Privatversicherten erneut Beitragserhöhungen angekündigt.
  • Bereits zum Jahreswechsel 2016/2017 waren die Beiträge um durchschnittlich gut zehn Prozent gestiegen - so viel wie noch nie.
  • Verbraucherschützer raten dazu, den eigenen Tarif zu checken und zu prüfen, ob sich ein Wechsel lohnt.
Von Thomas Öchsner

Eva Thiel hat es ganz hart getroffen: Knapp 229 Euro monatlich hat die 69-jährige Rentnerin bislang für ihre private Krankenversicherung bei der Axa bezahlt. Vom neuen Jahr an sind es gut 362 Euro - ein Aufschlag von satten 58 Prozent. Erwischt hat es auch Franz Müller: Die Allianz hat seinen Beitrag um 20 Prozent auf etwa 620 Euro erhöht. Beide Versicherte heißen anders, aber die Beitragssprünge sind echt und keine Ausnahme.

Wie in den Jahren zuvor haben auch zum Jahresende 2017 viele privat Krankenversicherte unerfreuliche Post bekommen, in denen ihr Versicherer höhere Beiträge ankündigt. Diese fallen bei einzelnen Tarifen der Axa und der Allianz diesmal besonders hoch aus, wie eine Auswertung des Dienstleisters Minerva Kundenrechte für die Süddeutsche Zeitung zeigt. Das Münchner Unternehmen, das Versicherten beim Wechsel in günstigere Tarife hilft, untersuchte dafür seit Mitte November die Beitragserhöhungen bei etwa 500 voll privat krankenversicherten Kunden.

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Nicola Ferrarese, Geschäftsführer von Minerva, schätzt, dass Jahr für Jahr im Durchschnitt etwa ein Drittel der privat voll krankenversicherten Kunden die Beiträge erhöht bekommen. Starke Erhöhungen gibt es aber nicht bei allen Tarifen. "Manche bleiben günstiger, andere werden teurer, ohne dass die Gründe den Kunden ausreichend erklärt werden", sagt der Experte, der früher selbst als Manager in der Versicherungswirtschaft tätig war.

Die Anbieter selbst begründen die Beitragssprünge stets mit derselben Erklärung: Schuld sind der medizinische Fortschritt, steigende Kosten im Gesundheitswesen und die niedrigen Zinsen, die es immer schwerer machen, die milliardenschweren Altersrückstellungen für die Versicherten anzulegen. Die Allianz schreibt etwa in einem Bescheid: "Die Medizin bietet heute Heilungs- und Behandlungschancen, die vor wenigen Jahren noch wie Zukunftsmusik schienen. So können viele chronisch Kranke durch weiter entwickelte Medikamente besser leben." Auch ließen sich "viele Krankheiten früher erkennen". Dies führe zu "höheren Ausgaben".

Mit einem Tarifwechsel ist es möglich, mehrere Hundert Euro im Monat zu sparen

Zum Jahreswechsel 2016/2017 waren die Beiträge bereits um durchschnittlich gut zehn Prozent gestiegen - so viel wie noch nie. Repräsentative Zahlen für 2018 liegen auch dem Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) nicht vor. Er weist aber darauf hin, dass nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV die Beiträge von Vollversicherten von 2008 bis hochgerechnet 2018 in der PKV um durchschnittlich 3,05 Prozent gestiegen sind. In der gesetzlichen Krankenversicherung erhöhten sie sich demnach sogar um 3,28 Prozent. Exorbitante Erhöhungen seien deshalb eher Ausreißer.

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Sind privat Krankenversicherten die Beiträge zu hoch geworden, müssen sie sich damit nicht abfinden. Eher wenig dürfte es bringen, auf eine Bürgerversicherung zu warten, in der alle Bürger einzahlen müssen. Dass sich Union und SPD darauf einigen werden, ist eher unwahrscheinlich. Und selbst wenn, muss das ja nicht heißen, dass die Beiträge für die Versicherten nicht weiter steigen. Verbraucherschützer raten aber, den eigenen Tarif zu checken und zu prüfen, ob es beim gleichen Versicherer nicht einen Tarif mit geringeren Beiträgen und sogar besseren oder gleich guten Leistungen gibt. "Es ist so durchaus möglich, mehrere Hundert Euro im Monat zu sparen", sagt Ferrarese.