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Gesundheit:Was Wasserfilter wirklich bringen

Keine Gefahr für die Gesundheit: Wasser direkt aus der Leitung. Mitunter enthalte es sogar mehr Mineralien als das aus der Flasche, so die Stiftung Warentest.

(Foto: action press)
  • Die größten Versprechen machen Wasserfilterhersteller beim Geschmack.
  • Tatsächlich hat deutsches Trinkwasser eine sehr hohe Qualität. Mitunter ist es sogar mineralreicher als Wasser aus der Flasche.
  • Aus gesundheitlichen Gründen gibt es daher im Normalfall keinen Bedarf für Wasserfilter.

Sauberes, gesundes Trinkwasser wollen alle Bürger. Wo das aber genau herkommen soll, darüber gibt es heftigen Streit. Er manifestiert sich am Tischwasserfilter. Was nutzt ein Filter? Natürlich werben dessen Hersteller, dass er auch die letzten Schwermetallrückstände entfernt. Und versprechen ein "einmaliges Geschmackserlebnis". Verbraucherschützer halten Tischwasserfilter dagegen für überflüssig. Trotzdem bieten viele Supermärkte und Drogerien die Produkte an.

"Aus gesundheitlichen Gründen sollte sich niemand einen Tischwasserfilter zulegen", sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Experte bekommt oft Anfragen von Bürgern, die sich um die Qualität des Trinkwassers sorgen - und nach Filtern erkundigen. Heldt sagt, das Wasser aus der Leitung sei das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.

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Mit immer sensibleren Messgeräten könne man in den Wasserwerken zwar immer noch weitere Verunreinigungen finden, die lägen meist jedoch deutlich unter den vorgeschriebenen Grenzwerten. Und längst nicht alle dieser minimal vorhandenen Stoffe könnten Tischwasserfilter entfernen. "Wer gesünder leben will, sollte sich auf die Ernährung und den Sport konzentrieren, nicht aufs Trinkwasser", sagt Heldt. Das spart auch Geld: Eine Filterkanne kostet zwischen zehn und 30 Euro, ein neuer Filter zwischen fünf und zehn Euro.

Die strenge Kontrolle ist standardisiert. Gesundheitsämter prüfen, ob sich die Wasserwerke vor Ort an die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung halten. Das Umweltbundesamt sammelt die Ergebnisse. "Trinkwasser hat in Deutschland eine sehr gute Qualität. Es ist daher nicht notwendig und auch nicht sinnvoll, es zusätzlich nach der Entnahme aus dem Wasserhahn zu behandeln", sagt Thomas Rapp, zuständig für die Trinkwasserverteilung. Auch die Stiftung Warentest bescheinigte dem deutschen Trinkwasser im vergangenen Jahr eine gute Qualität. Mitunter sei es sogar mineralreicher als das aus der Flasche, notierten die Tester.

Die kontrollierte Qualität reicht jedoch nur bis zum Wasserzähler im Haus. Für den Weg zum Wasserhahn ist der Eigentümer verantwortlich. "Besonders groß ist die Sorge bei Blei, das alte Leitungen ins Wasser absondern", sagt Verbraucherschützer Heldt. Zwar könnten Tischwasserfilter das zurückhalten, dennoch seien sie keine dauerhafte Lösung. Bleihaltige Rohre müssten entfernt werden, so Heldt. Wer in einem Haus zur Miete wohnt, kann den Vermieter ansprechen: Der muss sicherstellen, dass sauberes Trinkwasser aus dem Hahn kommt - und bleihaltige Leitungen erneuern.

Blei im Wasser?

So groß die Sorge ist, dass das Trinkwasser vielleicht doch durch Bleileitungen fließt, so unbegründet ist sie in den meisten Fällen. In Häusern, die nach 1973 gebaut wurden, gibt es keine Bleileitungen mehr. Auch in älteren Gebäuden gibt es sie nicht automatisch. Vor vier Jahren beanstandete das Umweltbundesamt nur noch in jeder tausendsten Probe überschrittene Grenzwerte. Wer sich unsicher ist, sollte zuerst beim Hauseigentümer oder Vermieter nach Alter und Material der Wasserleitungen fragen. Außerdem lohnt ein Blick auf freiliegende Rohre: Lassen diese sich leicht einritzen und ist der Abrieb silbergrau, dann sind sie wahrscheinlich aus Blei. Im Zweifel hilft eine Labormessung. Die kostet etwa 30 bis 50 Euro. Das örtliche Gesundheitsamt bietet Beratung zur Probenentnahme an. Julian Freitag

Die größten Versprechen machen führende Wasserfilterhersteller beim Geschmack. Eine "Optimierung des Lebensmittels" nennt das ein Sprecher der Bundesvereinigung der Firmen im Gas- und Wasserfach. Das Wirkprinzip hinter dem Versprechen ist einfach: Die Filter entziehen dem Wasser unter anderem Kalzium und Magnesium, die für Härte und damit Geschmack verantwortlich sind. "Das Wasser wird dadurch etwas weicher im Geschmack", erklärt Verbraucherschützer Heldt. Und auch das Entkalken könne man sich damit öfter sparen. Das hat allerdings seinen Preis. Wer einen Tischwasserfilter verwendet, zahlt pro Liter etwa fünf Cent drauf. Das ist mehr als das Zwanzigfache des durchschnittlichen Trinkwasserpreises. Die Filterkartuschen müssen regelmäßig getauscht werden.

"Wer einen Filter zu lange benutzt, kann seiner Gesundheit schaden", warnt Heldt. In der Kartusche ist es feucht und dunkel - das mögen Bakterien. Einige Hersteller verbauen deshalb Silber in ihren Produkten. Das hemmt die Keimbildung, gelangt in geringen Mengen aber auch ins Wasser, wie die Stiftung Warentest vor zwei Jahren herausfand. Risiken seien nicht bekannt, dennoch sei das unnötig, so die Experten. Sie empfehlen, täglich das Wasser in der Kanne zu wechseln und diese im Kühlschrank aufzubewahren.

Für einen regelmäßigen Wechsel spricht auch die begrenzte Kapazität des Filters: "Ist der voll, kann er schlagartig große Mengen der vorher zurückgehaltenen Stoffe ans Wasser abgeben", sagt Heldt. Viele Hersteller nennen Richtwerte von rund einem Monat oder eine Literzahl für die Nutzung. Diese seien jedoch zu ungenau, kritisierte die Stiftung Warentest.

Trinkwasser in bester Qualität erhält man also direkt aus dem Wasserhahn. Allerdings sollte man es ablaufen lassen, bis es kalt ist. "Das ist ein Zeichen dafür, dass es frisch ist und nicht zu lange in der Leitung stand", sagt Heldt. Wer diesen Tipp beachtet, brauche keinen Tischwasserfilter. Auch die Stiftung Warentest fällt ein klares Urteil: "Besser frisch zapfen". Auf dem Esstisch kann also eine konventionelle, gläserne Karaffe stehen, voll mit klarem kühlen Wasser.

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