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Gesellschaftsspiel zur Wirtschaftskrise:Eine unmoralische Spielidee?

Nicht alle finden das unterhaltsam. "Mit so einem Spiel verletzt man ein Tabu. Die zugrunde liegende Idee ist moralisch unannehmbar", sagte der Pariser Psychiater Michel Lejoyeux der Zeitung Aujourd'hui. "Sozialplan" schüre Aggressivität und bringe die Leute dazu, über die Not der anderen zu spotten.

Plan social - Ausschnitt

Je fieser, desto besser: Am besten feuert man Gewerkschaftsvertreter. (© dpa)

Dies sei ein Trend, der sich auch in Fernsehspielen und Reality-Shows zeige. Echter Humor bestehe darin, über sich selbst zu lachen. Hier lache man über die anderen. "Was kommt als nächstes Spiel? Selbstmord im Betrieb?"

Frankreich hat die Nase voll von Sozialplänen

Der Verleger Stéphane Daniel verteidigt sich, man wolle doch nur provozieren. Das Spiel bringe zum Ausdruck, dass "Frankreich die Nase voll hat von Firmenverlagerungen und Sozialplänen". Die Stimmung sei schlecht im Lande. Da bringe es Entlastung, ein wenig zu lachen. Ein Gewerkschaftsvertreter schlägt sogar vor, das Spiel im Unterricht der Wirtschaftsschulen zu verwenden. "So können wir anprangern, dass der Kapitalismus verrückt geworden ist."

"Sozialplan" wird übrigens, darauf legt die Spielefirma wert, nicht in China, sondern in Frankreich produziert, aus umweltfreundlichen Materialien. Wenn es weiter so gut läuft, wird Arplay bald neue Leute einstellen müssen.

© SZ vom 04.02.2011/weis/mel
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