Geschäftsführer Jennings hört auf Karstadt kopflos

Weiteres Kapitel in Karstadts langer Krisensaga: Geschäftsführer Andrew Jennings gibt auf. Headhunter suchen für die angeschlagene Kaufhauskette nun einen Nachfolger - eine schwierige Aufgabe.

Von Max Hägler

Es war wohl ein anstrengendes Wochenende für Nicolas Berggruen. Eines, das ihm sehr deutlich gemacht haben dürfte, wie schwierig sein Projekt Karstadt ist: Mitarbeiter demonstrieren gegen den endlosen Sparkurs. Die Gesellschaft diskutiert wieder einmal darüber, dass Karstadt letztlich einer Briefkastenfirma in einer karibischen Steueroase gehört. Und dann ist auch noch unklar, wer die Problemlösung übernimmt: Denn Karstadt-Geschäftsführer Andrew Jennings, 64, zieht sich zurück. Mitten in einer großen Krise muss sich das Warenhaus-Unternehmen einen neuen Chef suchen.

Bereits seit Wochen kursieren in der Branche Gerüchte über die anstehende Ablösung, nicht zuletzt wegen der schlechten Zahlen des Krisenunternehmens: In den ersten Monaten des Jahres ist der Umsatz SZ-Informationen zufolge wohl beinahe um zehn Prozent eingebrochen; das Erreichen des Umsatzziels von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2015 ist in die Ferne gerückt. Dann vermeldet die Bild am Sonntag, der Engländer Jennings - ein herausragender Experte, aber ohne Deutschlandexpertise - verlängere seinen Vertrag nicht.

Das Unternehmen bestätigt das nur indirekt. Kryptisch teilen die Essener mit, Jennings Vertrag laufe Ende des Jahres aus. Er bleibe dem Unternehmen aber verbunden. Man arbeite gemeinsam "an einer langfristigen Nachfolgeplanung". Zudem wird betont, man befinde sich "in Harmonie miteinander."

Headhunter sind auf der Suche nach einem Top-Manager, der den Konzern mit seinen 20.000 Beschäftigten führen kann. Ein schwieriger Auftrag angesichts des sparsamen Eigners und der schwierigen Finanzsituation. Die prekäre Lage soll auch Auslöser für die Trennung von Jennings gewesen sein, will das Handelsblatt erfahren haben, genauer gesagt die fehlenden Investitionen Berggruens: Jennings habe demnach auf Zuschüsse des Eigners gedrungen wie auch die Arbeitnehmervertreter - vergeblich allerdings, daraufhin sei es zum Eklat gekommen.

"Wir haben genug geleistet!"

Wie so oft in der langen Krisensaga bei Karstadt bleibt reichlich Raum für Spekulationen, zumindest bis zum Aufsichtsratstreffen in dieser Woche. Und so will die Gewerkschaft die Geschäftsführerfrage nicht kommentieren. "Falls es Entscheidungen zu Personalien oder zur Strategie bei Karstadt gegeben haben sollte, erwarten wir, dass die Arbeitnehmervertreter unverzüglich und umfassend informiert werden", fordert Verdi-Sprecherin Christiane Scheller.

Am Freitagabend trafen die Gewerkschaft und Investor Berggruen in Berlin noch aufeinander: Der Karstadt-Eigner und Kunstmäzen hatte an diesem Abend im von der Familie begründeten Kunstmuseum einen Termin. Doch draußen erwarteten ihn Dutzende Mitarbeiter, die wissen wollen, wann er, der Inhaber, endlich mithilft, die notwendige Modernisierung der Warenhauskette mit 114 Filialen voranzubringen.

"Wir haben genug geleistet! 650 Millionen Euro reichen!", stand auf einem Plakat. Es ist ein Hinweis auf dieses Ungleichgewicht bei diesem Unternehmen: Berggruen hat im Sommer 2010 ein durch die Insolvenz beinahe schuldenfreies Unternehmen erhalten, für einen symbolischen Euro. Zur Neuaufstellung hat der Milliardär selbst bislang nichts beigetragen. Stattdessen gibt es immer neue Sparrunden bei den Mitarbeitern, eben bislang 650 Millionen Euro, so die Rechnung der Arbeitnehmer.

Trotzdem steht Berggruen an diesem Abend vor seinen Leuten wie ein Macher: Ohne Krawatte, ohne Sakko, die Ärmel des weißen Hemds hochgekrempelt. Er wolle den Austausch suchen mit den Mitarbeitern, verspricht er. Zu möglichen Investition aus seinem Privatvermögen, zu Steueroasen oder dem anstehenden Führungswechsel sagt er nichts.