Süddeutsche Zeitung

Geschäfte zwischen USA und Kuba:Rum, Zigarren, Urlaub unter Palmen

  • US-Firmen hoffen darauf, ihre Produkte mit dem Ende der harten Abschottung in Kuba verkaufen zu können. Auch Kuba könnte extrem profitieren, etwa die Tourismusbranche und Zigarrenhersteller.
  • Aktien amerikanischer Unternehmen, die mit Kuba Geschäfte machen könnten, sind gestiegen.

Wer Gordon Gekko bezirzen will, versucht es am besten mit kubanischen Zigarren. Amerikaner lieben Cohibas und Montecristos, nicht nur der skrupellose Börsenhai Gekko im Film "Wall Street" tut es. Die Zigarren sind das ultimative verruchte Statussymbol. John F. Kennedy hat sich rechtzeitig vor dem Embargo noch 1200 Petit-H.-Upmann-Zigarren kaufen lassen, seine Lieblingsmarke. In Kanada hinter der Grenze gibt es Läden, die sich auf kubanische Zigarren für Amerikaner spezialisiert haben, die diese dann nach Hause schmuggeln.

Das dürfte mit dem Ende der harten Abschottung der Amerikaner von Kuba nun bald vorbei sein. Wer nach Kuba reist, darf künftig Zigarren und kubanischen Rum im Wert von 100 Dollar mit in die Vereinigten Staaten bringen, für andere Waren liegt die Grenze bei 400 Dollar. Tabakhändler jubeln und hoffen, dass sich die Auflagen weiter lockern. "Das wird gigantisch", sagt Christopher Bledsoe, der Chef und Eigentümer des Zigarrenimporteurs International Cigar Experts, dem Magazin Fortune. "Seitdem es uns gibt, fragen uns die Leute nach kubanischen Zigarren."

Rum, Zigarren, Urlaub unter Palmen - Kuba hat viel zu bieten, was Amerikaner wollen. Und amerikanische Firmen erwarten, dass Kubaner einiges von ihnen wollen. Die amerikanische und die kubanische Wirtschaft erwarten, dass neue Einnahmequellen nach der von Präsident Barack Obama verkündeten Lockerung des jahrzehntealten Embargos kräftig sprudeln werden.

Die amerikanische Handelskammer schätzt, dass die Sanktionen die US-Volkswirtschaft pro Jahr 1,2 Milliarden Dollar gekostet haben, andere Experten setzen die Einnahmeverluste für amerikanische Firmen sogar noch deutlich höher am. Mit dem Embargo 1960 hatten sie elf Millionen Kunden verloren, die nur 90 Meilen südlich von Florida leben. Auch die Kubaner haben enorme Einbußen. "Die Schäden nach einem halben Jahrhundert seit der Blockade summieren sich auf 1,125 Billionen Dollar", sagte Kubas Außenminister Bruno Rodríguez 2013 vor der UN-Generalversammlung in New York. "76 Prozent der Kubaner leben seit ihrer Geburt mit den verheerenden Folgen."

Es fehlen die amerikanischen Produkte, aber auch das Geld

US-Unternehmen haben seit Jahren für das Ende des Embargos geworben. Firmen wie der Autobauer General Motors, der Agrarkonzern Cargill und der Möbelhändler Ethan Allen Interiors haben Obamas Ankündigung entsprechend gelobt. "Kuba braucht alles, was wir in den Vereinigten Staaten herstellen", sagte Bill Lane von Caterpillar, dem Hersteller von Traktoren und anderen Großmaschinen dem Wall Street Journal.

Aktien von Unternehmen, die mit Kuba Geschäfte machen könnten, sind gestiegen, zum Beispiel die der Reederei Seaboard oder der Kreuzfahrtveranstalter Royal Caribbean und Carnival. "Kuba ist das größte Land der Karibik, da gibt es tolle Möglichkeiten", sagte ein Carnival-Sprecher. Der Börsenwert des Investmentfonds Herzfeld Caribbean Basin, der sich auf Firmen mit Kubabezug konzentriert, ist um bis zu 50 Prozent angeschwollen.

Auf der Insel fehlen amerikanische Produkte, aber auch das Geld, um sie zu bezahlen. Daher erwarten Experten, dass zuerst Konzerne profitieren, die günstige Waren wie Seife und abgepackte Nahrung verkaufen oder Produkte, die Kubaner dringend haben wollen, etwa Watsco, der weltgrößte Klimaanlagen-Händler aus Florida.

Mit der Zeit hoffen die Börsianer und Unternehmer auf eine Rückkehr zu goldenen Zeiten. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte mehr als die Hälfte der kubanischen Zuckerindustrie US-Firmen. Es war ein riesiges Geschäft. Kuba war seit 1860 weltgrößter Zuckerproduzenten mit mehr als 1500 Plantagen. Noch heute produziert Kuba gut 1,8 Millionen Tonnen Zucker, größter Käufer ist China. Zu Beginn des Embargos bestellten US-Firmen drei Viertel der Landwirtschaftsfläche der Insel.

Europa handelt bereits viel mit Kuba

Kubaner und Amerikaner hatten lange das Gefühl, die Karibikinsel sei der 51. Bundesstaat der USA. "Bis Castro waren die USA so überwältigend einflussreich in Kuba, dass der amerikanische Botschafter der zweitwichtigste Mann war, manchmal sogar wichtiger als der kubanische Präsident", sagte Earl Smith, der Ex-Botschafter der Amerikaner in Havanna, in einer Anhörung des Senats in Washington 1960.

Und dann war da noch der Tourismus: Während in Amerika die puritanische Tradition das wilde Leben zahmer machte, herrschte in Kuba der Genuss. Illustre Gäste wie Frank Sinatra, Rocky Marciano, Marlene Dietrich, Marlon Brando und Ernest Hemingway urlaubten im glamourösen Hotel Nacional in Havanna. Amerikaner fuhren ihre Cadillacs an der Uferstraße Malecón spazieren. Prostitution und Glücksspiel boomten, Kuba bekam den Spitznamen "Latin Las Vegas". Der Tourismus ist auch heute Kubas größte Industrie - dank europäischer Touristen und ein paar Amerikanern, die es trotz Verbots auf die Insel schaffen. 2013 brachten 2,85 Millionen Touristen 2,2 Milliarden Dollar ins Land - allerdings stagnieren die Einnahmen. Obama will das Reiseverbot lockern, die Auflagen für Überweisungen ebenfalls. Die Zahlungen von Exilanten sind eine wichtige Geldquelle für Kuba, sie werden auf 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt.

Europa handelt bereits viel mit Kuba - es hat kein Embargo. Im vergangenen Jahr lag das Handelsvolumen der EU mit Kuba bei 2,7 Milliarden Euro. Nach Venezuela ist sie der wichtigste Handelspartner, vor China. Spanische Hotelketten investieren massiv auf der Insel. Einige europäische Unternehmen waren allerdings von den US-Sanktionen betroffen, vor allem Banken. Seit 2004 haben die USA Milliardenstrafen gegen Geldhäuser aus der Schweiz, Großbritannien, den Niederlanden, Italien und jüngst auch gegen BNP Paribas aus Frankreich verhängt, weil sie mit Kuba Geschäfte machten. Auch hier hat Obama Änderungen versprochen.

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SZ vom 19.12.2014/sana
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