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Geschäfte mit der WM:Wer am vierten Stern verdient

Ein deutscher Fan auf der Berliner Fanmeile - mit dem obligatorischen DFB-Trikot

(Foto: AP)

Die Deutschen knabbern, trinken, tippen und vergrößern ihre Bildschirmdiagonalen - umso mehr, je weiter die Nationalelf bei einem Turnier kommt. Viele Branchen profitieren, am meisten dürfte sich aber Adidas über den Ausgang der WM freuen.

In Rio spielten sie vergangene Nacht um Ruhm und Ehre, und natürlich um üppige Siegprämien. Auch die Fifa, das wissen Fußballfans, gewinnt finanziell gesehen immer - im Gegensatz zu manchem Gastgeberland, das Kosten und Risiken des Turniers schultern muss. Aber nicht nur wegen des möglichen volkswirtschaftlichen Schadens durch Ausfälle nach der Feiernacht vom Sonntag sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des Turniers auch in Deutschland spürbar: in Kraichgauer Metzgereien, auf niedersächsischen Fußballäckern und beim fränkischen Ausrüster der Nationalelf.

Ein Überblick, was die WM für verschiedene Branchen bedeutete.

Adidas ist Weltmeister - so oder so

Schon vor dem WM-Finale stand der Sportartikelhersteller Adidas als großer Sieger des Turniers fest. Deutschland wie Argentinien - beide Endspielgegner werden von der fränkischen Drei-Streifen-Marke ausgerüstet. Die meisten der Superstars beider Teams - von Lionel Messi oder Ángel Di María bis zu Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Mats Hummels oder Thomas Müller - stehen ihrerseits bei Adidas unter Vertrag und tragen die entsprechenden Schuhe. Da der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller als offizieller Sponsor bei der WM den Spielball stellte, Schiedsrichter und Balljungen ausrüstete, und als einzige Sportartikelmarke Bandenwerbung in den Stadien machen durfte, erklärte Firmenchef Herbert Hainer Adidas zum WM-Gewinner: "Adidas ist die klare Nummer eins im gesamten Fußballmarkt."

World Cup 2014 - Trikots

Adidas war im Finale gleich doppelt vertreten: Der Sportartikelhersteller rüstet nicht nur das deutsche, sondern auch das argentinische Team aus. Im Bild die zwei Trikot-Varianten der DFB-Auswahl.

(Foto: dpa)

Am Morgen nach dem WM-Sieg der Nationalmannschaft standen die Aktien des Sportartikelherstellers mit einem Plus von bis zu 2,4 Prozent an der Dax-Spitze.

Die Nachfrage nach Trikots war bereits direkt vor dem Finale stark gestiegen. In vielen Geschäften seien sie ausverkauft, sagte Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer: "Ich musste vergangene Woche eines für einen Bekannten besorgen, und es war selbst für mich schwierig." Ganz weit vorne in der Gunst der Fans lag wie in den Vorjahren das Trikot von Thomas Müller, nach dem Finale dürfte sich auch das von Mario Götze besser verkaufen. Vor allem aber hat Adidas versprochen, möglichst schnell ein Trikot mit Update herauszubringen: Möglichst viele Fans warten auf den Dress mit dem vierten Stern - der für den vierten deutschen WM-Titel steht . Nach nur acht Monaten wird also das WM-Trikot ersetzt, ein gutes Geschäft für den Hersteller.

Vom üblichen Verkaufspreis von 80 Euro gehen nach Angaben des Wall Street Journal Deutschland rund 15 Euro an Adidas, etwa 4,80 Euro an den DFB. Der Rest neben den Herstellungskosten und der Mehrwertsteuer verteilt sich auf die Sportgeschäfte oder Online-Shops, Vertrieb und Marketing.

Doch der Sportartikel-Branchenführer Nike ist den Franken im Fußballgeschäft auf den Fersen. Die US-Marke rüstete insgesamt mehr Spieler mit Schuhen aus als Adidas. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wuchsen die Nike-Umsätze mit Fußballprodukten um 21 Prozent. Vor allem der Fußball-Boom in den USA hilft der Marke auf diesem größten Sportartikelmarkt der Welt.

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Und vor dem Spiel 'ne Wurst

Das Plakat, von dem der Deutsche Fleischerverband 3100 Exemplare drucken und an Metzgereien in der ganzen Republik verteilen lassen hat, ist knallrot. "Mit unseren Grillspezialitäten kann Ihre WM-Party steigen", steht darauf, daneben prangt ein großer Fußball. Auch die deutschen Metzger versuchen, vom Erfolg der Nationalelf zu profitieren, nach eigenen Angaben mit Erfolg. "Wir rechnen in diesem Jahr mit einem fünf bis zehn Prozent höheren Absatz", sagt Rüdiger Pyck, Metzger aus Sinsheim-Steinsfurt in Baden-Württemberg. Seine fünf Filialen im Kraichgau hat er in den Nationalfarben geschmückt. Zwischen dem Erfolg der Nationalelf und dem Grillgut-Verkauf in seinen Läden vermutet er einen direkten Zusammenhang. "Je besser die Deutschen spielen, desto besser läuft der Verkauf."

Schwenkgrill

Auch Metzger profitieren von der Fußball-WM: Grillgut ist in dieser Zeit besonders beliebt.

(Foto: Jürgen Walther - Fotolia)

Auch bei Michael Durst, der in Hamburg drei Metzgereien betreibt, kurbelt der Erfolg der Nationalelf das Geschäft an. "Der Umsatz liegt in diesem Jahr dreimal so hoch wie im vergangenen Jahr", sagt Durst. Das hänge zwar mit dem deutlich besseren Wetter als im total verregneten Frühsommer 2013 zusammen, aber eben nicht nur. "Die späten Anstoßzeiten haben uns geholfen", sagt der Metzger. Dadurch hätten die Menschen vor dem Anpfiff noch genug Zeit zum Einkaufen gehabt. Und was wird während so einer WM besonders gerne gegrillt? "In diesem Jahr sind Merguez, Salsiccia und Chorizo besonders gefragt", sagt Durst - Würste aus Nordafrika, Italien und Spanien also.

Torjubel mit Bier

Beim Fußballgucken wird in Deutschland gerne Bier getrunken. Doch eine Fußballweltmeisterschaft beschert den Brauereien nicht automatisch bessere Geschäfte. "Das Sommerwetter ist der eigentlich bestimmende Hauptfaktor für den Bierabsatz", sagt Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund. Wenn die deutsche Mannschaft aber wie in diesem Jahr weit komme und es viele große und kleine Public-Viewing-Veranstaltungen gebe, könne dies dazu führen, dass deutlich mehr Bier verkauft werde. Der Verband geht für die diesjährige WM von einem Absatzplus von zwei Prozent aus. Das hieße, dass zehn bis 14 Millionen Liter Bier mehr verkauft würden als in einem vergleichbaren Zeitraum ohne WM.

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(Foto: dpa)

Bei Brauereien wie etwa Krombacher läuft die Produktion derzeit auf Hochtouren. 320 Mitarbeiter arbeiten in drei Schichten. Das sei zwar während der Sommermonate nicht unüblich, aber die WM habe noch einen zusätzlich positiven Effekt, sagt ein Unternehmenssprecher. Derzeit würden täglich etwa 500 000 Kisten auf 340 Lastwagen die Brauerei verlassen.