Geplatzte Alstom-Übernahme:Siemens steht ein grundlegender Umbau bevor

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Die französische Politik wiederum gibt sich als Sieger - gehört aber genauso zu den Verlierern. Zwar bleibt das Traditionsunternehmen Alstom zunächst einmal erhalten, die Standorte in Frankreich sollen bleiben, neue Jobs sind zugesagt. Das sieht auf dem Papier gut aus, und doch ist es zweifelhaft, ob Alstom so langfristig reüssieren wird.

In Wirklichkeit ist die Firma schon lange ein Sanierungsfall. Halbherziges Lavieren hilft da wenig, mehr Staatseinfluss erst recht nicht. Industriepolitik nach französischem Vorbild hat schon in der Vergangenheit nicht zum Erfolg geführt, der schwindsüchtige Autobauer Peugeot ist nur ein Beispiel. Es ist nicht zu erwarten, dass Alstom nun zum Vorbild wird.

Das alles weiß natürlich auch Kaeser, der sich darüber freuen kann, dass die Wettbewerber Alstom und GE nun erst mal mit sich selbst beschäftigt sind. Aber auch Siemens muss sich neu erfinden. In einem Brief an die Siemens-Mitarbeiter schrieb der Chef, das Alstom-Projekt sei unter dem Codenamen "Mont Blanc" gelaufen. Dieser Berg sei nun nicht erklommen worden, aber es gebe auch andere, höhere Berge.

Das stimmt: Es steht ein grundlegender Umbau des Unternehmens an, die Unruhe ist groß. Tausende Mitarbeiter sollen intern andere Aufgaben bekommen oder sind ihren Job künftig ganz los. Siemens ist auf Sinnsuche - und Kaeser ist noch lange nicht am Ziel. Das Projekt Alstom hatte hier bisher viel Kraft gebunden.

Vielleicht sollte sich der Siemens-Chef jetzt mit Tom Enders zum Erfahrungsaustausch treffen. Dem Vorstandsvorsitzenden des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus (früher EADS) ist es - bei allen Unterschieden - ähnlich ergangen. Enders war noch nicht lange als Konzernchef im Amt, da begann er ein Großprojekt: die Fusion mit dem britischen Konkurrenten BAE Systems.

Auch dieses Milliardengeschäft scheiterte krachend, übrigens ebenfalls an politischem Widerstand (interessanterweise nicht aus Frankreich, sondern aus Deutschland). Enders hielt sich aber nicht lange mit der Schlappe auf, sondern baute Airbus kraftvoll um. Anschauungsunterricht für Kaeser.

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