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Geplante Fusion mit Continental:Aufstand gegen Schaeffler

Reiz-Signale aus Hannover: Eigentlich sollte Continental mit dem Maschinenbau-Konzern Schaeffler verschmelzen - jetzt stellt der Autozulieferer die Fusion plötzlich in Frage.

Die Fusion der Autozulieferer Conti und Schaeffler kommt wieder ins Gerede. Das Management in Hannover spielt Alternativen durch - sehr zum Missvergnügen der fränkischen Mehrheitseigentümer. Im Hintergrund steht offenbar der Machtkampf zweier Manager.

Schaeffler Continental

Ihre Unternehmensgruppe ist noch mit 75 Prozent an Conti beteiligt - aber vielleicht ändert sich das: Maria-Elisabeth Schaeffler.

(Foto: REUTERS)

Wenn Firmen fusionieren wollen, sind stets Machtfragen berührt. So ist es auch im Verlobungsfall der Continental AG aus Hannover und ihres Mehrheitsaktionärs, der Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach. Bei den Niedersachsen ist Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle, im Hauptberuf Vorstandschef des Münchner Linde-Konzerns, zentraler Akteur - in Franken wiederum macht sich Schaeffler-Vorstandschef Jürgen Geißinger Gedanken um die Zukunft des Komplexes.

Mitten hinein in die vorweihnachtliche Ruhe platzte eine Geschichte des Manager Magazins. Sie verkündete Neuigkeiten aus dem Hause Reitzle, also aus dem Continental-Kosmos. Danach sei eine Berater-Truppe zu dem Schluss gekommen, das "Projekt 14" bringe nichts mehr - es ist in Hannover der Deckname für die angedachte Fusion mit der Firma Schaeffler. Deren Eigentümer, Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, hatten vor zwei Jahren in einem Aufsehen erregenden Coup mit Milliarden-Krediten die Mehrheit der Continental-Aktien gekauft. Die Familie hält heute 75 Prozent des Kapitals, sitzt aber auf hohen Verbindlichkeiten.

Nun rechnen die Investmentbank Perella Weinberg, die Anwälte von Freshfields und die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young dem Continental-Management und dem Oberaufseher Reitzle vor, dass ein Zusammenschluss betriebswirtschaftlich keine großen Effekte habe. Nur im Einkauf seien in einem gemeinsamen Konzern bis zu 400 Millionen Euro im Jahr zu sparen - das aber wird schon heute durch Kooperationen erzielt. Schaeffler und Continental entwickeln zudem im Schulterschluss Produkte, etwa einen Turbolader.

Das Team 14 brachte noch eine Variante ins Spiel, wonach Schaeffler einfach seine AutomativeSparte an Continental verkauft. Der Besitz der Franken könnte auf 35 Prozent sinken. Das Manager Magazin verbreitete sogar das Ondit, Aufsichtsratschef Reitzle habe den Beratern zur Aufgabe gemacht, eine Struktur zu erarbeiten, in der Schaeffler auf lange Sicht genau nur noch jene 35 Prozent hält.

Die Folge ist ein Dementi. Ein 35-Prozent-Ziel als Anteil des Großaktionärs an Continental sei "frei erfunden und niemals genannt worden", erklärt Ober-Kontrolleur Reitzle. In seiner gemeinsam mit Continental verfassten Erklärung heißt es weiter, Ziel sei "unverändert eine mögliche Kombination der beiden Unternehmen, auf die wir uns vorbereiten". Das Projekt 14 treibe "kontinuierlich die Synergieplanung und deren laufende Umsetzung voran". Das Ganze wirkt dennoch wie ein Aufstand gegen Schaeffler. Schon vorher waren Interna, die angeblich gegen Vertreter der Franken bei Conti sprachen, in der Presse lanciert worden.