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Geplante Fusion im privaten Krankenhaussektor:Gesundheit und Profit

Der Medizinkonzern Fresenius beschwichtigt, dass er nach einer Fusion mit dem Rhön-Klinikum weit von der Marktbeherrschung entfernt sei. Doch um die kann es den Privaten gar nicht gehen. Um die finanziell weniger attraktiven Kranken kümmern sich vor allem die öffentlichen Kliniken - und die werden immer weniger.

Der Zusammenschluss des Medizinkonzerns Fresenius und der Rhön-Kliniken macht vielen Angst. Angst, dass private Interessen mehr und mehr die Krankenhäuser beherrschen werden. Mit nackten Zahlen versucht Fresenius nun, diese Sorgen zu entkräften: Der neue Konzern würde nur acht Prozent des deutschen Klinik-Umsatzes erzielen. "Damit sind wir weit weg von einer Marktbeherrschung", sagte der Sprecher. Das war als Beschwichtigung gemeint. Es war aber Augenwischerei.

Denn um Marktbeherrschung kann es den Privaten gar nicht gehen. Wer den Markt beherrscht, ist für alle Kranken auf diesem Markt zuständig - aber nicht alle Kranken sind gleichermaßen attraktiv. Manche Fälle sind so schwer, dass sie mehr kosten als sich mit ihnen verdienen lässt. Manche erfordern seltene Maschinen, manche teure Infrastruktur. Eine Fokussierung auf solche Fälle ist für die notorisch dem Geld hinterherjammernden Kliniken kaum reizvoll. Und doch muss einer sie behandeln. Das tun derzeit vor allem die großen öffentlichen Kliniken.

Ihre Zahl aber sinkt rapide: In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der Kommunalen an der Gesamtzahl der Krankenhäuser von 46 auf 30 Prozent geschrumpft. Profitiert haben vor allem die Privaten. Das besorgt nicht etwa deshalb so viele Menschen, weil private Häuser schlechter arbeiten würden - sondern weil der Wandel an einem Selbstverständnis vieler Deutscher rührt: von Gesundheitsfürsorge als öffentlicher Aufgabe, von Kliniken als sozialen Einrichtungen - und nicht als Dienstleistungsunternehmen, in denen sich eine Behandlung nicht nur für den Patienten lohnen muss, sondern auch für die Klinik - und deren Aktionäre.