Geplante Fusion Bierbrauer im Kaufrausch

Während der Bier-Konsum in den Industrieländern sinkt, gelten Afrika und Lateinamerika als Wachstumsmärkte. Genau hier sind AB Inbev und SAB Miller besonders stark.

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)
  • Die beiden größten Bier-Konzerne der Welt, AB Inbev und SAB Miller, prüfen eine Fusion.
  • Die Konzerne verfügen weltweit über eine Vielzahl an bekannten Biermarken - auch in München. Gemeinsam brauen sie jedes dritte Bier, das auf der Welt getrunken wird.
  • Kommt der Deal zustande, wäre es eine der größten Fusionen der Wirtschaftsgeschichte.
Von Caspar Busse und Björn Finke, London/München

"Ozapft is'" heißt es wieder am Samstag: Das 182. Oktoberfest beginnt auf der Theresienwiese in München, erwartet werden in den zwei Wochen bis zum 4. Oktober wieder mehr als sechs Millionen Besucher. Es ist das größte Volks- und Bierfest der Welt. Ausgeschenkt werden dürfen übrigens nur Münchner Biere, darunter auch die Marken Löwenbräu und Spaten, die mittlerweile - genau wie die Weißbiersorte Franziskaner - zum Braukonzern Anheuser-Busch Inbev gehören.

Großes Geschäft mit wenigen Konzernen

Das große Geschäft mit dem Bier teilen sich international immer weniger Konzerne. Jetzt wird es im Bier-Monopoly möglicherweise zu einer neuen Megaübernahme kommen: Der weltweit größte Braukonzern AB Inbev will die Nummer zwei der Branche, SAB Miller aus London, übernehmen und arbeitet an einem Angebot. SAB Miller will die Offerte prüfen.

Gemeinsam beherrschen die beiden Braukonzerne AB Inbev und SAB Miller ein weltumspannendes Netz an Biermarken.

(Foto: SZ-Grafik)

Das belgische Unternehmen AB Inbev mit rund 150 000 Mitarbeitern hat einen Weltmarktanteil von 20 Prozent - unter anderem mit Marken wie Beck's, Corona, Budweiser, Stella Artois, in Deutschland gehören neben Spaten, Löwenbräu, Franziskaner auch Hasseröder oder Diebels zum Konzern (siehe Grafik). SAB Millers Hauptmarken sind Miller, Foster's, Peroni, Pilsener Urquell, die Präsenz in Deutschland ist gering. Vor genau einem Jahr hatten die Briten vergeblich versucht, Heineken zu übernehmen.

Eine der größten Fusionen der Geschichte

AB Inbev und SAB Miller - es wäre eine der größten Fusionen der Wirtschaftsgeschichte. Zusammengenommen wären die zwei Firmen an der Börse 250 Milliarden Dollar wert, sie würden jedes dritte Bier brauen, das weltweit getrunken wird: ein Gigant, der den Markt beherrschen könnte. Die Konzerne müssten sich wahrscheinlich von einzelnen Marken trennen, damit die internationalen Kartellbehörden dem Geschäft zustimmen. Die Branche stünde dann vor weiteren Übernahmen.

Oktoberfest-Bier im Test

Von blumig bis blass

Das Management von SAB Miller veröffentlichte am Mittwoch eine ebenso nüchterne wie kurze Stellungnahme: "Der Vorstand von SAB Miller wird jede Offerte, die abgegeben werden könnte, prüfen und angemessen darauf antworten", heißt es da. AB Inbev teilte mit, man strebe eine freundliche Übernahme an, also in Zusammenarbeit mit der Führung des Rivalen. Ob tatsächlich eine Offerte abgegeben wird, sei jedoch nicht sicher. Bis zum 14. Oktober hat das Management Zeit, um ein festes Angebot vorzulegen.

Die Anleger sind jedenfalls begeistert: Der Kurs der Papiere von SAB Miller stieg zwischenzeitlich um ein Viertel, so stark wie nie zuvor an einem Tag. Auch die Anteilsscheine des möglichen Käufers verteuerten sich.

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Konzerne als Ergebnis jahrelanger Übernahmen und Fusionen

Für beide Firmen sind gewaltige Übernahmen nichts Neues. AB Inbev ging aus einer brasilianischen Brauerei hervor, die 1989 von Investoren erworben wurde. Zehn Jahre später schluckte diese Firma den größten Bierkonzern des Landes. Im Jahr 2004 folgte die Fusion mit Interbrew in Belgien, zu dessen Markensammlung unter anderem Beck's gehörte. Vier Jahre darauf gelang der Zusammenschluss mit Anheuser-Busch aus den USA. Trotz dieser teuren Einkaufstour gilt Carlos Brito, der brasilianische Vorstandschef des Konglomerats, als eiserner Sparer, der seine Brauereien gnadenlos auf Effizienz trimmt.

SAB Miller wiederum geht auf eine südafrikanische Brauerei zurück. Im Jahr 2002 übernahm der Konzern den US-Rivalen Miller und vor vier Jahren den australischen Konkurrenten Foster's. Im vorigen Jahr scheiterten die Briten mit einem Angebot für die Nummer drei der Branche, Heineken, weil der Großaktionär des Brauers, die Familie Heineken, das Ansinnen zurückwies. Heineken ist an der Münchner Paulaner-Gruppe beteiligt. Analysten bewerteten den damaligen Vorstoß als Abwehr-Strategie: Nach einer Übernahme wäre SAB Miller zu groß für einen Kauf durch AB Inbev gewesen. Auch über eine Fusion mit Diageo, dem Spirituosen-Konzern, dem die Biermarke Guinness gehört, wird immer wieder spekuliert.

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Soll das Geschäft gelingen, muss AB Inbev zwei Großaktionäre von SAB Miller überzeugen, die zusammen gut 40 Prozent an dem Unternehmen halten. Diesen Anteilseignern gehörten einst Brauereien, die später in SAB Miller aufgingen. Da SAB Miller vor allem in Afrika stark ist und AB Inbev in Lateinamerika - zwei Wachstumsmärkte -, würden die Konzerne gut zusammenpassen, so Analysten.

AB Inbev beschäftigt in Deutschland rund 2800 Mitarbeiter. Hierzulande wie in anderen Industriestaaten geht der Bierkonsum zurück, die Kosten steigen. Es gab immer mehr Übernahmen. Doch die Konsumenten wollen nicht nur Konzernbier trinken. Kleine und kleinste Brauer gewinnen inzwischen Marktanteile, besonders die Mittelgroßen haben zu kämpfen.