PharmamarktFresenius-Chef Sen warnt vor Versorgungsengpässen bei Medikamenten

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Abfüllung von Medikamenten bei Fresenius.
Abfüllung von Medikamenten bei Fresenius. (Foto: oh)
  • Fresenius-Chef Sen: Das Ausmaß der Abhängigkeit von pharmazeutischen Wirkstoffen von China ist mindestens so hoch wie bei seltenen Erden.
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Die Abhängigkeit bei pharmazeutischen Wirkstoffen von China sei mindestens so groß wie bei Seltenen Erden, so der Manager. Die Auswirkungen könnten „sehr schlimm“ sein.

Von Elisabeth Dostert, Berlin

Fresenius-Chef Michael Sen sorgt sich um die Versorgung mit Medikamenten in Deutschland und ganz Europa. „Wir haben heute eine gewaltige Abhängigkeit bei pharmazeutischen Wirkstoffen“, sagt Sen in einer Telefonkonferenz. In der Öffentlichkeit werde viel über Abhängigkeiten von China bei Seltenen Erden geredet. Bei pharmazeutischen Wirkstoffen habe sie mindestens das gleiche Ausmaß, „und die Auswirkungen könnten sehr schlimm sein“. Es gebe einige Antibiotika, für die es nur ein Werk in China gebe.

Man könne jetzt nicht einfach in die Hände klatschen und sagen, man wolle einfach mal die Fertigung zurückverlagern. Es brauche ein ganzheitliches Konzept. Man müsse über europäische Souveränität nachdenken, fordert Sen: „Die Versorgungssicherheit wird einen Preis haben.“ Wenn nicht, werde entweder Wertschöpfung woandershin verlagert, wie es in den vergangenen Jahrzehnten geschehen sei, oder der Markt sei für die Hersteller nicht mehr attraktiv. Das sei genau, was gerade passiere, warnt Sen. Die Hersteller von Originalpräparaten fordern höhere Preise in Europa, weil der Preisunterschied zu den USA zu hoch sei.

Mit seiner Tochterfirma Helios ist Fresenius der größte private Klinikbetreiber in Deutschland. Die Tochter Fresenius Kabi stellt unter anderem Generika und Biosimilars her, also Medikamente, die Originalpräparate nach Ende des Patentschutzes nachahmen.

US-Präsident Donald Trump hasst die Pharmaindustrie, er ist überzeugt, dass die Konzerne die US-Patienten mit im weltweiten Vergleich überzogenen Preisen für innovative Medikamente abzocken. Er drohte mit hohen Zöllen, mal waren es 200 Prozent, dann 100 Prozent, am Ende wurden in Verhandlungen mit der EU 15 Prozent vereinbart. Aber es gibt Ausnahmen. Man stehe im „intensiven und konstruktiven Dialog“ mit der US-Administration, sagt Sen. Noch sei nichts schriftlich, aber es gebe öffentliche Aussagen aus dem Weißen Haus und dem US-Handelsministerium, dass mit „sehr hoher“ Wahrscheinlichkeit Generika und Biosimilars von Zöllen ausgenommen würden. Fresenius habe klargemacht, dass der Konzern für die Versorgungssicherheit der USA relevant sei.

Generika und Biosimilars seien ein Schlüssel, um die Gesundheitskosten in den USA in den Griff zu bekommen. Sen zufolge machten Generika in den USA ungefähr 85 Prozent der verschriebenen Medikamente aus, aber nur knapp zehn Prozent der Kosten. Solche Relationen sind vergleichbar mit denen in Deutschland.

Auch bei patentgeschützten Arzneimitteln tut sich was. Im Januar soll die staatliche Plattform TrumpRX starten, über die Patienten direkt Medikamente bestellen können – und zwar zum niedrigsten Preis. Bislang läuft das Geschäft über einflussreiche Zwischenhändler; Kritiker werfen ihnen vor, die Preise für Medikamente in die Höhe zu treiben. Mit einigen Anbietern wie Merck und Pfizer ist sich die US-Regierung schon einig. Merck hatte Mitte Oktober mitgeteilt, die US-Tochterfirma EMD Serono werde Patientinnen mit ärztlichen Verordnungen über TrumpRX das gesamte Portfolio an Kinderwunschtherapien zu „deutlich reduzierten Preisen“ anbieten. Würden alle Therapien angewendet, liege der Rabatt bei 84 Prozent bezogen auf die Listenpreise.

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