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General Motors:Henderson schmeißt hin

Gescheitert am eigenen Optimismus: General-Motors-Chef Henderson zieht sich nach nur acht Monaten zurück. Verwaltungsratschef Whitacre übernimmt - vorübergehend.

Der Chef des angeschlagenen Autokonzerns General Motors, Frederick ("Fritz") Henderson, ist zurückgetreten. Sein Nachfolger wird für eine Übergangszeit der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Ed Whitacre. Die Entscheidung fiel nach einer ganztägigen Sitzung des Verwaltungsrats und wurde am Dienstag nach Börsenschluss in New York bekannt gegeben.

Der Chef des angeschlagenen Autokonzerns General Motors, Frederick Henderson, ist zurückgetreten.

(Foto: Foto: AP)

Henderson ("Fritz the Blitz") war erst im vergangenen März an die Spitze des Autokonzerns gerückt, nachdem Präsident Barack Obama den damaligen Chef Rick Wagoner zum Rücktritt gezwungen hatte. Henderson galt schon seit Wochen als angeschlagen, trotzdem kam sein Rücktritts nun überraschend. Whitacre sagte auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Detroit: "Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass General Motors auf dem richtigen Weg ist." Das Unternehmen werde jetzt mit erhöhtem Tempo daran arbeiten, das Geld der amerikanischen und der kanadischen Regierung zurückzuzahlen. Der Verwaltungsrat werde unmittelbar mit der Suche nach einem Nachfolger für Henderson beginnen.

Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Wechsel an der Spitze Auswirkungen auf den Kurs des GM-Managements gegenüber der deutschen Tochter Opel und dem europäischen Geschäft des Autokonzerns hat. Es war der neue Interimschef Whitacre, der GM zum Kurswechsel bei Opel gezwungen hatte. Henderson wollte die Tochter, wie mit der Bundesregierung vereinbart, an das Konsortium um den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna verkaufen. Whitacre war überzeugt davon, dass GM auf Opel angewiesen ist, und setzte die Entscheidung durch, das europäische Geschäft des Konzerns aus eigener Kraft zu sanieren.

Der Fall Opel dürfte dazu beigetragen haben, dass Hendersons Position unhaltbar geworden war. Zuvor war sein Versuch gescheitert, die GM-Marke Saturn an den Sportwagen-Unternehmer Roger Penske zu verkaufen. Auch der Verkauf der schwedischen Tochter Saab an den Hersteller Koenigsegg kam nicht zustande. Teile des Unternehmens könnten jetzt an den chinesischen Hersteller Beijing Automotive verkauft werden. Der frühere Auto-Beauftragte von Präsident Obama, Steve Rattner, hatte Henderson im November öffentlich als "Übergangskandidat" bezeichnet.

Von Natur aus Optimist

Henderson war jahrelang für das Finanzwesen bei GM verantwortlich. Kritiker warfen ihm vor, die Lage des Detroiter Unternehmens dabei ständig zu optimistisch eingeschätzt zu haben. Unbestritten ist unter Fachleuten, dass GM eine grundlegende Erneuerung seiner Management-Kultur braucht, um eine Zukunft auf dem heftig umkämpften internationalen Automarkt zu haben.

Ed Whitacre, 68, wurde erst am 10. Juni von der Regierung an die Spitze des GM-Verwaltungsrats gesetzt, nachdem der Konzern das staatlich begleitete Konkursverfahren hinter sich gelassen hatte. Der gebürtige Texaner stand lange Zeit an der Spitze des größten Telekommunikationskonzerns der Vereinigten Staaten, AT&T. Er gilt als machtbewusst und als Freund schneller Entscheidungen. Seit dem Konkursverfahren ist GM faktisch ein Staatskonzern. Die Anteile des Konzerns liegen bei der amerikanischen und kanadischen Regierung, bei der Autogewerkschaft UAW sowie bei den Gläubigern. Whitacre stimmt wichtige Entscheidungen des Verwaltungsrats mit dem Weißen Haus ab. Ein GM-Sprecher bestritt aber, dass auch der Rücktritt von Henderson auf Druck aus Washington veranlasst wurde.

Die Lage von GM hatte sich nach der Insolvenz schneller stabilisiert als erwartet. Im November stieg der Absatz auf dem nordamerikanischen Markt um 2,6 Prozent. Der Konzern ist im Zuge des Konkursverfahrens den Großteil seiner Schulden losgeworden.

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© SZ vom 2.12.2009/jab/mel
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