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General Motors:Raus aus den Schulden

Dramatische Wende: Wie viele andere internationale Konzerne finanziert General Motors einen Teil des Geschäfts auf Kredit - jetzt soll es einen radikalen Strategiewechsel geben.

Schulden sind gut. Jeder Unternehmer bekommt diesen Satz eingebläut, denn Kredite helfen Firmen Geld zu sparen - sofern auf den richtigen Mix aus teurem eigenen und billigem fremden Kapital geachtet wird.

A worker walks behind a logo of General Motors after the announcement of the closing of the Opel assembly plant in Antwerp

Sollte GM von den Schulden loskommen, wäre das in dieser Größenordnung ein nahezu beispielloser Strategiewechsel.

(Foto: REUTERS)

Umso überraschender ist es, wenn ein so gewaltiges Unternehmen wie General Motors (GM) öffentlich bekennt: Schulden soll es künftig nur noch in Ausnahmefällen geben.

Es ist scheinbar wider die ökonomische Vernunft, was der neue GM-Finanzchef Chris Liddell und GM-Boss Daniel Akerson da planen. Doch womöglich hat Liddell in seiner Zeit bei Microsoft - wo er vor General Motors war - etwas ganz Entscheidendes gelernt: Wer selbst Geld hat, bestimmt, wo es langgeht. Schuldner hingegen müssen sich der Macht der Kreditgeber ausliefern. "Wir wollen die Herren unseres Schicksals sein", sagte Liddell dem Wall Street Journal zufolge in einem Interview.

Alles neu

Zugleich geht es darum, von den Schwankungen des Marktes unabhängiger zu werden. Bisher gilt: Investiert wird vor allem dann, wenn das Geschäft gut läuft. Künftig will GM aber stetig investieren - auch dann, wenn die Einnahmen wegbrechen. Und das geht nur mit einem dicken Finanzpolster.

Sollte GM der Schritt gelingen, wäre das in dieser Größenordnung ein nahezu beispielloser Strategiewechsel. Nur wenige große Unternehmen haben versucht, ohne Kredite auszukommen - schon aus steuerlichen Gründen.

"Neu-GM will das neue GM sein", zitiert das Blatt eine Analystin. Dennoch geht sie davon aus, dass auf längere Sicht GM auch wieder Kredite nutzen werde.

Ford hatte sich im Jahr 2006 einen Kredit von fast 25 Milliarden Dollar geborgt. Das half dem Unternehmen, gut durch die Finanzkrise zu kommen: Ford hatte Geld, als die Konkurrenz keines mehr bekam. Jetzt aber sitzt Ford auf einem gigantischen Schuldenberg, während Neu-GM nach der Insolvenz nur noch zwölf Milliarden Dollar zurückzahlen muss. Vor der Pleite waren es nach Angaben des WSJ 45 Milliarden Dollar.

Das Gegenbeispiel ist Toyota: Traditionell hat das japanische Unternehmen einen geringeren Schuldenstand. Das ermöglichte es Toyota, selbst dann noch Geld in die Fahrzeugentwicklung zu stecken, als die Einnahmen im vergangenen Jahr wegbrachen.

Doch ist das Vorhaben von GM überhaupt realistisch? Ein Experte der Ratingagentur Standard & Poor's nennt die neue Strategie vernünftig, solange GM in Nordamerika Geld verdiene.

Die nahezu vollständige Rückzahlung der Schulden könnte dann schon in den kommenden Jahren gelingen. Geht aber GM zu energisch vor, könnte das Geld für die Entwicklung neuer Fahrzeuge fehlen. In der GM-Spitze wurde dieses Problem ebenso diskutiert wie bei den Investoren. Doch die Unternehmensführung kam zu dem Schluss, dass das Geld sowohl für die Rückzahlung als auch für Investitionen reiche.

Zu verlockend ist offenbar die Idee, dass "wir in Forschung und Entwicklung investieren können, ganz egal, wie es um den Markt steht", sagt Liddell. Er weiß, wie angenehm es ist, Geld zu haben: Sein vorheriger Arbeitgeber Microsoft sitzt derzeit auf rund 37 Milliarden Dollar an Cash.

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