General Motors:"German Engineering" als Qualitätssiegel

Tatsächlich stand viel auf dem Spiel, als die US-Regierung die Rettung GMs und seines kleineren Rivalen Chrysler beschloss. Eine ungeordnete Pleite hätte die amerikanische Autoindustrie in den Abgrund gerissen. In Michigan, dem Herzland der US-Autoindustrie, hätte die Arbeitslosenquote Depressionsniveau erreicht.

Doch dank Obama kam es anders: Michigan schafft inzwischen landesweit die meisten neuen Jobs, und die USA besinnen sich auf die lange vernachlässigte Autoindustrie. Das produzierende Gewerbe ist zum Konjunkturmotor Amerikas geworden. Im ersten Quartal legte es im Vergleich zum Vorjahr um 9,1 Prozent zu, während die Wirtschaft insgesamt nur um 1,8 Prozent wuchs.

GM ist zum Aushängeschild dieser industriellen Renaissance geworden. Vor dem Konkursgericht hat sich der Konzern verschlankt und kann sich nun auf seine Kernmarken konzentrieren: Mit Chevrolet und Buick tritt er gegen Toyota und VW an, GMC konkurriert mit Pick-ups von Ford und Chrysler, und Cadillac fordert BMW und Mercedes heraus. Verlustbringer wie Hummer, Saab, Saturn, Pontiac wurden eingestellt oder verramscht.

Nur an Opel hielten die Amerikaner fest. Denn Opel ist mehr als eine altehrwürdige Marke, die ihre besten Tage hinter sich hat. Am Unternehmenssitz in Rüsselsheim befindet sich das Forschungszentrum, das GM jahrzehntelang mit Know-how versorgte. Wichtige Autos von Buick und Chevrolet beruhen auf Opel-Modellen. Früher hatte GM die deutsche Herkunft seiner Autos stets verheimlicht. Doch "German Engineering" ist in den USA längst zum Qualitätssiegel geworden. Auch GM wirbt jetzt mit dem deutschen Erbgut seiner neuen Modelle. Das zeigt, wie eng der Konzern mit seiner deutschen Tochter verwoben ist. Eine Trennung wird für beide Seiten schmerzhaft sein.

© SZ vom 10.06.2011/hgn
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