General Motors Was die Krise des US-Konzerns für die deutsche Autoindustrie bedeutet

Die Firmengeschichte von General Motors reicht 110 Jahre zurück, zum Ende dieses Jahres nun muss der Autokonzern in Nordamerika bis zu 15 000 Stellen streichen.

(Foto: Bloomberg)
  • Den deutschen Autokonzernen geht es zwar nicht ganz so schlecht wie General Motors, aber auch sie kämpfen um ihre Margen und den Absatz.
  • Globale Handelskonflikte, steigende Rohstoffpreise und hohe Innovationsausgaben machen der gesamten Branche zu schaffen. Deutsche Autobauer belastet zusätzlich die Aufarbeitung des Dieselskandals.
  • Der Vorteil deutscher Hersteller: Viele Fabriken sind mittlerweile sehr variabel einsetzbar für verschiedene Modelle.
Von Max Hägler

Der amerikanische Präsident tat am Dienstag das, was er besonders gern tut: Er drohte. Nur einen Tag, nachdem der Detroiter Autobauer General Motors angekündigt hatte, 15 000 Stellen zu streichen, machte Donald Trump seinem Ärger auf Twitter Luft und warnte vor finanziellen Konsequenzen. Er sei sehr enttäuscht von den Managern des Unternehmens, man schaue sich nun an, ob man alle GM-Subventionen kürzen könne, inklusive der für Elektroautos, schrieb Trump. "In Mexiko und China wird nichts geschlossen. Die USA haben General Motors gerettet, und dies ist der Dank, den wir bekommen!"

Knapp 24 Stunden zuvor hatte General Motors angekündigt, mehrere Werke in den USA und Kanada zu schließen. Als Grund wurden der schwache Absatz genannt, aber auch gestiegene Kosten für Stahl oder Aluminium - und das habe, wie Experten anmerkten, auch mit Trumps Zöllen zu tun. Der Kahlschlag weckt Erinnerungen an eine Zeit, in der das Unternehmen am Abgrund stand. Nach der Finanzkrise musste der amerikanische Staat einspringen, um GM zu retten, 51 Milliarden Dollar kostete das. Und jetzt die neue Hiobsbotschaft. Was bedeutet das für die Autoindustrie - und insbesondere für die Hersteller und Zulieferer in Deutschland? Kann man aus der Krise des bald 110 Jahre alten Konzerns etwas ableiten? Ja und nein, heißt es in der Branche.

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Manche Probleme bei GM samt seiner weiteren Marken Cadillac, Buick und Chevrolet sind hausgemacht. Doch viele Herausforderungen gibt es bei der Konkurrenz auch. Zwar ist der Gesamtumsatz der 16 führenden Autokonzerne der Welt um 2,3 Prozent gestiegen, hat das Beratungsunternehmen EY beim Vergleich der ersten neun Monate des Jahres 2017 mit denen des Jahres 2018 festgestellt. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sank hingegen - erstmals seit 2009 - um 3,7 Prozent und im gleichen Maße der operative Gewinn.

Besonders betroffen: GM. Von sieben Prozent Marge ging es zurück auf nur noch fünf Prozent. Zwölf Prozent weniger Autos verkauften die Amerikaner. Nicht ganz so schlecht geht es den Deutschen, aber auch sie kämpfen um ihre Margen und den Absatz. BMW und Daimler mussten ihre Gewinnerwartungen nach unten korrigieren.

Die allgemeinen Ursachen? Zum einen die globalen Handelskonflikte, die Strafzölle zwischen den USA und China etwa sowie mögliche Verschärfungen im Verhältnis USA-Europa. Donald Trump könnte einem Magazinbericht zufolge schon kommende Woche Zölle auf importierte Autos verhängen. "Der Untersuchungsbericht des Handelsministeriums liegt auf dem Tisch des Präsidenten", berichtet die Wirtschaftswoche vorab unter Berufung auf EU-Kreise. Vorgeschlagen seien 25 Prozent Zoll auf Autoimporte aus allen Ländern außer Kanada und Mexiko. Ausnahmen für bestimmte Pkw-Typen soll es danach nicht geben.

Die deutschen Hersteller belastet zugleich der Dieselskandal

Der Bericht drückte die deutschen Autowerte am Dienstag tief ins Minus. Dazu kommen steigende Rohstoffpreise und hohe Innovationsausgaben: Elektroautos müssen entwickelt werden, Fabriken dafür gebaut werden. Die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen bis hin zu Roboterwagen kostet viele Milliarden Euro - ohne dass es kurzfristig zu höheren Umsätzen oder Gewinnen führt. So haben die deutschen Konzerne ihre Ausgaben für neue Technologien im ersten Halbjahr um etwa zehn Prozent auf gut zwölf Milliarden Euro erhöht. Zugleich belastet die Aufarbeitung des Dieselskandals die deutschen Hersteller nochmals, mehr als 30 Milliarden Euro kostete das Nachbessern bislang. "Die Neuordnung der Branche wird von den Unternehmen einiges abverlangen und viel Geld kosten", sagt EY-Analyst Peter Fuß. "Jetzt geht es darum, auf die richtigen Technologien und Partner zu setzen und einen langen Atem zu haben." Es könne dabei sein, dass solche Hersteller mehr Gewinn haben, die an traditionellen Geschäften festhalten. Diese hätten aber dann langfristig das Nachsehen.

Viele deutsche Fabriken sind vielseitig einsetzbar

In Deutschland geschieht dieser Prozess bislang in einem konstruktiven Ringen zwischen Manager und Arbeitnehmervertretern. Wobei alle um den Veränderungsdruck wissen, die Kosten kennen. Und sich auf notwendige Sparmaßnahmen beim Alten einigen, um das Neue zu finanzieren. Volkswagen macht das gerade vor mit seinem orchestrierten Umbau hin zur Elektromobilität.

In den USA hingegen gibt es das Miteinander nicht, und damit auch weniger Flexibilität. Ein Beispiel: Vor allem Limousinen streicht GM aus seinem Programm, weil stattdessen immer mehr SUVs gekauft werden. Die Entwicklung kennen auch die deutschen Hersteller BMW, Daimler oder der Volkswagen-Konzern mit all seinen Tochtermarken. Aber der Unterschied: Viele Fabriken deutscher Hersteller sind mittlerweile hochgradig variabel einsetzbar. Ein Kombi mit Dieselmotor, eine Limousine mit Benziner, ein SUV mit Hybridantrieb - es gibt mittlerweile Bänder, auf denen solch ein Mix vorüberzieht.

Übrigens: Trotz des Vorsprungs bei Planungen und Innovationen fürchten sich die Deutschen gerade vor GM. In schweren Zeiten kann ein Unternehmen schneller auch harte Entscheidungen treffen, und dass die Vorstandsvorsitzende Mary Barra davor nicht zurückschreckt, hat sie zuletzt beim Verkauf von Opel an die französische PSA-Gruppe gezeigt. "Wer waidwund geschossen ist, der greift aggressiver an", heißt es bei einem deutschen Konkurrenten.

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