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General Motors: Chefwechsel:Ein Raubein sagt "Goodbye"

Ed Whitacre, Chef des US-Autokonzerns General Motors, präsentiert gute Zahlen - und seinen Nachfolger. Doch der knallharte Sanierer geht nicht ganz. Noch nicht.

Karl-Heinz Büschemann

Der US-Autokonzern General Motors bekommt vor dem Börsengang einen neuen Chef. Ed Whitacre, der den Posten des Chief Executive Officers seit 1. Dezember des vergangenen Jahres innehat, teilte am Donnerstag überraschend mit, er werde sein Büro am 1. September räumen und die Aufgabe an das Verwaltungsratsmitglied Daniel Akerson, 61, übergeben.

GM bekommt neuen Chef: Ed Whitacre zieht sich zurück

Ed Whitacre zieht sich zurück. Der GM-Chef räumt zum Monatswechsel seinen Schreibtisch.

(Foto: dpa)

Bis zum Ende des Jahres werde Whitacre noch dem Verwaltungsrat vorstehen und die Geschicke des Unternehmens überwachen.

Whitacre hat sich bei GM das Verdienst erworben, den Konzern, der im Juni 2009 in die Insolvenz gegangen war und vom Staat gerettet werden musste, völlig umzukrempeln. Der 68jährige war lange Chef der Telekommunikationsfirma AT&T, und die US-Regierung hatte nach der Insolvenz dafür gesorgt, dass der erfahrene Manager, der als harter Sanierer gilt, nach Detroit geht, um als Chef des Verwaltungsrates die Wende herbeizuführen. Später übernahm er auch die operative Führung des Konzerns, ließ aber offen, wie lange er in dieser Funktion bleiben wolle.

Whitacre gilt als Manager-Raubein und als der Mann, der fast die gesamte Führungsmannschaft des Konzerns auswechselte. Er ist Symbol für den Neuanfang, der mit dem Börsengang in diesem Jahr gemacht werden soll.

Es sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören, sagte Whitacre. Nachfolger Akerson sitzt seit Mitte 2009 im Verwaltungsrat. Auch er ist kein ausgewiesener Automanager. Sein bisheriges Berufsleben hatte er in der Finanzwirtschaft und - wie Whitacre - in der Telekombranche verbracht.

General Motors hatte am Donnerstag positive Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Der Konzern zeigte damit, dass er die Last der Vergangenheit abgeschüttelt hat und - befreit von Schulden und hohen Sozialverpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern - wieder schwarze Zahlen schreiben kann. Das Unternehmen machte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 2,2 Milliarden Dollar Gewinn. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres war noch ein Verlust von 18,9 Milliarden Dollar entstanden. Der US-Konzern, der lange größter Autobauer der Welt war, hatte bedingt durch schlechtes Management allein in den Jahren 2005 bis 2009 etwa 88 Milliarden Dollar verloren. Der Traditionskonzern musste in der Insolvenz vom Staat mit mehr als 50 Milliarden Dollar gestützt werden. Seitdem hält die Regierung die Mehrheit.

Europa-Geschäft im Minus

Der Autokonzern hat den wesentlichen Teil des Gewinns 2010 auf dem Heimatmarkt erzielt, wo er einen Überschuss von 1,6 Milliarden Euro schaffte. Das Geschäft in Europa, wo GM mit den Marken Opel, Vauxhall und Chevrolet vertreten ist, war jedoch erneut im Minus. Der Quartalsverlust betrug etwa 200 Millionen Dollar. Immerhin lag GM in Europa damit um etwa 100 Millionen Dollar besser als im ersten Quartal dieses Jahres. "Ich bin zufrieden mit diesem Fortschritt", erklärte Finanzchef Chris Liddell.

Die Zahlen dokumentieren auch, wo GM noch Schwächen hat. Der Marktanteil in den USA ist in den ersten sechs Monaten auf 18,9 Prozent gefallen. Vor der Insolvenz lag dieser Wert bei 20,5 Prozent, in den sechziger Jahren waren es noch mehr als 50 Prozent. Dagegen ist der Anteil der Produktion, der an Leihwagen-Firmen geliefert wurde, gestiegen. Ein Drittel der Fertigung ging in das wenig profitable Flottengeschäft. Vor einem Jahr ging erst ein Viertel an Verleihfirmen.

In den USA hat GM im ersten Halbjahr 5000 neue Mitarbeiter eingestellt, so dass der Konzern im eigenen Land auf 53000 Beschäftigte kommt. Im Ausland wurde die Mannschaft verkleinert.

© SZ vom 13.08.2010/mel
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