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General Motors:Ein Börsenwunder für Obama

General Motors legt endlich seine Börsenpläne vor - und bleibt ziemlich unkonkret. Wenn es im Herbst soweit sein sollte, könnte US-Präsident Obama davon profitieren. Auch die Deutsche Bank ist beim Börsengang dabei.

Der Autokonzern General Motors löst sich langsam aus der staatlichen Obhut und bläst zum möglicherweise größten Börsengang der US-Geschichte. So soll der amerikanische Steuerzahler einen guten Teil seines Geldes zurückbekommen, mit dem er den Veteran der Branche vor einem Jahr vor der Pleite bewahrt hatte.

GM stößt Börsengang an - Deutsche Bank dabei

Im vergangenen Sommer musste die einstige Nummer eins der Autoindustrie noch von der US-Regierung vor der Pleite bewahrt werden, jetzt strebt GM zurück an die Börse.

(Foto: dpa)

Am Mittwoch legte GM nun endlich seinen vorläufigen Börsenprospekt vor. In einem Schreiben an die US-Börsenaufsicht SEC stellte GM einen Antrag auf Notierungen an den Handelsplätzen New York und Toronto.

Zu den insgesamt zehn Banken, die dem Konzern bei der Rückkehr aufs Parkett helfen werden, gehört auch die Deutsche Bank.

Federführend werden das Geschäft aber die Wall-Street-Institute abwickeln. Der genaue Zeitpunkt für den Börsengang bleibt allerdings weiterhin offen. Im Raum steht ein Emissionserlös von 16 Milliarden bis 20 Milliarden Dollar; im Herbst soll es soweit sein.

Finanzministerium will sich nicht drängen lassen

Im November sind Kongresswahlen - und Präsident Barack Obama könnte das Comeback des einst weltgrößten Autoherstellers als großen wirtschaftspolitischen Erfolg verkaufen. Die US-Regierung hatte 50 Milliarden Dollar in GM gesteckt, damit das Unternehmen die Insolvenz Mitte vergangenen Jahres überleben konnte.

Der kleinere Teil der Summe war ein Kredit; das Geld ist bereits zurückgeflossen. Für den größeren Teil der Summe hatte der Staat 60,8 Prozent der Anteile an GM bekommen. Über den Verkauf der Aktien will die Regierung in die Minderheit kommen.

Das Finanzministerium will sich aber nicht drängen lassen und erklärte in der Nacht, dass es über seine endgültige Beteiligung an dem Börsengang später entscheide. Auch der Staat Kanada und die Gewerkschaften - sie sind ebenfalls Aktionäre - könnten Aktien auf den Markt werfen. Sie hatten GM ebenfalls mit Geld beziehungsweise mit Zugeständnissen bei den Personalkosten geholfen.

Den Unterlagen vom Mittwoch zufolge beantragte GM einen Börsengang im Volumen von lediglich bis zu 100 Millionen Dollar. In Kreisen hieß es, diese Summe spiegele nicht das Volumen wider, das GM bei der Notierung anstrebe. Wie viele Aktien tatsächlich ausgegeben werden sollen und was sie kosten könnten, teilte GM nicht mit.

Nur Vorzugsaktien

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sollen nur Vorzugsaktien ausgegeben werden. Dieses Geld würde dann dem Unternehmen zufließen, die Papiere sind allerdings nicht stimmberechtigt.

Der anstehende Börsengang könnte der größte der US-Geschichte werde. Bisher hält der Kreditkartenanbieter Visa, der vor zweieinhalb Jahren aufs Parkett gegangen war, den Rekord. Damals wurden 19,7 Milliarden Dollar eingesammelt. Weltweit liegt die Agricultural Bank of China vor, die umgerechnet 22,1 Milliarden Dollar erlöste.

Eine verfehlte Modellpolitik, hohe Kosten fürs Personal und der Absatzeinbruch in der Wirtschaftskrise hatten GM und seinen kleineren Rivalen Chrysler ins Aus manövriert. Unter den drei großen US-Autoherstellern hatte einzig Ford die heraufziehenden Probleme frühzeitig erkannt und mit radikalen Einsparungen gegengesteuert. Ford überlebte aus eigener Kraft.

Nachdem GM sich in der Insolvenz mit einem Federstrich von veralteten Werken, riesigen Schulden und überbordenden Kosten für Gesundheit und Pensionen der Mitarbeiter trennen konnte, läuft es dort wieder rund. Im ersten Halbjahr verdiente GM unterm Strich bereits 2,2 Milliarden Dollar.

Selbst beim deutschen Sorgenkind Opel ging es zuletzt aufwärts. Die Hoffnung ist, dass auf lange Sicht auch die Mitarbeiter von dem Wiedererstarken profitieren. Zuletzt hatte GM weltweit 208.000 Beschäftigte. Vor der Insolvenz waren es 243.000. Auch in Deutschland sind Stellen weggefallen.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/AFP/mel/pak
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