Mischkonzern General Electric verliert mehr als 20 Milliarden Euro

Noch vor zwei Jahren rangierte General Electric unter den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt. Jetzt macht das Unternehmen ständig hohe Verluste.

(Foto: dpa)
  • Ein Verlust von 20 Milliarden Euro in nur einem Quartal - die Höhe ist rekordverdächtig.
  • Nach dem Mega-Verlust streicht GE auch die Dividende für Aktionäre.
  • Das Justizministerium und die Börsenaufsicht ermitteln nun auch noch gegen GE wegen milliardenschwerer Abschreibungen.
Von Caspar Busse

Der amerikanischen Mischkonzern General Electric (GE), der jahrzehntelang einer der größten Konkurrenten von Siemens war, rutscht immer tiefer in die Krise. Am Dienstag mussten die Amerikaner einen Quartalsverlust von umgerechnet gut 20 Milliarden Euro veröffentlichen, die Höhe ist rekordverdächtig. Grund sind vor allem die schlecht laufende Geschäfte in der Kraftwerkssparte, die GE im dritten Quartal zu einer milliardenhohen Abschreibung gezwungen haben. Auch Siemens hat mit Problemen im Kraftwerksbau zu kämpfen und muss deshalb tausende Jobs streichen. GE trifft es nun noch härter.

Nach dem Mega-Verlust wird auch die Dividende gestrichen. GE-Anleger sollen künftig nur noch eine symbolische Ausschüttung von einem Cent je Quartal bekommen. Damit wird der Konzern fast vier Milliarden Dollar pro Jahr sparen. Bisher zahlte GE zwölf Cent aus. Zudem ist nun ein grundlegender Umbau der Kraftwerkssparte geplant. "Die Priorität in den ersten hundert Tagen meines Amtes liegt darauf, das Unternehmen wieder auf die Gewinnerstraße zurückzubringen", sagte Firmenchef Larry Culp, 55, am Dienstag. Er ist erst seit wenigen Wochen im Amt und hat John Flannery, 57, ersetzt, der selbst nur etwas mehr als ein Jahr den Konzern führte. Culp hatte sich in seinem früheren Job beim US-Mischkonzern Danaher bereits einen Namen als erfolgreicher Sanierer gemacht. Flannery hatte schon 1987 bei GE angeheuert, wurde dann 2017 Nachfolger des langjährigen Konzernchefs Jeff Immelt und wollte GE radikal verschlanken, vor allem mit dem Verkauf und der Abspaltung von Firmenteilen im Volumen von 20 Milliarden Dollar, darunter die Medizintechnik.

Doch das alles ging nicht schnell genug, die Geschäfte von GE verfallen noch rascher. Vor allem im Kraftwerksgeschäft hatte sich die Lage zuletzt verschärft. Als Weltmarktführer leiden die Amerikaner unter der schwindenden Nachfrage nach Turbinen für traditionelle Kraftwerke. Die meisten Energieerzeuger setzen nun auf Wind, Sonne und dezentrale Erzeugung. Dazu kommen technische Probleme mit einer neuen Generation von Gasturbinen. Mehrere Kraftwerke, die damit betrieben wurden, mussten deswegen heruntergefahren werden.

Justizministerium und Börsenaufsicht ermitteln wegen der Abschreibungen

Nun will GE das schwächelnde Geschäft mit Gasturbinen vom Rest der Kraftwerkssparte trennen. Neue Jahresziele nannte Culp zunächst nicht, obwohl dies Anfang Oktober signalisiert wurde. Der Umsatz ging im abgelaufenen Quartal auf knapp 30 Milliarden Dollar zurück. 2017 stand ein Konzernverlust von sechs Milliarden Dollar zu Buche. In der Kraftwerkssparte gingen im dritten Quartal Aufträge um 18 Prozent zurück, die Umsätze fielen um ein Drittel.

Besonders bitter: Das Justizministerium und die Börsenaufsicht ermitteln nun gegen GE wegen der milliardenschweren Abschreibungen im ersten und dritten Quartal. Das sorgte auch bei den Anleger für schlechte Stimmung. Der Absturz der Traditionsfirma ist denn auch atemberaubend: Noch vor zwei Jahren war GE ein Beispiel für die erfolgreichen und weltweit agierenden US-Konzerne und rangierte unter den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt. Im Juni diesen Jahres stieg der Konzern dann aus dem wichtigen Dow-Jones-Index ab, dem er seit 1907 angehört hatte.

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