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Geldwerkstatt:Wenn das Smartphone zum Geldbeutel wird

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Niedrige Zinsen, hohe Unsicherheit - wie soll man da noch sein Geld investieren? In der "Geldwerkstatt" erklären wir aktuelle Fragen zur Geldanlage.

Im Laden mit dem Handy zu bezahlen, gehört in vielen Ländern zum Alltag. Wer es probieren will, sollte einiges beachten.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Als Apple-Chef Tim Cook vor wenigen Jahren das iPhone 6 vorstellte, sorgte vor allem eine neue Spielerei für lebhafte Debatten: die mobile Zahlungsfunktion Apple Pay. Unbescheiden kündigte Cook damals an: "Apple Pay wird die Art, wie wir bezahlen, für immer verändern".

In Deutschland kann davon indes noch keine Rede sein. Mit dem Handy an der Ladenkasse bezahlen? Ohne nach Karten oder Bargeld kramen zu müssen? Das ist hierzulande noch längst kein Alltag. Gleichwohl aber ist es möglich. Wer es probieren möchte, sollte ein paar Dinge beachten.

Wie funktioniert das mobile Bezahlen?

Vielen Verbrauchern ist gar nicht bewusst, dass sie zahlreiche Einkäufe bereits mobil bezahlen. Dazu gerechnet werden nämlich sämtliche Zahlungen auf dem Handy. Wer also mit der My-Taxi-App bezahlt oder auf dem Handy bei Amazon bestellt und dabei mit dem Paypal-Account bezahlt, hat mobil bezahlt. Noch nicht sehr verbreitet ist hingegen das mobile Bezahlen direkt an der Ladenkasse.

Das fängt damit an, dass es noch keinen einheitlichen Standard gibt. Entweder basiert das mobile Bezahlen auf QR-Codes, die man mit einer App einscannen kann, oder auf der Technik Near Field Communication (NFC). Letztere überträgt per Radiosignal Daten vom Handy auf eine Station. Zuvor müssen die Kreditkartendaten in der App hinterlegt werden. Dann übermittelt NFC die Daten an das Kartenlesegerät an der Kasse. Identifizieren müssen sich Kunden per Fingerabdruck. Die großen Einzelhändler haben ihre Kassen inzwischen fast alle auf NFC-Technik umgestellt. Auch die neueren Smartphones sind in der Regel alle NFC-fähig. Bezahlen kann man bislang allerdings nur mit einem Android-Smartphone, das also mit einem Google-Betriebssystem arbeitet. Apple hingegen gibt anderen Anbietern keinen Zugriff auf die NFC-Technik im iPhone. Und selbst bei Android akzeptieren die Bezahl-Anbieter nicht jedes Smartphone. "In der Regel gibt es eine Liste mit freigegebenen Geräten. Wer sich Ärger ersparen will, sollte vor der Anmeldung einen Blick darauf werfen", schreibt das Verbraucherportal Finanztip. Eher ein Auslaufmodell ist der QR-Code: Diese Methode ist nicht nur langsamer. Sie funktioniert oft auch nur, wenn das Smartphone Internetzugang hat.

Wie finde ich eine gute Bezahl-App?

Das ist derzeit noch etwas schwierig. Niemand will mit zehn verschiedenen Bezahlapps hantieren, je nachdem, wo er einkauft. Aber vieles spricht dafür, dass die Angebote bald übersichtlicher werden. Zuletzt etwa kam die Deutsche Bank mit einer Bezahlfunktion ihrer Konto-App auf den Markt. Die Sparkassen und die Volksbanken arbeiten auch an einer Lösung. Bislang allerdings können längst nicht alle die Angebote nutzen. Mit der Deutschen-Bank-App kann man nur mobil bezahlen, wenn man dort ein Konto hat, sowie eine Mastercard und ein Android-Telefon.

Auch die Telekomfirmen mischen mit: Während aber Telekom und O2 ihre Apps aufgegeben haben, hat Vodafone die Anwendung erneuert: Sie funktioniert mit Visa-Kreditkarten und mit Paypal. Die Registrierung ist Finanztip zufolge aber eher kompliziert. Auch wer eine Bonuskarte von Payback nutzt, kann bei den angeschlossenen Händlern mobil bezahlen und dabei die Bonuspunkte gleich mobil speichern. iPhone-Nutzer hingegen müssen noch länger warten: Apple will sein eigenes Bezahlsystem durchsetzen, um Zugriff auf die Daten der Kunden zu bekommen. Dafür muss sich Apple hierzulande aber erst mit den Banken einigen, wer wie viel daran verdient.

Wie sicher ist mobiles Bezahlen?

Wer mit dem Handy über ein Terminal an der Ladenkasse bezahlt und seine PIN am Terminal eingibt, ist vergleichsweise gut geschützt. Schließlich werden die Daten verschlüsselt übertragen. "Bezahlvarianten, bei denen man die PIN während des Bezahlens nur im Smartphone eingibt, sind hingegen nicht ganz so sicher", sagt Oliver Hommel, Bezahlexperte von der Beratung Accenture. "Hacker haben da eher die Möglichkeit, das Verfahren anzugreifen, weil das mobile Gerät nicht vollumfänglich vor Hackerangriffen geschützt ist". Wer sein Smartphone verliert, sollte sein Konto über die Bank sperren lassen.

Was geschieht mit meinen Daten?

Zunächst einmal sammeln die Banken beim mobilen Bezahlen die gleichen Daten wie bei einer normalen Kartentransaktion. Sie sehen also lediglich den Rechnungsbetrag, aber nicht das, was der Kunde im Einzelnen kauft. Aber: Wer mobil bezahlt, verrät auch, wo er eingekauft hat. Diese Ortsdaten erheben die Banken-Apps zu Sicherheitszwecken. "Möchten Banken diese Daten für andere Zwecke nutzen, muss der Kunde einwilligen", sagt Hommel. In der Tat wären diese Daten interessant für Google und andere Internetunternehmen. "In den USA hat Google bereits Zugriff auf viele Kreditkartendaten und kann damit auch Werbung für stationäre Händler gezielter steuern, auswerten und teurer verkaufen", sagt Hommel. "Schließlich ist genau dies immer noch das Kerngeschäft von Google". Richtig viele Daten aber sammeln natürlich Anbieter von Bonusprogrammen wie Payback, die längst auch eine Bezahlfunktion anbieten.

© SZ vom 24.07.2017

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