Geldanlage Warum der Goldpreis fällt und fällt

Der starke Preisverfall beim Gold hat in den vergangenen Monaten selbst die Experten überrascht.

(Foto: dpa)
  • In den vergangenen Monaten ist der Goldpreis deutlich gefallen - und das trotz Unsicherheiten wie dem drohenden Handelskrieg zwischen China und den USA.
  • Für gewöhnlich setzen die Investoren gerade in Zeiten wie diesen auf das vermeintlich sichere Gold.
  • Experten machen eine spürbare Vertrauenskrise aus - die nicht nur am starken Dollar liegen kann.
Von Harald Freiberger

Menschen, die sich beruflich mit Gold beschäftigen, schreckt so schnell nichts mehr. Sie haben im Laufe der Jahre viel erlebt, unerklärliche Kurssprünge, lange Anstiege, abrupte Abstürze. Und doch war da immer eine Gewissheit: Trotz aller Schwankungen wird Gold stets seinen Wert behalten. Er kann mal höher sein und mal tiefer, aber er wird nie vollends verschwinden. Wer sich beruflich mit Gold beschäftigt, lebt auf solidem Fundament.

Was sich aber in den vergangenen Monaten und speziell in der vergangenen Woche abspielte, irritiert die Experten zunehmend. Der Goldpreis fällt und fällt. Seit Februar stürzte er von 1360 auf inzwischen 1177 Dollar pro Feinunze (31 Gramm) ab. Das ist ein Minus von 13,5 Prozent. Am Mittwoch erreichte die Entwicklung einen Tiefpunkt, als es noch einmal um zwei Prozent nach unten ging. Die Investoren scheinen nur noch einen Gedanken zu haben: Nichts wie raus aus Gold.

Es gab immer mal längere Phasen, in denen der Goldkurs fiel. Das Sonderbare diesmal ist, dass die Zeiten eigentlich ideal sind für das Edelmetall. Es gilt seit jeher als Krisenwährung und Stabilitätsanker. Immer wenn es in der Weltwirtschaft schwierig wird, flüchten die Investoren in Gold, weil es sich über Jahrhunderte als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten bewährt hat. Doch diesmal ist es anders: Die Zeiten sind stürmisch, doch der Hafen ist nicht mehr sicher.

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"Der starke Preisverfall hat uns überrascht", sagt Carsten Fritsch, Edelmetall-Analyst bei der Commerzbank. "Wir hätten nicht geglaubt, dass der Preis in einem solch unsicheren Umfeld so stark unter Druck gerät." Es droht ein Handelskrieg der Großmächte USA und China, die US-Sanktionspolitik trifft inzwischen nicht nur Gegner, sondern auch Verbündete, es gibt wegen Trump große politische Unsicherheit, was G7 und Nato betrifft, es gibt anhaltende Unsicherheit über die Politik in Italien, die Währungsturbulenzen in der Türkei können sich zu einer weltweiten Krise der Schwellenländer ausweiten, in Europa ist die Geldpolitik der EZB noch mindestens bis Sommer 2019 im Krisenmodus, was hierzulande zu negativen Realzinsen führt. All diese Faktoren müssten dem Preis der Fluchtwährung Gold eigentlich Auftrieb geben. Doch es passiert das glatte Gegenteil.

Fritsch registriert, dass "die Marktteilnehmer darüber zunehmend verstört sind". Sie können es sich nicht erklären, warum sich der Goldpreis nicht mehr so verhält, wie man es aus den Lehrbüchern kennt. "Es gibt eine spürbare Vertrauenskrise bei Gold", sagt der Experte.

Der Dollarkurs kann den Preisverfall nicht vollständig erklären

Wenn es darum geht, das Phänomen zu erklären, fällt den meisten Fachleuten nur ein Argument ein: der starke Dollar. Da die Feinunze in Dollar notiert wird, wirkt sich ein Anstieg der Währung sofort auch auf den Goldkurs aus. Doch für Fritsch erklärt dies den Preisverfall nur zu einem kleinen Teil, weil Gold auch gegenüber anderen Währungen wie dem Euro stark gefallen ist.

Eine wichtige Ursache ist das mangelnde Vertrauen großer Investoren in das Edelmetall. Hedgefonds spekulieren auf einen weiteren Preisverfall. Sie sind so sogenannte Short-Positionen in einem Ausmaß eingegangen, das es noch nie gab: Sie verkaufen Gold am Terminmarkt und setzen darauf, dass sie sich später zu einem niedrigeren Preis wieder eindecken können. "Inzwischen sind so viele Investoren auf diesen Zug aufgesprungen, dass es zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung geworden ist", sagt Fritsch. Es fehlt das Interesse von Käufern an physischem Gold, und es fehlen Investoren, die mit einem steigenden Preis rechnen.