Tipps zur Geldanlage Sparen ohne Zinsen?

Für das Geld auf dem Konto gibt es kaum noch Zinsen. Warum es völlig in Ordnung ist, trotzdem nicht in Aktien zu investieren.

Von Harald Freiberger
Die Leserfrage

"Ist es schlimm, wenn ich mein Geld einfach so unverzinst auf dem Konto rumliegen lasse?" Robert T., Hamburg

Ihre Frage trifft den Nerv vieler Sparer in Zeiten, da es auf der Bank so gut wie keine Zinsen mehr gibt. Viele überlegen, wie sie mehr aus ihrem Ersparten machen können. Die Finanzbranche trägt mit Schlagworten wie "Anlagenotstand" oder "Dividende ist der neue Zins" auch ihren Teil dazu bei. Mancher bekommt da schon ein schlechtes Gewissen, weil er sein Geld nicht in Aktien oder andere Wertpapiere investieren will. Auch Sie scheinen zu ihnen zu gehören, zumindest deutet die Formulierung "Ist es schlimm . . .?" darauf hin. Um es deutlich zu sagen: Nein, es ist überhaupt nicht schlimm.

Tagesgeld macht unabhängig - zumindest kurzfristig

Zunächst einmal: Es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass erspartes Geld real, also unter Berücksichtigung der Inflation, Verluste bringt. In den vergangenen Jahrzehnten war es über weite Strecken so, dass die Inflationsrate höher war als das, was Banken für Sparprodukte an Zinsen zahlten. Das zeigen Statistiken der Bundesbank. Eine hohe Rendite war mit Tagesgeld, Festgeld oder Sparbriefen noch nie drin. Diese Art der Geldanlage hat einen anderen Vorteil: Sie ist ziemlich sicher und sie macht auf kurze Sicht unabhängig. Denn wenn die Waschmaschine kaputtgeht oder eine Autoreparatur fällig wird, ist Tagesgeld sofort verfügbar. Jeder Anleger sollte deshalb auf jeden Fall eine eiserne Reserve für solche Eventualitäten kurzfristig angelegt haben.

Andreas Beck vom Münchner "Institut für Vermögensaufbau" unterscheidet jedoch zwischen kurzfristiger und langfristiger Unabhängigkeit. "Wenn ich in 20 oder 30 Jahren unabhängig sein will, muss ich mein Geld auf dem Kapitalmarkt investieren, breit gestreut in Aktien und/oder Anleihen", sagt er. Investieren bedeute nichts anderes, als der Weltwirtschaft Kapital zur Verfügung zu stellen. Das habe sich in den vergangenen 70 Jahren immer rentiert, selbst die Finanzkrise sei da nur eine kleine Delle. Voraussetzung sei ein Depot, das den Sicherheitsbedürfnissen des Anlegers entspreche.

Was deutsche Anleger oft falsch machen

Wenn diese Entscheidung gefallen ist, sollten sich Anleger klarmachen, wie viel Geld sie kurzfristig brauchen und wie viel sie langfristig anlegen können, wie viel sie also monatlich abzweigen können, um es zum Beispiel über einen Sparplan auf dem Kapitalmarkt zu investieren.

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In diesem Fall muss es ihm aber auch egal sein können, wie sein Depot in drei Jahren aussieht. Denn auf dem Kapitalmarkt gibt es immer Risiken, und zwar nicht nur bei Aktien, sondern auch bei Anleihen. Es kann durchaus sein, dass ein Depot zwischendurch mit 20 Prozent im Minus liegt. Der Kardinalfehler deutscher Anleger ist, dass sie dann nervös werden und verkaufen. Sie investieren auch auf dem Kapitalmarkt kurzfristig, kaufen und verkaufen zu schnell. Das drückt die Rendite, weil sie den richtigen Zeitpunkt fast nie erwischen.

"Für den, der langfristig investiert, ist es egal, ob Zinsen oder Dax gerade hoch oder niedrig stehen", sagt Beck. Die Notwendigkeit dazu bestehe immer, außerdem wisse man erst später, ob der Dax hoch oder niedrig steht. Die Vergangenheit aber hat auch gezeigt, dass es für viele Menschen nicht passt, auf dem Kapitalmarkt zu investieren. Sie werden damit nicht glücklich, weil sie nicht in der Lage sind, zwischen kurzfristigem und langfristigem Anlageziel zu trennen. Wirklich risikoarm sind ausschließlich Tagesgeld, Festgeld oder Sparbriefe. "Wenn jemand absolut sicherheitsbewusst ist, sollte er sich nicht verrückt machen lassen", sagt Beck. "Unsere Botschaft lautet: Du musst gar nichts." Nein, es ist also nicht schlimm.