Spezialeinheit:Wie arbeitet die FIU?

Die Spezialeinheit des Zollkriminalamts soll Geldwäsche aufspüren. Ihre Aufgabe ist es, relevante Verdachtsmeldungen an die Landeskriminalämter weiterzugeben.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Die Financial Intelligence Unit, kurz FIU, ist Deutschlands zentrale Sammelstelle für Geldwäscheverdachtsmeldungen. Im Jahr 2020 sind insgesamt 144 000 Meldungen dort eingegangen. Die knapp 400 Mitarbeiter der FIU sollen diesen Pulk sichten. Dabei kommt eine Software zum Einsatz. Es sind hauptsächlich Banken, die Meldung machen - etwa, wenn ihnen eine Überweisung verdächtig vorkommt, zum Beispiel aufgrund der Höhe des Betrags oder dem Zielland. Die Bank kann den Zahlungsvorgang maximal drei Tage stoppen. In dieser Zeit muss die FIU entscheiden, ob sie den Fall an das zuständige Landeskriminalamt weiterleitet. Wenn die Strafverfolger ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung einleiten, kann die Zahlung länger ausgesetzt werden. Oft melden Banken ihren Verdacht aber erst, wenn die Überweisung bereits getätigt wurde. Neben dem Finanzsektor müssen Immobilienmakler, Casinos, Notare, Rechtsanwälte, Juweliere, Edelmetallhändler und Autohändler Meldung machen, wenn ihnen ein Geschäft verdächtig vorkommt. Diese Verpflichtung ist im Geldwäschegesetz geregelt. Die FIU entstand 2001 nach den Terroranschlägen in New York auf Druck der USA. Die Behörde war anfangs beim Bundeskriminalamt angesiedelt und unterstand dem Bundesinnenministerium. Auf Druck des früheren Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) wurde die Anti-Geldwäschebehörde 2017 - gegen den Widerstand vieler Experten - beim fachfremden Zoll angesiedelt. Die deutsche FIU ist Mitglied der Egmont Group. Das Gremium mit 167 teilnehmenden FIUs koordiniert den internationalen Informationsaustausch zu Geldwäschefällen.

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