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Deutsche Bank:Mehr gegen Geldwäsche tun

Der Deutsche Bank Tower in der Bankencity. Frankfurt, 25.09.2019 *** The Deutsche Bank Tower in the Bankencity Frankfur

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt. Das Geldinstitut steht wieder einmal in der Kritik.

(Foto: Christoph Hardt via www.imago-images.de/imago images/Future Image)

Die Finanzaufsicht Bafin ist immer noch unzufrieden mit der Deutschen Bank. Das wird wohl auch personelle Konsequenzen haben.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Allzu lange brauchte man bei der Deutschen Bank nicht warten, bis positive Nachrichten wieder durch negative abgelöst wurden. Vor ein paar Tagen hatte die Börse die Quartalszahlen des Geldhauses gefeiert, am Freitagabend meldete sich dann die deutsche Finanzaufsicht. Sie ist noch immer nicht zufrieden mit der Geldwäsche-Prävention der Bank - und das, obwohl das Institut die Anti-Geldwäsche-Systeme längst umfassend auf Vordermann gebracht haben wollte. Banken sind verpflichtet, die Identität ihrer Kunden zu prüfen, um Geldwäsche zu verhindern.

Offenbar läuft das aber immer noch nicht rund, weswegen die Bank "weitere angemessene interne Sicherungsmaßnahmen ergreifen und Sorgfaltspflichten einhalten müsse", so die Bafin. Dies betreffe die Aktualisierung von Kundenakten, das Geschäft mit Korrespondenzbanken und die Überwachung von Geldtransaktionen: "Unsere Anordnung soll bei der Deutschen Bank nachhaltige Verbesserungen in der Geldwäscheprävention bewirken."

Schon 2018 hatte die Aufsicht die Geduld verloren und einen Sonderbeauftragten bei der Bank eingesetzt, der die Fortschritte überwachen soll. Eigentlich wäre sein Mandat im September ausgelaufen, nun wird es um drei Jahre verlängert. Übertragen hat die Bafin diese Aufgaben an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die zuvor jahrelang die Bilanzen der Bank geprüft hatte.

Das ist eine Blamage für die Bank, die sich selbst immer wieder bescheinigt hat, wie gut sie inzwischen gegen Geldwäsche gerüstet sei. Man habe 900 Millionen Euro in verbesserte Kontrollen, Schulungen und Prozesse investiert und das Team für die Bekämpfung von Finanzkriminalität erweitert. Man sei heute eine andere Bank, hatte Konzernchef Christian Sewing immer wieder gesagt. Nun wird das Bild des geläuterten Geldhauses erneut erschüttert. Anders als bei anderen aufsichtsrechtlichen Vorgängen muss die Bafin Auflagen zur Geldwäsche-Prävention veröffentlichen.

Auch im Investmentbanking läuft nicht alles rund

Nach SZ-Informationen liegen die Probleme aber nicht nur im Korrespondenzbankgeschäft, wie es die Bafin hervorhebt, also einem Geschäftsbereich, der traditionell anfällig ist gegen Geldwäsche, weil dort große Summen um den Globus transferiert werden. Auch im Investmentbanking laufe es alles andere als rund, sagte ein Insider. Dort führt die Bank mehrere Tausend Kunden mit hohem Geldwäsche-Risiko, deren Daten regelmäßig und unter Beachtung strenger Fristen aktualisiert werden müssen. Dabei hinke das Geldhaus mächtig hinterher; die heikle Arbeit werde teils nur noch oberflächlich erledigt, heißt es in Finanzkreisen. Gelingt es der Bank nicht, die Kundenakten rechtzeitig zu aktualisieren, muss sie sich womöglich erneut von Kunden trennen. Bereits 2019 musste die Bank Tausende Kunden aussortieren.

Seit 2012 arbeitet das Finanzinstitut schon daran, die Geldwäsche-Abwehr zu verbessern. Darin war die Bank nie sonderlich gut; bis 2015 hatte sie etwa jahrelang Geldwäsche aus Russland ermöglicht, weswegen ihr die US-Behörden eine Strafe aufbrummten. Im selben Jahre musste sie zudem 40 Millionen Euro Strafe zahlen, weil sie viele Verdachtsmeldungen zu spät abgegeben hatte. Banken müssen einen Geldwäsche-Verdacht melden. 2019 hatte die Deutsche Bank etwa eine Panne in einer Software entdeckt, die eigentlich Transaktionen überwachen soll.

Die Vorgänge werden wohl auch personelle Folgen haben: Nach SZ-Informationen wird Anti-Geldwäschechef Stephan Wilken, der die Abteilung seit Oktober 2018 führt, seinen Posten wahrscheinlich aufgeben. Weder die Bank noch Wilken wollten sich dazu äußern.

"Es bleibt kein Stein auf dem anderen."

Auch im Vorstand wurden die Aufgaben gerade neu verteilt: Zuletzt war Frank Kuhnke im obersten Führungsgremium unter anderem für die Überarbeitung der Kundenakten zuständig; sein Vertrag läuft in Kürze aus und wird nicht verlängert. Außerdem gibt Risikovorstand Stuart Lewis die Verantwortung für den Kampf gegen Finanzkriminalität an Rechtsvorstand Stefan Simon ab. "Es bleibt kein Stein auf dem anderen", sagte ein Insider. Aber auch KPMG und die Bafin müssten sich fragen, warum sie die Bank nicht früher zu entschlossenem Handeln gedrängt hätten.

Die britische Finanzaufsicht hatte bereits vor einem Jahr verlangt, sie wolle künftig häufiger über Verbesserungen informiert werden. Fast zeitgleich hatte die US-Notenbank Fed moniert, in der Geldwäschebekämpfung weise die Bank immer noch "eine lang anhaltende systematische Schwäche" auf, etwa beim Erfassen von Kundendaten.

Die Bank teilte mit, man habe die Kontrollen verbessert und das Team zur Bekämpfung von Finanzkriminalität auf mehr als 1600 Mitarbeiter aufgestockt. Die Anordnung sei das "Ergebnis eines konstruktiven Aufsichtsdialogs" und spiegele wider, dass es für die Bank weiterhin oberste Priorität habe, mögliche Schwachstellen in den Kontrollprozessen zu erkennen und zu beheben. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die neuen Aspekte der Bafin-Anordnungen fristgerecht umzusetzen."

© SZ/kö
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