Geldwäsche:Credit Suisse angeklagt

Der Bank wird Geldwäsche für Kokainhändler vorgeworfen

Mit der Credit Suisse sitzt erstmals eine Großbank auf der Anklagebank des Schweizer Bundesstrafgerichts. Die Staatsanwälte werfen dem Institut und einer ehemaligen Mitarbeiterin Geldwäsche für einen bulgarischen Kokainhandelsring vor. Bei einer Verurteilung droht dem Institut eine Zahlung von 42,4 Millionen Franken. Schwerer ins Gewicht fallen dürfte allerdings die potenzielle Rufschädigung für die Bank, die auf eine Reihe von Skandalen und Verfahren zurückblickt. Credit Suisse bestreitet die Anklagepunkte. Die 515 Seiten lange Anklageschrift liest sich wie ein Krimi. Im Zentrum steht der frühere bulgarische Spitzenringer Evelin Banev. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde er Unternehmer und scheute dabei auch vor kriminellen Handlungen nicht zurück: In Italien und Bulgarien wurde er wegen Drogenschmuggels zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Banevs Clan wird die Einfuhr von mehreren Dutzend Tonnen Kokain von Südamerika nach Europa mittels Kurieren per Boot und Flugzeug zur Last gelegt. Er selbst tauchte 2015 unter und wurde im September 2020 in der Ukraine festgenommen. Er und sein Rechtsvertreter konnten von Reuters nicht erreicht werden. In der Schweiz ist Banev nicht angeklagt, sondern nur zwei mutmaßliche Helfer und die ehemalige Anlageberaterin der Bank. "Die Credit Suisse weist die in dieser vergangenheitsbezogenen Angelegenheit gegen sie erhobenen Vorwürfe in aller Form zurück und ist auch von der Unschuld ihrer ehemaligen Mitarbeiterin überzeugt", erklärte das Institut. Eine zweite, verwandte Anklage wirft einem ehemaligen Julius-Bär-Banker vor, dem Drogenhandelsring bei der Geldwäsche geholfen zu haben. Ein Anwalt des Bankers reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Bank Bär, die selbst nicht angeklagt ist, wollte sich nicht äußern. Die Vorfälle fallen in eine Zeit, als die Vorgaben in der Schweiz gegen Geldwäsche noch laxer waren. Damals war es auch nicht unüblich, dass Kunden, die Steuern in ihren Heimatländern hinterziehen wollten, Bargeld bei Schweizer Banken deponierten. Erst einige Jahre später wurde dann das Bankgeheimnis unter massivem Druck des Auslandes aufgehoben.

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