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Geldscheine:Ex-Bankchef will große Geldscheine weltweit abschaffen

Group Chief Executive of Standard Chartered Bank Sands speaks during a plenary session at the WEF in Davos

Peter Sands, der ehemalige Chef der Bank Standard Chartered, belegt die Risiken großer Scheine erstmals auch wissenschaftlich.

(Foto: REUTERS)
  • Der ehemalige Bank-Manager Peter Sands fordert die G-20-Staaten auf, sich mit der Abschaffung großer Banknoten auseinanderzusetzen.
  • Diese werden im Alltag kaum genutzt und haben den Ruf, Geldwäsche und Schattenwirtschaft zu fördern.

Von Vivien Timmler

Peter Sands will es den "bad guys" schwerer machen: Der ehemalige Manager der Bank Standard Chartered, eines der größten Geldinstitute Großbritanniens, plädiert für die Abschaffung großer Banknoten. Diese seien für das Funktionieren der Wirtschaft unbedeutend, dafür aber entscheidend für die Finanzierung der Schattenwirtschaft.

Sands ist bei Weitem nicht der Einzige, der sich derzeit mit diesem Thema auseinandersetzt. Er ist jedoch der Erste, der sich den großen Banknoten von einer wissenschaftlichen Seite nähert. In einer 64-seitigen Abhandlung legt er dar, warum die Verbannung der großen Banknoten unumgehbar sei, wenn Geldwäsche und Schattenwirtschaft wirklich effektiv bekämpft werden sollen.

Demnach würde etwa der illegale Geldfluss ohne ein Eingreifen der Staaten jährlich um etwa eine Billion Dollar ansteigen. Zugleich würden den Regierungen durch Steuervermeidung 70 Prozent ihres Einkommens entgehen.

Sands fordert die G 20 zum Handeln auf

Der ehemalige Bankchef fordert deshalb die G-20-Staaten auf, sich vor dem nächsten Gipfel im September in China mit der Debatte um die großen Scheine zu befassen. Nicht nur der 500-Euro-Schein, sondern auch die 100-Dollar-Note und die 50-Pfund-Note seien schließlich eher bei Kriminellen als bei normalen Bürgern zu finden. "Die Ironie ist, dass der Staat sie bei Verbrechen unterstützt", sagte Sands laut der Financial Times.

Gleichzeitig glaube er jedoch nicht, dass das Ende der größten Banknoten Geldwäsche, Schattenwirtschaft und Terrorismus stoppen würde, so Sands. Stattdessen würden Kriminelle auf digitale Währungen, auf Gold - oder einfach auf die nächstkleineren Banknoten umsteigen. Logisch wäre daher, etwa auch den 200-Euro-Schein abzuschaffen. Das wiederum würde die Befürchtung vieler Bürger nähren, dass Bargeld früher oder später ganz verschwinden könnte.

Auf EU-Ebene ist man auf das Problem bereits aufmerksam geworden

Zuletzt hatte schon die EU-Kommission bekanntgegeben, dass sie künftig prüfen wolle, welche Rolle der 500-Euro-Schein bei der Terrorfinanzierung spielt. Zudem will sie sich mit der außergewöhnlich hohen Anzahl von Banknoten auseinandersetzen, die in der Euro-Zone im Umlauf sind.

Die Kommission will deshalb mit der europäischen Polizeibehörde Europol zusammenarbeiten. Diese soll Berichten zufolge bereits Möglichkeiten erarbeiten, den Missbrauch der Noten durch Terroristen und andere Kriminelle einzudämmen. Dabei dürfte es jedoch vorerst auch bleiben, denn die exklusive Kontrolle über die Stückelung der Euro-Noten im Umlauf hat die EZB. Die Zentralbank hat sich ihrem Präsidenten Mario Draghi zufolge zwar schon mit dem Thema beschäftigt, sei aber noch zu keiner Entscheidung gekommen.

© SZ.de/vit/jasch
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